DSA Bußgeld gegen X: EU verhängt 120 Millionen Euro Strafe

Die Europäische Kommission hat ein deutliches Zeichen im Bereich der digitalen Plattformregulierung gesetzt und erstmals finanzielle Sanktionen auf Basis des Gesetzes über digitale Dienste (Digital Services Act, DSA) ausgesprochen. Im Fokus der Entscheidung steht die Online-Plattform X (ehemals Twitter), die wegen schwerwiegender Verstöße gegen Transparenzverpflichtungen zur Kasse gebeten wird. Parallel dazu konnte eine Einigung mit der Videoplattform TikTok erzielt werden, die sich zu weitreichenden Verbesserungen im Bereich der Werbetransparenz verpflichtet hat. Das DSA Bußgeld gegen X markiert einen Wendepunkt in der europäischen Digitalpolitik und unterstreicht den Willen der Behörden, die neuen Regelwerke konsequent durchzusetzen.

DSA-Bußgeld gegen X: EU verhängt 120 Millionen Euro Strafe
DSA Bußgeld gegen X: EU verhängt 120 Millionen Euro Strafe

Historisches DSA Bußgeld gegen X wegen irreführender Praktiken

Die Europäische Kommission hat am heutigen Tag eine Geldbuße in Höhe von 120 Millionen Euro gegen das Unternehmen X verhängt. Dies stellt die erste formelle Entscheidung über eine Nichteinhaltung gemäß dem Digital Services Act dar. Die Kommission begründet das DSA Bußgeld gegen X mit mehreren spezifischen Verstößen, die das Vertrauen der Nutzer in die Plattform untergraben und die Aufsichtsmöglichkeiten behindern.

Ein zentraler Kritikpunkt der Brüsseler Behörde ist die Gestaltung der verifizierten Konten, bekannt als das „blaue Häkchen“. Ursprünglich als Indikator für Echtheit und Relevanz gedacht, wird dieses Symbol nun gegen Bezahlung vergeben. Die Kommission sieht in der aktuellen Ausgestaltung ein sogenanntes „Dark Pattern“ beziehungsweise eine irreführende Gestaltung, die Nutzer täuscht. Es wird suggeriert, dass verifizierte Konten vertrauenswürdiger seien, obwohl der Status lediglich auf einem Abonnement beruht.

Darüber hinaus bemängelt die Kommission die mangelnde Transparenz des Werbeanzeigenarchivs der Plattform. Der DSA schreibt vor, dass Nutzer und Forscher nachvollziehen können müssen, wer welche Werbung schaltet. X ist dieser Verpflichtung nach Ansicht der Kommission nicht in ausreichendem Maße nachgekommen. Ein weiterer schwerwiegender Punkt, der das DSA Bußgeld gegen X rechtfertigt, ist die Verweigerung des Datenzugriffs für Forschende. Der Zugang zu öffentlich zugänglichen Daten ist essenziell, um systemische Risiken wie Desinformation oder Hassrede unabhängig untersuchen zu können.

Klare Worte aus Brüssel und Berechnung der Strafhöhe

Die Exekutiv-Vizepräsidentin für technologische Souveränität, Sicherheit und Demokratie, Henna Virkkunen, fand deutliche Worte zur Entscheidung. Sie betonte, dass Täuschung von Nutzern und die Verschleierung von Werbeinformationen im europäischen Internet keinen Platz hätten. Der DSA sei geschaffen worden, um Nutzer zu schützen und das Vertrauen in die digitale Umgebung wiederherzustellen. Mit der Verhängung der Strafe werde X direkt dafür verantwortlich gemacht, Nutzerrechte untergraben und sich der Rechenschaftspflicht entzogen zu haben.

Die Höhe der Strafe wurde nicht willkürlich festgesetzt. Bei der Berechnung des Betrages von 120 Millionen Euro berücksichtigte die Kommission die Art der Verstöße, deren Schweregrad in Bezug auf die betroffenen Nutzer in der Europäischen Union sowie die Dauer der Zuwiderhandlungen. Das DSA Bußgeld gegen X soll somit nicht nur sanktionieren, sondern auch eine abschreckende Wirkung auf andere große Online-Plattformen entfalten, die unter die strengen Auflagen des Gesetzes fallen.

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TikTok entgeht Strafe durch verbindliche Zusagen

Während gegen X eine Geldstrafe verhängt wurde, endete das Verfahren gegen die Kurzvideo-Plattform TikTok mit einer einvernehmlichen Lösung. Die Kommission hatte im Vorfeld Bedenken geäußert, dass auch TikToks Werbearchiv nicht den Transparenzanforderungen des DSA genüge. Nach intensiven Verhandlungen akzeptierte die Kommission nun die von TikTok vorgelegten Verpflichtungszusagen. Diese Maßnahmen sollen die Bedenken aus den vorläufigen Untersuchungsergebnissen vom Mai 2025 vollständig ausräumen.

TikTok verpflichtet sich, ein vollumfänglich transparentes, durchsuchbares Werbearchiv bereitzustellen. Dies ist entscheidend, um etwa Wahlmanipulation, Betrug oder Werbung für illegale Produkte aufzudecken. Zu den konkreten Zusagen gehört, dass der Inhalt der Werbung exakt so dargestellt wird, wie er im Feed der Nutzer erscheint, inklusive aller Verlinkungen. Zudem muss das Archiv innerhalb von maximal 24 Stunden aktualisiert werden. Ein wesentlicher Punkt für die Forschung ist die Offenlegung der Targeting-Kriterien. TikTok muss künftig anzeigen, nach welchen Parametern (wie Alter, Geschlecht, Region) Werbung ausgespielt wurde. Die Umsetzung dieser Maßnahmen muss innerhalb von zwei bis zwölf Monaten erfolgen.

Deutsche Aufsichtsbehörden begrüßen das Vorgehen

Die Entscheidung aus Brüssel stößt auch auf nationaler Ebene auf Zustimmung. Der Digital Services Coordinator (DSC) in der Bundesnetzagentur begrüßte das DSA Bußgeld gegen X sowie die Einigung mit TikTok ausdrücklich. Die deutschen Behörden hatten die Verfahren der Kommission aktiv unterstützt. Dies zeigt, dass die europäische Zusammenarbeit im Rahmen des DSA-Netzwerks funktioniert.

Die nationalen DSCs spielen eine wichtige Rolle bei der Durchsetzung des Gesetzes. Sie sind verpflichtet, Informationen über mögliche Verstöße an die Kommission zu übermitteln und die einheitliche Anwendung der Regeln sicherzustellen. Der DSC in der Bundesnetzagentur fungiert dabei als zentrale Koordinierungsstelle in Deutschland. Er ist nicht nur Anlaufstelle für Beschwerden von Nutzern, sondern zertifiziert auch Streitschlichtungsstellen und prüft Anträge von Forschern auf Datenzugang. Die aktuelle Entwicklung belegt, dass das Zusammenspiel zwischen nationalen Koordinatoren und der EU-Kommission effektiv ist, um globale Tech-Konzerne zur Einhaltung europäischer Standards zu bewegen.

Hintergründe und Ausblick auf die Regulierung

Der Digital Services Act ist eines der schärfsten Schwerter der EU im Kampf gegen illegale Inhalte und Desinformation im Netz. Er verpflichtet sehr große Online-Plattformen (VLOPs) und Suchmaschinen (VLOSEs) zu einem strengen Risikomanagement und hoher Transparenz. Das nun verhängte DSA Bußgeld gegen X ist der vorläufige Höhepunkt einer seit Dezember 2023 laufenden Untersuchung.

Es ist davon auszugehen, dass diese Entscheidung Signalwirkung haben wird. Die Kommission hat deutlich gemacht, dass sie Verstöße nicht toleriert. Neben den abgeschlossenen Verfahren laufen weitere Ermittlungen gegen beide Unternehmen wegen möglicher anderer Verstöße gegen den DSA. Die Tech-Branche wird die Umsetzung der Maßnahmen bei X und TikTok genau beobachten müssen, da die Einhaltung der neuen Regeln nun nicht mehr nur theoretische Pflicht, sondern finanzielle Realität ist. Die Fristen für TikTok laufen, und X muss nun nicht nur die Strafe zahlen, sondern auch seine Systeme anpassen, um weitere Sanktionen zu vermeiden.

Faktenbox

DSA Bußgeld gegen X
Sanktioniertes UnternehmenX (ehemals Twitter)
Höhe der Geldbuße120 Millionen Euro
Gründe für das BußgeldIrreführende „blaue Häkchen“, intransparentes Werbearchiv, verweigerter Forscherzugang
Verfahren gegen TikTokEingestellt gegen Auflagen (kein Bußgeld)
Auflagen für TikTokVollständiges Werbearchiv, Aktualisierung binnen 24h, Offenlegung von Targeting-Daten
RechtsgrundlageDigital Services Act (DSA)
Datum der Entscheidung05. Dezember 2025