PayPal Übernahme: Stripe und Advent bieten 53 Milliarden US-Dollar

Aus den bereits im Frühjahr kursierenden Spekulationen über eine PayPal Übernahme ist offenbar ein konkreter Vorstoß geworden. Stripe und Advent International sollen gemeinsam mehr als 53 Milliarden US-Dollar bieten. Eine Einigung gibt es nicht – und PayPal schweigt bislang.

📌 Auf einen Blick

Stripe und Advent bieten laut einem Medienbericht 60,50 US-Dollar je PayPal-Aktie. Das entspricht einer Bewertung von mehr als 53 Milliarden US-Dollar. onlinemarktplatz.de hatte bereits im März 2026 über Stripes Interesse berichtet. Neu sind der konkrete Preis, Advent als Partner und eine zugesagte Finanzierung von rund 50 Milliarden US-Dollar.

PayPal Übernahme: Stripe und Advent bieten 53 Milliarden
PayPal Übernahme: Stripe und Advent bieten 53 Milliarden

PayPal Übernahme: Vom März-Gerücht zum konkreten Angebot

Die Übernahmegerüchte kommen nicht überraschend. onlinemarktplatz.de hatte bereits am 10. März 2026 über ein vorläufiges Interesse von Stripe an einer vollständigen oder teilweisen Übernahme von PayPal berichtet. Der damalige Artikel ordnete die Spekulationen in eine schwierige Phase des Zahlungsdienstleisters ein: schwaches Wachstum im Marken-Checkout, ein deutlicher Kursrückgang, der Wechsel an der Unternehmensspitze und wachsender Druck durch Apple Pay, Google Pay und andere Bezahlverfahren.

Zu diesem Zeitpunkt war noch unklar, ob Stripe tatsächlich ein Angebot vorbereitete, lediglich einzelne Geschäftsbereiche prüfen oder das Thema nach ersten Gesprächen wieder verwerfen würde. Auch die Finanzierung eines Kaufs galt als erhebliche Hürde. Eine Aufteilung von PayPal oder der Verkauf einzelner Bereiche wie Venmo oder Braintree erschien deshalb zumindest ebenso denkbar wie eine Komplettübernahme.

Vier Monate später hat sich die Lage verändert. Nach Informationen von Reuters haben Stripe und die Beteiligungsgesellschaft Advent International Anfang Juli ein gemeinsames Angebot eingereicht. Geboten werden demnach 60,50 US-Dollar je Aktie. Das entspricht einem Aufschlag von rund 28 Prozent auf den Schlusskurs vor Bekanntwerden des Berichts. Banken sollen etwa 50 Milliarden US-Dollar zur Finanzierung zugesagt haben.

Stripe und Advent würden PayPal jeweils zur Hälfte besitzen. Anders als im Frühjahr teilweise vermutet, sieht der Vorschlag zunächst keine Aufspaltung vor. Die Interessenten sollen bereits Anfang April an PayPal herangetreten sein. Eine Antwort des Konzerns liege bislang nicht vor. PayPal, Stripe und Advent lehnten öffentliche Stellungnahmen ab.

Warum die damalige Analyse weiterhin trägt

Die PayPal Übernahme passt zur widersprüchlichen Situation des Unternehmens. PayPal ist weder zahlungsunfähig noch ein klassischer Sanierungsfall. Der Konzern verarbeitet weiterhin hohe Zahlungsvolumen, verfügt über eine bekannte Marke und erwirtschaftet Milliardenbeträge. Gleichzeitig wächst ausgerechnet das strategisch wichtige Checkout-Geschäft nur langsam.

Im vierten Quartal 2025 hatte das Wachstum des Branded Checkout lediglich ein Prozent betragen. Die enttäuschenden Zahlen lösten im Februar 2026 einen Kursverlust von rund 20 Prozent aus. Kurz darauf übernahm Enrique Lores den Vorstandsvorsitz von Alex Chriss. Der Verwaltungsrat begründete den Wechsel ungewöhnlich offen mit einem aus seiner Sicht zu langsamen Umbau des Konzerns. Diese Entwicklung bildete im März den Hintergrund der ersten Berichte über Stripes Interesse.

Im ersten Quartal 2026 verbesserte sich das Wachstum des Marken-Checkouts zwar auf etwa zwei Prozent, eine grundlegende Trendwende war das jedoch nicht. Der Gesamtumsatz stieg um sieben Prozent auf 8,35 Milliarden US-Dollar. Das Zahlungsvolumen legte auf 464 Milliarden US-Dollar zu, während die Zahl der aktiven Konten 439 Millionen erreichte. Dem standen sinkende operative Margen und ein Rückgang der Transaktionen je aktivem Konto gegenüber.

PayPal besitzt damit viel Reichweite, aber keine überzeugende Wachstumsstory. Genau diese Lücke macht den Konzern zum Übernahmeziel: Die vorhandenen Kundenbeziehungen sind wertvoll, während die Börse Zweifel daran hat, ob das Management sie noch ausreichend monetarisieren kann.

Kein Notverkauf, sondern eine Frage der Bewertung

Das kolportierte Angebot wirkt opportunistisch. PayPal verfügte Ende März über liquide Mittel und Anlagen von 13,5 Milliarden US-Dollar. Die Schulden beliefen sich auf 11,6 Milliarden US-Dollar. Zusätzlich erwirtschaftete das Unternehmen im ersten Quartal einen bereinigten freien Cashflow von 1,72 Milliarden US-Dollar. Ein Verkäufer, der dringend Geld benötigt, sieht anders aus.

Die PayPal Übernahme wäre daher kein Rettungsgeschäft, sondern eine Wette auf einen unterbewerteten Konzern. Nach Berechnungen von Reuters Breakingviews entspricht das Angebot ungefähr dem Neunfachen des erwarteten freien Cashflows für 2026. Vergleichbare Zahlungsunternehmen werden im Durchschnitt mit einem deutlich höheren Faktor bewertet.

Analysten halten deshalb eine Nachbesserung für möglich. Ein Preis von rund 70 US-Dollar je Aktie wird als finanzierbare Verhandlungsgröße genannt. Allerdings würde ein höheres Gebot die Verschuldung nach dem Kauf deutlich erhöhen. Der bislang genannte Preis von 60,50 US-Dollar dürfte daher eher ein Verhandlungsauftakt sein als der Betrag, bei dem der PayPal-Verwaltungsrat sofort zustimmt.

Stripe liefert die Strategie, Advent das Kapital

Für Stripe ist das Interesse nachvollziehbar. Das Unternehmen ist vor allem bei der technischen Zahlungsabwicklung für Händler stark. PayPal verfügt dagegen über direkte Beziehungen zu Verbrauchern, einen etablierten Checkout, Venmo, Ratenzahlungsangebote, Debitkarten und den Stablecoin PYUSD.

Zusammen verarbeiteten Stripe und PayPal zuletzt rund 3,7 Billionen US-Dollar Zahlungsvolumen pro Jahr. Stripe könnte mehr Zahlungen über die eigene Infrastruktur führen und seine Abhängigkeit von anderen Netzwerken reduzieren. Advent wiederum bringt Erfahrung mit Beteiligungen und Transaktionen im Zahlungssektor ein. Der Finanzinvestor dürfte weniger an Markenromantik interessiert sein als an Kostensenkungen, Cashflows und einem späteren Verkauf.

Die Rollenverteilung ist damit klar: Stripe liefert die industrielle Logik, Advent einen Teil der finanziellen Schlagkraft. Das macht den jetzigen Vorstoß belastbarer als die Spekulationen vom März. Es macht den Zusammenschluss aber noch nicht automatisch sinnvoll.

Integration und Wettbewerb bleiben offene Baustellen

Eine PayPal Übernahme würde zwei Unternehmen mit unterschiedlichen technischen Strukturen und Geschäftsmodellen verbinden. Stripe gilt als technologieorientierte Infrastrukturplattform. PayPal trägt dagegen Systeme und Prozesse aus mehreren Entwicklungsphasen mit sich. Die technische Zusammenführung dürfte Zeit und erhebliche Investitionen erfordern.

Stripe würde dabei nicht nur PayPals Reichweite, sondern auch bestehende Vertrauens- und Governance-Probleme von PayPal übernehmen. Das betrifft automatisierte Kontosperren, den weitgehenden Abbau menschlicher Supportwege und Kritik an der technischen Kontrolle – in einem noch stärker konzentrierten Zahlungsökosystem könnten Störungen und algorithmische Fehlentscheidungen entsprechend größere Kreise ziehen.

Hinzu kommen mögliche Konflikte mit Stripe-Kunden. Händler und Plattformen nutzen Stripe bislang als weitgehend neutralen Infrastrukturpartner. Besitzt Stripe künftig PayPal, Venmo und eigene Verbraucherprodukte, könnte diese Neutralität zumindest infrage gestellt werden.

Auch Wettbewerbsbehörden dürften die Transaktion prüfen. Ein Zusammenschluss mit einem jährlichen Zahlungsvolumen von rund 3,7 Billionen US-Dollar hätte Auswirkungen auf Händler, Kartennetzwerke, Wallet-Anbieter und andere Zahlungsdienstleister. Gleichzeitig könnte die weitere Konzentration den politischen und wirtschaftlichen Rückenwind für europäische Angebote wie Wero und die EuroPA Alliance verstärken. Eine Zusage der Finanzierung ersetzt deshalb weder die Zustimmung des PayPal-Verwaltungsrats noch regulatorische Genehmigungen.

Für Händler ändert sich vorerst nichts

Für Onlinehändler ergeben sich aus dem Bericht zunächst keine unmittelbaren Änderungen. Gebühren, Auszahlungen, Käuferschutzregeln und technische PayPal-Integrationen bleiben bestehen. Selbst bei einer Einigung würden Vertragsabschluss, Genehmigungen und Integration voraussichtlich längere Zeit in Anspruch nehmen.

Langfristig könnte Stripe PayPal stärker mit seiner Händlerplattform verbinden. Denkbar wären gemeinsame Checkout-Lösungen, eine engere Verknüpfung von Verbraucher- und Händlerdaten sowie ein stärkerer Fokus auf Stablecoins und KI-gestützte Einkaufsprozesse. Gleichzeitig könnte ein Zusammenschluss den Wettbewerb im Online-Payment verringern.

Händler sollten deshalb weniger auf kurzfristige Produktänderungen achten als auf die langfristige Marktstruktur. Wird aus zwei bedeutenden Anbietern ein gemeinsames Ökosystem, verschieben sich Verhandlungsmacht und Abhängigkeiten – auch dann, wenn der PayPal-Button zunächst unverändert aussieht.

Aus dem Gerücht ist noch kein Deal geworden

Die aktuelle Meldung bestätigt im Kern die Analyse vom März: PayPals geringe Börsenbewertung und die schwache Dynamik im Checkout-Geschäft machen den Konzern angreifbar. Neu ist, dass aus dem grundsätzlichen Interesse offenbar ein finanziertes Angebot geworden ist.

Trotzdem bleibt die PayPal Übernahme offen. Es gibt keine öffentliche Zustimmung, keinen unterschriebenen Vertrag und keine behördliche Freigabe. Die Börse handelt eine Möglichkeit, keine vollendete Transaktion.

PayPal muss nicht gerettet werden. Das Unternehmen ist aber günstig genug bewertet, damit Wettbewerber und Finanzinvestoren prüfen, ob sich seine Reichweite unter anderer Führung besser verwerten lässt. Das ist für den Konzern möglicherweise unangenehmer als eine akute Krise: Er ist noch stark genug, um wertvoll zu sein, aber derzeit nicht stark genug, um Übernahmeversuche zuverlässig abzuwehren.

Faktenbox

PayPal Übernahme – bisherige Entwicklung
Frühere Berichterstattungonlinemarktplatz.de berichtete am 10. März 2026 über Stripes vorläufiges Interesse
Mögliche KäuferStripe und Advent International
Angebotspreis60,50 US-Dollar je PayPal-Aktie
UnternehmensbewertungMehr als 53 Milliarden US-Dollar
AufschlagRund 28 Prozent auf den vorherigen Schlusskurs
BankfinanzierungRund 50 Milliarden US-Dollar zugesagt
Geplante EigentumsstrukturJe 50 Prozent für Stripe und Advent
Aktive PayPal-Konten439 Millionen im ersten Quartal 2026
Zahlungsvolumen464 Milliarden US-Dollar im ersten Quartal 2026
StatusKeine bestätigte Einigung und keine öffentliche Antwort von PayPal
Nächste mögliche SchritteAblehnung, Verhandlungen, höheres Angebot oder Ende der Gespräche