Digital-Euro-Händlerpilot: EZB sucht Onlinehändler für Pilotphase

Die Europäische Zentralbank sucht Online- und Mobile-Händler für den Digital-Euro-Händlerpilot. Ausgewählte Unternehmen sollen ab der zweiten Jahreshälfte 2027 Zahlungen mit einer Beta-Version des digitalen Euro in einem abgeschirmten Checkout testen. Wer mitmacht, erhält frühen Einblick in die geplanten Abläufe, trägt seine Integrationskosten aber selbst.

📌 Auf einen Blick

Bewerbungen sind bis zum 27. Oktober 2026 möglich. Der zwölfmonatige Test soll im zweiten Halbjahr 2027 beginnen; teilnehmende Händler müssen einen separaten Pilot-Checkout einrichten und ihre eigenen Projekt- und Integrationskosten tragen.

Digital-Euro-Händlerpilot: EZB sucht Onlinehändler für Pilotphase
Digital-Euro-Händlerpilot: EZB sucht Onlinehändler für Pilotphase

Digital-Euro-Händlerpilot richtet sich an grenzüberschreitende Anbieter

Der Aufruf richtet sich an Unternehmen, die in der Europäischen Union rechtlich niedergelassen sind, einen aktiven Online-Shop oder eine mobile Shopping-App betreiben und Kunden in mindestens zwei der 19 Pilotländer bedienen können. Zu diesen Ländern gehören Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, die Niederlande und weitere Staaten des Euroraums.

Eine bestehende Geschäftsbeziehung zu einem der ausgewählten Zahlungsdienstleister ist keine zwingende Voraussetzung für die Bewerbung. Im Fall einer Auswahl muss der Händler jedoch einen Vertrag mit einem teilnehmenden Acquirer abschließen oder eine bestehende Vereinbarung erweitern. Ein bereits vorhandener Vertrag fließt nach Angaben der EZB in die Bewertung ein.

Die Zentralbank bewertet neben den formalen Voraussetzungen unter anderem geografische Reichweite, technische Flexibilität, operative Einsatzfähigkeit und die Eignung für den kontrollierten Test. Wie viele Händler ausgewählt werden, steht nicht fest. Bestimmte Branchen können wegen operativer, rechtlicher oder reputationsbezogener Risiken ausgeschlossen werden.

Separater Checkout für einen begrenzten Nutzerkreis

Der Digital-Euro-Händlerpilot ist kein öffentlicher Produkttest. Als Käufer nehmen ausschließlich ausgewählte Mitarbeiter der EZB und der beteiligten nationalen Zentralbanken teil. Die Händler müssen deshalb einen eigenen oder entsprechend angepassten Checkout bereitstellen, auf den normale Kunden keinen Zugriff haben.

Innerhalb dieses geschlossenen Umfelds sollen reale Waren und Dienstleistungen bezahlt werden. Nach der Ausschreibung der Europäischen Zentralbank für Onlinehändler ist die Beta-Version technisch und funktional an den geplanten digitalen Euro angelehnt, besitzt aber keinen Status als gesetzliches Zahlungsmittel. Die Erlöse werden dem Händler auf einem normalen Zahlungskonto gutgeschrieben.

Der Test endet nicht mit einer erfolgreichen Zahlungsbestätigung. Auch Stornierungen, Rückerstattungen, Abstimmung, Fehlerfälle und Kundenservice gehören zum Umfang. Händler sollen unter anderem erfolgreiche und fehlgeschlagene Zahlungen, Abschlusszeiten, Abbrüche und technische Probleme melden. Damit wird der Checkout nicht nur zur Schaufensterfunktion, sondern zum eigentlichen Belastungstest.

Händler tragen die Integrationskosten selbst

Die Teilnahme am Digital-Euro-Händlerpilot wird nicht vergütet. Die Zahlungsdienstleister dürfen für die Pilot-Zahlungsdienste zwar keine Gebühren verlangen und sollen Akzeptanzlösung, Onboarding, technische Anleitung und operative Unterstützung liefern. Interne Entwicklung, Projektmanagement, Tests und gegebenenfalls beauftragte IT-Dienstleister bezahlt der Händler jedoch selbst. Eine Kostenerstattung oder Förderung ist nicht vorgesehen.

Die Teilnahmevereinbarung verpflichtet Händler außerdem zur Zusammenarbeit bei Tests und Störungen, zum Support für Bestellungen und Retouren sowie zur regelmäßigen Lieferung von Daten und Feedback. Vertrauliche Informationen bleiben grundsätzlich bis zu fünf Jahre nach Vertragsende geschützt. Das Feedback darf das Eurosystem dauerhaft und lizenzfrei für die weitere Entwicklung verwenden. Besondere Rechte bei einer späteren Markteinführung entstehen den Teilnehmern nicht.

Zeitplan bis zum operativen Test

Interessierte Unternehmen müssen den englischsprachigen Fragebogen und die unterschriebene Erklärung bis zum 27. Oktober 2026 um 17 Uhr einreichen. Die EZB bittet darum, den Fragebogen im ursprünglichen Excel-Format zu senden. Eine Informationsveranstaltung ist für den 6. Oktober 2026 geplant.

Die Auswahl und Vertragsphase soll vom vierten Quartal 2026 bis zum ersten Quartal 2027 laufen. Anschließend folgen Onboarding, technische Integration und Produktionsvorbereitung. Der operative Digital-Euro-Händlerpilot ist vom dritten Quartal 2027 bis zum dritten Quartal 2028 vorgesehen. Die EZB kann die Laufzeit unter den vertraglich genannten Voraussetzungen um bis zu sechs Monate verlängern.

Auf Seiten der Zahlungsabwicklung stehen bereits 36 Anbieter fest. Dazu zählen aus Deutschland Deutsche Bank, DZ Bank, Helaba, PAYONE und RS2 Financial Services sowie international unter anderem Adyen, Stripe, SumUp, Revolut, Nexi und Worldline. Einen Überblick über die Auswahl und die vorgesehenen Zahlungsarten bietet der Beitrag zum Digital-Euro-Pilot mit 36 Zahlungsdienstleistern.

Pilot nimmt die politische Entscheidung nicht vorweg

Der technische Aufwand darf nicht mit einer beschlossenen Einführung verwechselt werden. Das Europäische Parlament und der Rat verhandeln weiterhin über den Rechtsrahmen. Erst nach dessen Verabschiedung will der EZB-Rat entscheiden, ob der digitale Euro tatsächlich ausgegeben wird. Die EZB nennt 2029 als möglichen Zeitpunkt für die technische Bereitschaft, nicht als garantierten Starttermin.

Für Onlinehändler bleibt vor allem die spätere Annahmepflicht für den digitalen Euro relevant. Auch das reguläre Gebührenmodell ist politisch nicht abschließend geklärt. Handelsverbände verlangen niedrigere und verlässlich begrenzte Kosten. Die Gebührenfreiheit im Test sagt daher wenig darüber aus, was ein produktiver Betrieb später kostet.

Der Digital-Euro-Händlerpilot liefert dennoch einen wichtigen Praxistest: Er zeigt, wie aufwendig die Anbindung tatsächlich ist, ob Rückerstattungen und Fehlerbehandlung funktionieren und welche Reibung im Checkout entsteht. Wie bei anderen europäischen Zahlungsdiensten entscheidet am Ende nicht allein die politische Herkunft. Für Händler zählen Kosten, Reichweite, Zuverlässigkeit und ein Zahlungsablauf, den Kunden ohne Umwege verstehen.

Faktenbox

Digital-Euro-Händlerpilot der EZB
Bewerbungsfrist27. Oktober 2026, 17 Uhr
TeilnahmevoraussetzungEU-Niederlassung, Online-Shop oder Shopping-App und Reichweite in mindestens zwei Pilotländern
Operative PhaseVoraussichtlich drittes Quartal 2027 bis drittes Quartal 2028
KostenKeine Pilotgebühren der Zahlungsdienstleister, aber keine Erstattung eigener Integrations- und Projektkosten
RechtsstatusBeta-Version ohne Status als gesetzliches Zahlungsmittel; keine Vorentscheidung über eine Einführung