Podcast: Peak Season 2026 – Früh planen statt blind rabattieren

Die Peak Season 2026 beginnt für Onlinehändler nicht erst am Black Friday. In einer neuen Folge des eBay-Podcasts „Alles top. Gerne wieder!“ sprechen Moderatorin Lisa Haak und Martin Groß-Albenhausen vom Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland darüber, warum Kampagnen, Produktdaten, Preise und Logistik bereits im September vorbereitet werden sollten.

📌 Auf einen Blick

Laut einer von eBay beauftragten Civey-Umfrage denken 23 Prozent bereits im Spätsommer über Weihnachtsgeschenke nach, 65 Prozent starten ihre Produktsuche auf Online-Marktplätzen. Im Podcast rät Groß-Albenhausen, das Geschäft bis Januar zu planen und Rabatte nicht mit einer tragfähigen Preisstrategie zu verwechseln.

Peak Season 2026: Produktsuche beginnt früher

Die zentrale These der Folge lautet: Händler müssen vor dem eigentlichen Aktionszeitraum sichtbar sein. eBay stützt diese Aussage auf eine von eBay als repräsentativ bezeichnete Online-Umfrage zur Peak Season 2026, die Civey am 24. und 25. Juni 2026 im Auftrag des Marktplatzes unter 2.500 Erwachsenen in Deutschland durchgeführt hat. Mehrfachnennungen waren bei der Frage nach dem Startpunkt der Suche möglich: 65 Prozent nannten Online-Marktplätze, 43 Prozent Suchmaschinen und 41 Prozent Shops von Marken oder Herstellern. Zudem suchten 57 Prozent bereits nach einem konkreten Produkt.

Die Zahlen zeigen Kanalpräferenzen, aber keine abgeschlossenen Käufe und keinen Marktanteil. Weil eBay Auftraggeber der Erhebung und selbst Marktplatz ist, sollte die starke Position von Marktplätzen nicht als unabhängiger Beleg für die Überlegenheit eines bestimmten Anbieters gelesen werden. Sie passt allerdings zu den aktuellen bevh-Umsatzdaten: Im zweiten Quartal 2026 wuchs der deutsche Onlinehandel mit Waren nominal um 5,1 Prozent, Online-Marktplätze legten um 6,4 Prozent zu. Einen verwandten Blick auf Suchwege bietet der frühere Beitrag zur Produktsuche im E-Commerce.

Peak Season 2026 endet nicht am Cyber Monday

Groß-Albenhausen widerspricht im Gespräch der Vorstellung, das Weihnachtsgeschäft sei nach Cyber Monday weitgehend entschieden. Nach bevh-Auswertungen entfielen 2025 rund 40 Prozent des Onlineumsatzes im vierten Quartal auf den Dezember; 2019 sei es ungefähr ein Drittel gewesen. Die zugrunde liegende Detailauswertung ist in den frei zugänglichen Quellen nicht veröffentlicht. Die Prozentwerte bleiben deshalb eine im Podcast nachvollziehbar benannte Verbandsangabe.

Für Händler folgt daraus keine Garantie auf späte Zusatzumsätze. Es spricht aber dafür, Budgets, Lieferzusagen und Warenbestände nicht allein auf die Black Week zu konzentrieren. Die OTTO-Bilanz zum Black Friday 2025 zeigte bereits, dass selbst ein erfolgreicher Aktionstag nur einen Teil des Jahresendgeschäfts abbildet. Groß-Albenhausen zählt außerdem Retouren, eingelöste Gutscheine und Geldgeschenke zum Nachlauf bis Ende Januar.

Rabattschlacht löst das Margenproblem nicht

Preissensibilität ist real, doch das Rabattetikett allein überzeugt nicht jeden Kunden. In der eBay-Umfrage bezeichneten 70 Prozent ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bei Weihnachtsgeschenken als wichtig. In einzelnen Sortimenten verschieben sich die Prioritäten: Im Podcast nennt Haak für Fashion 43 Prozent beim Preis-Leistungs-Verhältnis und für generalüberholte Elektronik 41 Prozent bei Garantie und Gewährleistung. Bei Sammlerartikeln stand der Echtheitsnachweis an erster Stelle.

Die praktische Aufgabe der Peak Season 2026 besteht damit nicht darin, jeden Wettbewerber beim Preis zu unterbieten. Produktzustand, Liefertermin, Rückgaberegeln, Garantie, Reparaturmöglichkeiten und Service müssen vollständig und vergleichbar dargestellt werden. Wer diese Angaben erst kurz vor dem Black Friday ergänzt, testet seine Prozesse ausgerechnet unter Höchstlast.

eBay nutzt die Folge zugleich, um das eigene Gutscheinprogramm PREISOPTIMAL vorzustellen. Nach Angaben des Unternehmens werden Rabatte auf Artikelebene anhand von Verkäuflichkeit und Performance berechnet; das Programm ist nur auf Einladung und für Verkäufer mit mindestens überdurchschnittlichem Servicestatus verfügbar. Die Gastgeberin stellt klar, dass nicht verschiedene Käufer für denselben Artikel individuell unterschiedliche Preise sehen. Für Händler bleibt dennoch entscheidend, Untergrenzen für Marge und Warenbestand selbst festzulegen. Ein Algorithmus macht aus einem unwirtschaftlichen Rabatt kein gutes Geschäft.

Produktdaten werden für Marktplätze und KI wichtiger

Die Peak Season 2026 ist auch ein Test für die Qualität der Produktdaten. Kunden informieren sich über Marktplätze, Suchmaschinen, soziale Netzwerke und zunehmend über KI-Assistenten. Der bevh meldete für das zweite Quartal 2026, dass 31,2 Prozent einer Sonderstichprobe schon einmal Chatbots nach Produktempfehlungen gefragt hatten. Nur 12,7 Prozent würden einer solchen Empfehlung ohne weitere Suche weitgehend oder vollständig folgen; lediglich 9 Prozent wären zu einem autonomen Kauf durch einen KI-Agenten bereit.

Das relativiert die Vorstellung, KI übernehme den Einkauf bereits flächendeckend. Für die Vorbereitung bleibt sie trotzdem relevant: Eindeutige Attribute, konsistente Modellbezeichnungen, aktuelle Bestände und verständliche Antworten auf typische Kundenfragen helfen sowohl klassischen Suchsystemen als auch KI-Diensten. Der Beitrag KI im Kaufprozess ordnet die Reichweite solcher Systeme und die methodischen Grenzen weiterer Studien ein.

Was Händler jetzt belastbar vorbereiten können

Groß-Albenhausen empfiehlt, Kampagnen im September zu planen, operative Abläufe zu testen und Spitzenzeiten mit Logistikdienstleistern abzustimmen. Er kritisiert pauschale Peak- und zusätzliche „Peak-Peak“-Zuschläge, nennt in der Folge jedoch keine Anbieter oder konkreten Preise. Händler sollten deshalb ihre eigenen Verträge und Fristen prüfen, statt eine branchenweit einheitliche Belastung anzunehmen.

Die nüchterne Lehre lautet: Sichtbarkeit früh aufbauen, Produktdaten nach den Fragen der Zielgruppe ausrichten, Preisgrenzen vor Kampagnen festlegen und den Dezember sowie das Nachweihnachtsgeschäft einplanen. Die Peak Season 2026 belohnt keine einzelne Wundermaßnahme. Sie legt vielmehr offen, ob Marketing, Sortiment, Marge, Service und Versand als zusammenhängender Prozess funktionieren.

Faktenbox

Peak Season 2026 im Überblick
Podcast„Alles top. Gerne wieder!“ mit Lisa Haak und Martin Groß-Albenhausen, Laufzeit 46:25 Minuten
eBay/Civey-Umfrage2.500 Erwachsene in Deutschland, Online-Erhebung am 24. und 25. Juni 2026
Frühe Planung23 Prozent denken laut eBay bereits im Spätsommer über Weihnachtsgeschenke nach.
Start der Produktsuche65 Prozent nennen Online-Marktplätze, 43 Prozent Suchmaschinen und 41 Prozent Marken- oder Herstellershops; Mehrfachnennungen waren möglich.
MarktumfeldDer Warenumsatz im deutschen E-Commerce stieg im zweiten Quartal 2026 laut bevh nominal um 5,1 Prozent; Marktplätze legten um 6,4 Prozent zu.