US-E-Commerce wächst um 12,2 Prozent – Online zieht davon
Der US-E-Commerce hat im zweiten Quartal 2026 deutlich an Tempo gewonnen. Nach Angaben des U.S. Census Bureau erreichten die saisonbereinigten Onlineumsätze 340,2 Milliarden US-Dollar. Gegenüber dem zweiten Quartal 2025 entspricht das einem Plus von 12,2 Prozent. Der gesamte US-Einzelhandel wuchs im gleichen Zeitraum dagegen nur um 6,7 Prozent. Damit verschiebt sich das Wachstum erneut stärker in Richtung Onlinekanal.
📌 Auf einen Blick
Der saisonbereinigte E-Commerce-Umsatz in den USA stieg im zweiten Quartal 2026 auf 340,2 Milliarden US-Dollar. Das entspricht +12,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr und +3,8 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Der Onlineanteil am gesamten Einzelhandel liegt nun bei 17,1 Prozent.
US-E-Commerce wächst fast doppelt so schnell wie der Einzelhandel
Inhaltsverzeichnis
Die Differenz zwischen Online- und Gesamtmarkt fällt deutlich aus. Während der US-E-Commerce gegenüber dem Vorjahresquartal um 12,2 Prozent zulegte, kam der gesamte Einzelhandel auf 6,7 Prozent. Rechnerisch wächst der Onlinekanal damit rund 1,8-mal so schnell wie der Gesamtmarkt.
Auch im Vergleich zum ersten Quartal zeigt sich eine ähnliche Richtung. Die saisonbereinigten E-Commerce-Umsätze stiegen um 3,8 Prozent, während der gesamte Einzelhandel um 2,9 Prozent zulegte. Das ist kein Beleg dafür, dass der stationäre Handel schrumpft. Die Zahlen zeigen aber, wo derzeit ein überproportional großer Teil des zusätzlichen Umsatzwachstums entsteht.
Für Händler ist diese Entwicklung vor allem deshalb relevant, weil die Statistik nicht nur reine Onlinehändler und große Marktplätze erfasst. Auch Onlineverkäufe klassischer Einzelhändler fließen in die E-Commerce-Zahlen ein. Die Daten messen damit nicht Amazon gegen den Rest des Handels, sondern grundsätzlich die Verlagerung von Bestellungen auf digitale Vertriebskanäle.
Onlineanteil steigt auf 17,1 Prozent
Der steigende Anteil des Onlinegeschäfts ist mindestens ebenso relevant wie die Wachstumsrate. Im zweiten Quartal entfielen saisonbereinigt 17,1 Prozent des gesamten US-Einzelhandelsumsatzes auf E-Commerce.
Damit stammt inzwischen mehr als jeder sechste Dollar im US-Einzelhandel aus einer Bestellung über einen digitalen Kanal. Gleichzeitig bleibt der größere Teil des Handels weiterhin stationär. Wer aus den Zahlen bereits das Ende der Filiale ableiten will, liest zu viel hinein. Die Daten sprechen aber ebenso wenig für eine Rückkehr zu früheren Verhältnissen.
Der Onlinehandel gewinnt weiter Marktanteile, obwohl viele Handelsunternehmen gleichzeitig in Filialnetze, Omnichannel-Angebote, Abholung und stationäre Services investieren. Gerade dadurch verschwimmt die Trennung zwischen Online- und Offlinehandel zunehmend. Für die Statistik bleibt jedoch entscheidend, auf welchem Weg eine Bestellung zustande kommt.
340,2 Milliarden Dollar sind eine nominale Größe
Bei der Einordnung der Zahlen ist ein wichtiger Punkt zu beachten: Das Census Bureau bereinigt die Quartalswerte um saisonale Effekte, nicht aber um Preisveränderungen. Die ausgewiesenen 12,2 Prozent sind daher ein nominales Umsatzwachstum.
Ein Teil des Anstiegs kann auf höhere Preise zurückzuführen sein. Aus den Daten lässt sich deshalb nicht ableiten, dass auch die verkaufte Warenmenge um 12,2 Prozent gestiegen ist. Wer Umsatzwachstum automatisch mit entsprechend höherem Absatz gleichsetzt, macht es sich zu einfach.
Das relativiert die Schlagzeile, ändert aber wenig am Vergleich mit dem gesamten Einzelhandel. Auch dessen Umsatzentwicklung wird in derselben Statistik nicht preisbereinigt ausgewiesen. Der Abstand zwischen 12,2 Prozent Onlinewachstum und 6,7 Prozent Wachstum des Gesamtmarktes bleibt deshalb ein wichtiger Hinweis darauf, dass der digitale Vertrieb derzeit stärker zulegt als der Einzelhandel insgesamt.
Auch gegenüber dem Vorquartal liegt Online vorne
Nicht nur der Jahresvergleich fällt zugunsten des Onlinegeschäfts aus. Gegenüber dem ersten Quartal 2026 stieg der saisonbereinigte E-Commerce-Umsatz um 3,8 Prozent. Der gesamte Einzelhandel erreichte im gleichen Zeitraum lediglich ein Plus von 2,9 Prozent.
Der Abstand ist im Quartalsvergleich zwar kleiner als gegenüber dem Vorjahr, die Richtung bleibt jedoch dieselbe. Der Onlinekanal wächst schneller als der Gesamtmarkt.
Das ist für Händler auch operativ relevant. Steigende Onlineumsätze erhöhen nicht automatisch die Profitabilität. Versandkosten, Retouren, Fulfillment, Performance-Marketing und Plattformgebühren können einen erheblichen Teil des zusätzlichen Umsatzes auffressen. Ein wachsender Markt löst daher nicht automatisch die Margenprobleme des E-Commerce.
Vorläufige Zahlen können noch revidiert werden
Wie bei den vierteljährlichen E-Commerce-Daten üblich, handelt es sich bei den Angaben für das zweite Quartal zunächst um eine vorläufige Schätzung. Das Census Bureau kann einzelne Werte mit späteren Veröffentlichungen überarbeiten.
Für die Bewertung des US-E-Commerce ist deshalb weniger die Nachkommastelle entscheidend als die Richtung. Online wächst derzeit deutlich schneller als der Gesamtmarkt und erreicht einen höheren Anteil am Einzelhandelsumsatz.
Für Händler erhöht das den Druck, digitale Vertriebskanäle nicht nur als Ergänzung zur Filiale zu behandeln. Gleichzeitig wäre es zu kurz gedacht, allein auf Umsatzwachstum zu setzen. Entscheidend bleibt, ob das zusätzliche Geschäft nach Logistik-, Marketing-, Retouren- und Plattformkosten auch einen wirtschaftlichen Beitrag liefert.
Die neuen Q2-Zahlen zeigen damit weniger einen Sieg von Online über Offline als eine weitere Verschiebung innerhalb des Handels: Kunden bestellen einen wachsenden Anteil ihrer Einkäufe digital – unabhängig davon, ob der Anbieter ein Marktplatz, ein reiner Onlinehändler oder eine klassische Handelskette mit Filialnetz ist.
Faktenbox
| US-Onlinehandel im zweiten Quartal 2026 | |
|---|---|
| E-Commerce-Umsatz | 340,2 Mrd. US-Dollar, saisonbereinigt |
| Wachstum zum Vorjahr | +12,2 Prozent |
| Wachstum zum Vorquartal | +3,8 Prozent |
| Gesamter Einzelhandel | 1,9865 Billionen US-Dollar |
| Wachstum Einzelhandel zum Vorjahr | +6,7 Prozent |
| Wachstum Einzelhandel zum Vorquartal | +2,9 Prozent |
| Onlineanteil | 17,1 Prozent |
| Preisbereinigung | Nein, ausgewiesen werden nominale Umsätze |
| Datenstatus | Vorläufige Schätzung |
| Datenbasis | U.S. Census Bureau, Quarterly Retail E-Commerce Sales |
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