KI beim Shopping: Jeder Zweite nutzt digitale Einkaufshilfen
Mehr als jeder zweite Verbraucher in Europa setzt inzwischen KI beim Shopping ein. Besonders häufig unterstützen KI-Systeme beim Preisvergleich, bei der Produktauswahl und beim Auswerten von Bewertungen. Die vollständige Kaufentscheidung überlassen jedoch nur wenige Nutzer der Technik.
📌 Auf einen Blick
56 Prozent der europäischen Verbraucher nutzen KI beim Einkauf, in Deutschland sind es 52 Prozent. Am häufigsten dient die Technik dem Preisvergleich. Nur acht Prozent der europäischen und knapp sechs Prozent der deutschen Nutzer würden den Kauf vollständig delegieren.
KI beim Shopping gewinnt in Deutschland an Reichweite
Inhaltsverzeichnis
Der Einsatz von KI-Einkaufshilfen nimmt in Deutschland zu. Nach Angaben der Deloitte-Studie „The state of Agentic Commerce in Europe“ nutzten im Mai 2026 bereits 52 Prozent der deutschen Befragten entsprechende Anwendungen. Im September 2025 waren es noch 44 Prozent. Weitere 28 Prozent können sich vorstellen, solche Dienste künftig auszuprobieren.
Die Zahlen zeigen, dass KI beim Shopping den Schritt aus der Testphase in den Alltag vieler Verbraucher geschafft hat. Von einer vollständigen Verlagerung des Einkaufs auf autonome Systeme kann jedoch keine Rede sein. Die meisten Nutzer setzen KI gezielt als Werkzeug ein, nicht als Ersatz für die eigene Entscheidung.
Für die Studie wurden im Mai 2026 insgesamt 13.500 Verbraucher in 15 europäischen Ländern befragt, darunter 1.500 Personen in Deutschland. Die Ergebnisse bilden damit ein breites Stimmungsbild ab. Sie zeigen zugleich erhebliche Unterschiede zwischen den Ländern. In Spanien liegt der Anteil der KI-Nutzer bei 67 Prozent, in Großbritannien bei 48 Prozent. Deutschland bewegt sich mit 52 Prozent im unteren Mittelfeld.
Preisvergleich bleibt der wichtigste Anwendungsfall
Am häufigsten kommt KI beim Shopping für den Vergleich von Preisen zum Einsatz. 32 Prozent der Nutzer verwenden entsprechende Systeme dafür. Es folgen Produktvergleiche mit 24 Prozent und das Zusammenfassen von Produktbewertungen mit 22 Prozent.
Damit übernehmen KI-Anwendungen vor allem Aufgaben, die zeitaufwendig und datenintensiv sind. Sie durchsuchen Angebote, bündeln Informationen und reduzieren lange Bewertungslisten auf wenige Kernaussagen. Für Verbraucher ist das bequem. Für Händler entsteht jedoch ein neuer Wettbewerbsfaktor: Nicht nur die Sichtbarkeit in Suchmaschinen und Marktplätzen zählt, sondern zunehmend auch die Lesbarkeit von Produktdaten für KI-Systeme.
Der Handel steht damit vor einer nüchternen Aufgabe. Produktinformationen müssen vollständig, strukturiert und widerspruchsfrei sein. Ungenaue Preise, fehlende Lieferangaben oder unklare Varianten können dazu führen, dass ein Angebot von einer KI schlechter eingeordnet oder gar nicht berücksichtigt wird. Wer bisher mit möglichst viel Werbesprache und möglichst wenig Substanz gearbeitet hat, dürfte es in dieser Umgebung schwerer haben.
Die Kaufentscheidung bleibt weitgehend beim Menschen
Trotz wachsender Nutzung bleibt die Bereitschaft gering, Kaufentscheidungen vollständig an eine KI abzugeben. Europaweit würden dies nur acht Prozent der Nutzer tun. In Deutschland liegt der Anteil bei knapp sechs Prozent.
Das ist ein wichtiger Unterschied zwischen Beratung und Delegation. Verbraucher akzeptieren KI als Filter, Vergleichswerkzeug und Assistenten. Bei der endgültigen Auswahl behalten sie jedoch meist selbst die Kontrolle. Gerade bei teuren, persönlichen oder erklärungsbedürftigen Produkten dürfte diese Zurückhaltung bestehen bleiben.
Die Entwicklung bremst überzogene Erwartungen an einen vollständig automatisierten Einkauf. Der sogenannte Agentic Commerce wird zwar relevanter, doch der Kunde verschwindet nicht einfach aus dem Kaufprozess. Wer davon ausgeht, dass KI-Agenten künftig selbstständig Warenkörbe füllen und Bestellungen auslösen, unterschätzt die Bedeutung von Vertrauen, Haftung und persönlicher Verantwortung.
Datenschutzbedenken sinken, Misstrauen bleibt
Die Akzeptanz von KI beim Shopping hängt stark vom Vertrauen in die eingesetzten Systeme ab. Europaweit nennen 37 Prozent Datenschutz- und Sicherheitsbedenken als wichtigstes Problem. 32 Prozent fürchten Manipulation, 30 Prozent den Verlust des menschlichen Kontakts.
In Deutschland ist die Sorge um den Datenschutz laut Studie deutlich zurückgegangen. 2025 nannten noch 52 Prozent der Befragten den Datenschutz als Hauptbedenken, 2026 waren es 30 Prozent. Das kann auf bessere Erfahrungen, eine stärkere Gewöhnung oder schlicht auf eine sinkende Sensibilität im Alltag hindeuten. Weniger Sorge bedeutet nicht automatisch mehr Sicherheit.
Besonders offen sind junge Erwachsene zwischen 18 und 27 Jahren. 39 Prozent vertrauen KI-Tools stärker als Mitarbeitern im stationären Handel, denen 34 Prozent vertrauen. Zugleich sind jüngere Nutzer eher bereit, persönliche Daten zu teilen. Für Anbieter eröffnet das neue Möglichkeiten, erhöht aber auch die Verantwortung. Empfehlungen werden nur dann dauerhaft akzeptiert, wenn nachvollziehbar bleibt, wie sie zustande kommen und welche wirtschaftlichen Interessen dahinterstehen.
Händler müssen künftig auch für Maschinen verständlich sein
KI beim Shopping verändert nicht nur die Kundenschnittstelle, sondern auch die Anforderungen an Händler und Plattformen. Preis, Verfügbarkeit, Lieferzeit, Rückgabebedingungen und Produktmerkmale müssen so aufbereitet sein, dass sie von automatisierten Systemen zuverlässig verarbeitet werden können.
Gleichzeitig wächst das Risiko, dass KI-Systeme Empfehlungen nach Kriterien gewichten, die für Verbraucher nicht transparent sind. Bezahlte Platzierungen, Provisionen oder bevorzugte Datenquellen könnten die vermeintlich neutrale Beratung beeinflussen. Aus einem digitalen Einkaufsberater kann schnell ein neuer Gatekeeper werden.
Für Händler reicht es deshalb nicht, lediglich „KI-fähig“ zu werden. Sie müssen darauf achten, dass Produktdaten korrekt, aktuell und vergleichbar bleiben. Verbraucher wiederum sollten KI-Empfehlungen als Entscheidungshilfe betrachten, nicht als unanfechtbares Urteil. Die Technik spart Zeit, nimmt aber weder Verantwortung noch kritisches Denken ab.
Faktenbox
| KI-Einkaufshilfen in Europa | |
|---|---|
| Studie | The state of Agentic Commerce in Europe |
| Herausgeber | Deloitte |
| Befragungszeitraum | Mai 2026 |
| Stichprobe | 13.500 Verbraucher in 15 europäischen Ländern |
| Deutschland | 1.500 Befragte |
| KI-Nutzung in Europa | 56 Prozent |
| KI-Nutzung in Deutschland | 52 Prozent, nach 44 Prozent im September 2025 |
| Häufigster Einsatzzweck | Preisvergleich mit 32 Prozent |
| Produktvergleich | 24 Prozent |
| Zusammenfassung von Bewertungen | 22 Prozent |
| Vollständige Kaufdelegation | 8 Prozent in Europa, knapp 6 Prozent in Deutschland |
| Größte Vorbehalte | Datenschutz und Sicherheit, Manipulation sowie Verlust des menschlichen Kontakts |
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