Multi-Use-Geräte verändern den Markt für Haushaltsgeräte
Kombigeräte im Haushalt entwickeln sich zu einem wichtigen Wachstumsthema im Markt für Elektro-Hausgeräte. Besonders Saug-Wisch-Geräte legten von Januar bis April 2026 deutlich zu. Die Zahlen zeigen jedoch auch: Der Absatz wächst erheblich schneller als der Umsatz. Das spricht für sinkende Durchschnittserlöse, günstigere Produktmixe oder intensiveren Preiswettbewerb.
📌 Auf einen Blick
Handstaubsauger mit Wischfunktion steigerten ihren Absatz von Januar bis April 2026 um 95 Prozent, der Umsatz wuchs um 59 Prozent. Bei Saug-Wischrobotern lagen die Zuwächse bei 47 Prozent im Absatz und 18 Prozent im Umsatz. Absolute Stückzahlen und Marktanteile wurden nicht veröffentlicht.
Absatz wächst schneller als Umsatz
Inhaltsverzeichnis
Der Markt für Saug-Wisch-Lösungen wächst, doch die Dynamik ist nicht gleichmäßig verteilt. Nach gemeinsamen Marktzahlen von NIQ und GFU wurden in den ersten vier Monaten 2026 deutlich mehr Handstaubsauger mit Wischfunktion verkauft als im Vorjahreszeitraum. Das Absatzplus von 95 Prozent steht einem Umsatzwachstum von 59 Prozent gegenüber.
Bei Saug-Wischrobotern zeigt sich ein ähnliches Muster. Der Absatz nahm um 47 Prozent zu, der Umsatz jedoch nur um 18 Prozent. Rechnerisch ist damit der durchschnittliche Umsatz je verkauftem Gerät in beiden Kategorien gesunken. Bei Handstaubsaugern mit Wischfunktion beträgt der Rückgang rund 18 Prozent, bei Saug-Wischrobotern etwa 20 Prozent.
Das kann mehrere Ursachen haben: mehr Einstiegsmodelle, häufigere Rabattaktionen, eine breitere Verfügbarkeit günstiger Geräte oder eine Verschiebung des Produktmixes. Welche Erklärung tatsächlich überwiegt, lässt sich aus den veröffentlichten Angaben nicht ableiten. Die Wachstumsraten allein sind deshalb kein Beleg für steigende Margen. Für Händler ist genau dieser Punkt entscheidend: Mehr verkaufte Geräte bedeuten nicht automatisch ein besseres Ergebnis.
Warum Kombigeräte im Haushalt gefragt sind
Der Nutzen ist leicht zu erklären. Geräte, die saugen und wischen, ersetzen mindestens einen zusätzlichen Arbeitsschritt. Docking-Stationen leeren bei manchen Modellen Staub- und Schmutzwasserbehälter, füllen Frischwasser nach und reduzieren damit den manuellen Aufwand. Neuere Roboter lassen sich zudem in Küchensockel integrieren und verschwinden nach der Reinigung aus dem Sichtfeld.
Das Prinzip reicht über die Bodenpflege hinaus. Hersteller kombinieren Backofen, Mikrowelle, Dampfgarer und Heißluftfritteuse in einem Gerät. Im Personal-Care-Bereich dienen wiederverwendbare Handstücke als Basis für unterschiedliche Aufsätze. Mobile Klimageräte verbinden Kühlung, Entfeuchtung und Ventilation.
Für Kombigeräte im Haushalt liegt der praktische Mehrwert in geringerem Platzbedarf und weniger Einzelgeräten. Ob daraus auch eine bessere Umweltbilanz entsteht, hängt allerdings von Lebensdauer, Reparierbarkeit, Ersatzteilversorgung und Energieverbrauch ab. Ein Gerät mit mehreren Funktionen ist nur dann nachhaltig, wenn ein Defekt nicht gleich mehrere Anwendungen gleichzeitig stilllegt.
Breiter Trend, aber schmale Datengrundlage
Die GFU verweist zusätzlich auf den deutschen Markt für Elektrokleingeräte. Dieser erreichte laut HEMIX 2025 einen Umsatz von rund acht Milliarden Euro und lag 3,7 Prozent über dem Vorjahr. Im Vergleich zu fünf Jahren zuvor beträgt das Plus knapp zwölf Prozent beziehungsweise fast eine Milliarde Euro.
Diese Zahlen stützen die These, dass Haushaltsgeräte mit neuen Funktionen Nachfrage erzeugen. Sie erlauben aber keine genaue Aussage darüber, welchen Anteil Kombigeräte im Haushalt an diesem Wachstum haben. Konkrete Absatz- und Umsatzdaten nennt die Mitteilung nur für Handstaubsauger mit Wischfunktion und Saug-Wischroboter. Für Backöfen, Personal-Care-Produkte und Klimageräte fehlen vergleichbare Werte.
Kombigeräte im Haushalt bleiben damit statistisch schwer greifbar. Der Begriff „Multi-Use-Appliances“ beschreibt derzeit eher eine Produktstrategie als ein klar abgegrenztes Marktsegment. Für Hersteller ist das attraktiv, weil zusätzliche Funktionen höhere Preise rechtfertigen können. Für Händler wird die Sortimentsentscheidung anspruchsvoller: Sie müssen nicht nur Funktionen erklären, sondern auch Folgekosten, Wartung und tatsächliche Alltagstauglichkeit einordnen.
Was Händler bei Kombigeräten im Haushalt beachten sollten
Die aktuellen Wachstumsraten schaffen Chancen, erhöhen aber den Beratungsbedarf. Kunden vergleichen nicht mehr nur Saugleistung, Akkulaufzeit oder Lautstärke, sondern komplette Nutzungssysteme. Dazu gehören Reinigungsstationen, Verbrauchsmaterialien, App-Anbindung, Ersatzteile und mögliche Folgekosten.
Gerade bei Saug-Wischrobotern kann ein günstiger Gerätepreis durch teure Beutel, Reinigungsmittel oder Verschleißteile relativiert werden. Händler sollten deshalb den Gesamtpreis über die Nutzungsdauer transparent machen. Auch die Rückgabequote dürfte davon abhängen, ob die Geräte mit Teppichen, Schwellen, Tierhaaren und verwinkelten Grundrissen zurechtkommen.
Kombigeräte im Haushalt sind damit kein Selbstläufer. Die Nachfrage ist vorhanden, doch das schwächere Umsatzwachstum gegenüber dem Absatz deutet auf Preisdruck hin. Wer nur auf Stückzahlen schaut, übersieht den wirtschaftlich relevanteren Teil der Entwicklung.
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