EU verhängt Strafzahlung: AliExpress muss die Rekordsumme von 550 Millionen Euro zahlen

Die Europäische Kommission hat eine AliExpress Strafe in Höhe von 550 Millionen Euro verhängt. Der Online-Marktplatz habe Risiken durch illegale, unsichere und gefälschte Produkte nicht ausreichend bewertet und begrenzt. Beanstandet werden unter anderem mangelhafte Prüfprozesse, zu schwache Sanktionen gegen auffällige Händler sowie Empfehlungs- und Werbesysteme, die problematische Angebote zusätzlich verbreitet haben sollen.

📌 Auf einen Blick

Die EU verhängt eine AliExpress Strafe von 550 Millionen Euro. Davon entfallen 110 Millionen Euro auf Mängel bei der Risikobewertung und 440 Millionen Euro auf unzureichende Gegenmaßnahmen. AliExpress muss bis zum 20. Oktober 2026 Abhilfemaßnahmen vorlegen.

AliExpress Strafe: EU verhängt 550 Millionen Euro
AliExpress Strafe: EU verhängt 550 Millionen Euro

AliExpress Strafe wegen systemischer Kontrollmängel

Die Entscheidung stützt sich auf den Digital Services Act, kurz DSA. Das Gesetz verpflichtet sehr große Online-Plattformen dazu, systemische Risiken zu untersuchen und wirksam zu begrenzen. Dazu zählt auch die Gefahr, dass illegale Produkte über einen Marktplatz angeboten, beworben oder durch Empfehlungssysteme verbreitet werden.

Nach Einschätzung der Kommission hat AliExpress diese Pflichten nicht ausreichend erfüllt. Auf der Plattform seien gefälschte Waren, unsicheres Spielzeug und gefährliche Kosmetikprodukte teilweise über Wochen verfügbar geblieben. Das Problem bestand demnach nicht nur aus einzelnen Angeboten. Die Behörde sieht Fehler in den Strukturen, mit denen AliExpress Händler kontrolliert, Produkte prüft und bereits entfernte Angebote an einem erneuten Auftauchen hindert.

Die **AliExpress Strafe** verteilt sich auf zwei Bereiche. 110 Millionen Euro betreffen die unzureichende Bewertung der vorhandenen Risiken. Weitere 440 Millionen Euro werden wegen fehlender oder nicht wirksamer Maßnahmen zur Risikobegrenzung fällig. Diese Aufteilung zeigt, dass die Kommission nicht allein die Analyse bemängelt. Der deutlich größere Teil betrifft die praktische Umsetzung.

Zu wenig Personal und zu wenig Zeit für Prüfungen

Ein zentraler Vorwurf betrifft die personellen Ressourcen. AliExpress habe nicht realistisch geprüft, ob ausreichend Mitarbeiter für die Kontrolle der enormen Angebotsmenge zur Verfügung standen. Nach Angaben aus Kommissionskreisen blieben einzelnen Prüfern teilweise nur 10 bis 20 Sekunden, um mögliche Risiken eines Produkts zu bewerten.

Bei einem Marktplatz mit Millionen Angeboten wird Moderation schnell zur Fließbandarbeit. Genau darin liegt der kritische Punkt: Wer den Handel im industriellen Maßstab organisiert, kann die Kontrolle nicht im Sekundenmaß abarbeiten und anschließend auf die schiere Größe der Plattform verweisen. Niedrige Preise und große Sortimente sind kein Ersatz für Produktsicherheit.

Die Kommission beanstandete zudem, dass AliExpress die Wirksamkeit seiner Kontrollsysteme zu optimistisch eingeschätzt habe. Ein einzelner quantitativer Indikator habe nicht ausgereicht, um zu messen, ob illegale Angebote tatsächlich dauerhaft verschwinden oder in leicht veränderter Form erneut eingestellt werden.

Empfehlungen und Werbung verschärften das Problem

Die Untersuchung beschränkt sich nicht auf die Frage, ob AliExpress rechtswidrige Artikel nach Hinweisen entfernt hat. Auch die technische Verbreitung der Angebote spielt eine Rolle. Nach Auffassung der Kommission haben Empfehlungs- und Werbesysteme die Sichtbarkeit illegaler Produkte teilweise erhöht.

Damit wird aus einem einzelnen fragwürdigen Angebot ein Plattformrisiko. Algorithmen sortieren nicht nur das Sortiment, sondern entscheiden mit darüber, welche Artikel Reichweite erhalten. Werden gefährliche oder gefälschte Produkte empfohlen, wirkt die Plattform nicht mehr nur als passiver Vermittler. Sie unterstützt faktisch deren Vermarktung.

Auch die Sanktionen gegen Händler überzeugten die Behörde nicht. Unternehmen, die wegen illegaler Produkte bereits auffällig geworden waren, konnten demnach teilweise weiter auf AliExpress verkaufen. Das verpflichtende System zur Markenautorisierung sollte Fälschungen verhindern, war laut Kommission jedoch personell zu schwach ausgestattet und ließ sich vergleichsweise einfach umgehen.

AliExpress Strafe folgt auf ein Verfahren seit 2024

Die EU-Kommission hatte das formelle Verfahren gegen AliExpress im März 2024 eröffnet. Im Juni 2025 stellte sie vorläufig fest, dass der Marktplatz seine Pflichten zur Bewertung und Begrenzung der Verbreitung illegaler Produkte verletzt haben könnte. Gleichzeitig akzeptierte die Behörde mehrere verbindliche Zusagen des Unternehmens in anderen Bereichen.

Diese Zusagen betrafen unter anderem die Transparenz von Werbung und Empfehlungssystemen, die Nachverfolgbarkeit von Händlern, Meldemöglichkeiten für Nutzer sowie den Zugang zu Plattformdaten. Die aktuelle **AliExpress Strafe** zeigt jedoch, dass freiwillige oder ausgehandelte Verbesserungen nicht automatisch alle offenen Probleme erledigen.

AliExpress hatte 2025 nach Angaben der EU rund 193 Millionen Nutzer in Europa. Die Reichweite macht deutlich, warum die Kommission die Mängel nicht als Randproblem behandelt. Fehlerhafte Kontrollen können bei dieser Größenordnung sehr schnell Millionen Verbraucher betreffen und zugleich Händler benachteiligen, die Kosten für Prüfungen, Kennzeichnung und regelkonforme Produkte tragen.

Was Händler und Verbraucher jetzt beachten sollten

Für gewerbliche Händler ist die Entscheidung ein Signal, dass Plattformen stärker für die Organisation ihrer Marktplätze verantwortlich gemacht werden. Das entbindet Verkäufer allerdings nicht von eigenen Pflichten. Produktsicherheit, Markenrechte, Kennzeichnung und Rückverfolgbarkeit bleiben Sache des jeweiligen Anbieters. Wer auf internationalen Marktplätzen einkauft oder verkauft, sollte Lieferanten, Produktunterlagen und verantwortliche Wirtschaftsakteure sorgfältig prüfen.

Verbraucher sollten bei auffällig günstigen Elektroartikeln, Spielzeug, Kosmetik und Markenware besonders kritisch sein. Fehlende Herstellerangaben, unklare Sicherheitskennzeichnungen, widersprüchliche Bewertungen oder ungewöhnlich niedrige Preise können Warnzeichen sein. Ein CE-Zeichen allein beweist zudem nicht, dass ein Produkt tatsächlich geprüft wurde oder alle EU-Vorgaben erfüllt.

Die **AliExpress Strafe** führt nicht automatisch dazu, dass problematische Waren sofort aus dem Sortiment verschwinden. Sie erhöht jedoch den Druck, Kontrollen und Händleraufsicht nachvollziehbar zu verbessern. Entscheidend wird sein, ob AliExpress die geforderten Maßnahmen nicht nur ankündigt, sondern im laufenden Geschäft wirksam umsetzt.

Weitere Sanktionen bleiben möglich

AliExpress muss der EU-Kommission bis zum 20. Oktober 2026 einen Plan mit konkreten Abhilfemaßnahmen vorlegen. Im Dezember will die Behörde bewerten, ob diese Maßnahmen den Anforderungen des DSA entsprechen. Reichen sie nicht aus, sind weitere Sanktionen möglich.

Die **AliExpress Strafe** liegt über den zuvor verhängten DSA-Bußgeldern gegen X und Temu. Zugleich bleibt sie unter der theoretischen Obergrenze des Gesetzes, die bis zu sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes betragen kann. Dass die Kommission bei der Berechnung die noch junge Rechtslage des DSA mildernd berücksichtigt hat, ist ein deutlicher Hinweis: Bei künftigen Verstößen dürfte das Argument der neuen Regeln weniger Gewicht haben.

Zum Zeitpunkt der Bekanntgabe lag keine unmittelbare Stellungnahme des Alibaba-Konzerns vor. Offen ist damit auch, ob AliExpress die Entscheidung akzeptiert oder rechtlich dagegen vorgeht. Für den europäischen Onlinehandel ist bereits jetzt klar: Marktplätze können sich bei gefährlichen oder gefälschten Waren nicht dauerhaft hinter ihren Händlern verstecken. Wer am Verkauf verdient und die Sichtbarkeit steuert, muss auch die Kontrollarchitektur liefern.

Faktenbox

EU-Verfahren gegen AliExpress
Gesamthöhe550 Millionen Euro
Risikobewertung110 Millionen Euro
Risikobegrenzung440 Millionen Euro
RechtsgrundlageDigital Services Act der Europäischen Union
Beanstandete ProdukteFälschungen, unsicheres Spielzeug und gefährliche Kosmetik
Weitere VorwürfeZu wenig Personal, schwache Händlerkontrollen sowie problematische Empfehlungs- und Werbesysteme
VerfahrensbeginnMärz 2024
Frist für Maßnahmen20. Oktober 2026
Nächste PrüfungDezember 2026
Nutzer in EuropaRund 193 Millionen im Jahr 2025