Stripe will PayPal: Verhandlungen über höheren Kaufpreis

Die mögliche PayPal Übernahme durch Stripe und den Finanzinvestor Advent International wird konkreter. Nach einem im Juli vorgelegten Angebot über 60,50 Dollar je Aktie laufen inzwischen Verhandlungen über einen höheren Kaufpreis. Eine Einigung gibt es bislang nicht. Für den Zahlungsmarkt wäre die Transaktion weit mehr als ein Eigentümerwechsel: Zwei zentrale Infrastrukturanbieter des Online-Handels würden unter einem gemeinsamen Dach zusammenrücken.

📌 Auf einen Blick

Stripe und Advent International verhandeln weiter über eine PayPal Übernahme. Das bisherige Angebot von 60,50 Dollar je Aktie bewertet PayPal mit rund 53 Milliarden Dollar. PayPal hält den Preis offenbar für zu niedrig. Eine Kombination der Unternehmen käme auf ein jährliches Zahlungsvolumen von rund 3,7 Billionen Dollar.

PayPal Übernahme: Stripe und Advent verhandeln weiter
PayPal Übernahme: Stripe und Advent verhandeln weiter

PayPal Übernahme geht nach abgelehntem Angebot weiter

Der aktuelle Stand unterscheidet sich deutlich von den ersten Berichten über ein mögliches Interesse von Stripe. Bereits im Februar war bekannt geworden, dass das privat gehaltene Zahlungsunternehmen eine Übernahme von PayPal oder einzelner Unternehmensteile prüfte. Im April folgte ein erster gemeinsamer Vorstoß von Stripe, Advent International und Block. Block zog sich später aus dem Bieterkonsortium zurück.

Im Juli legten Stripe und Advent schließlich ein Angebot über 60,50 Dollar je PayPal-Aktie vor. Damit wurde PayPal mit mehr als 53 Milliarden Dollar bewertet. Das Angebot bedeutete zwar einen deutlichen Aufschlag auf den damaligen Börsenkurs, reichte dem PayPal-Verwaltungsrat aber offenbar nicht.

Nach aktuellen Informationen sind die Gespräche deshalb nicht beendet worden. Vielmehr verhandeln beide Seiten inzwischen über einen höheren Preis. Eine Transaktion könnte grundsätzlich in den kommenden Wochen vereinbart werden. Sicher ist das allerdings nicht. PayPal, Stripe und Advent haben sich öffentlich bislang nicht zu konkreten Verhandlungen oder Konditionen geäußert.

Stripe und Advent haben Finanzierung vorbereitet

Die Größenordnung der möglichen PayPal Übernahme macht eine umfangreiche Finanzierung erforderlich. Stripe und Advent sollen rund 17 Milliarden Dollar Eigenkapital für die Transaktion vorgesehen haben. Zusätzlich stehen dem Konsortium nach bisherigen Informationen rund 50 Milliarden Dollar zugesagte Bankfinanzierungen zur Verfügung.

Zu den beteiligten Banken gehören JPMorgan und Morgan Stanley. Damit geht das Interesse über ein unverbindliches Abklopfen des Marktes hinaus. Ob die vorhandene Finanzierung auch für ein deutlich höheres Angebot ausreicht, hängt allerdings von der endgültigen Struktur des Geschäfts und dem geforderten Kaufpreis ab.

Nach dem bisherigen Vorschlag würden Stripe und Advent PayPal gemeinsam übernehmen und jeweils die Hälfte halten. Eine sofortige Aufspaltung des Konzerns ist nicht Bestandteil des ursprünglichen Angebots.

Warum PayPal für Stripe interessant ist

Stripe und PayPal haben unterschiedliche Schwerpunkte. Stripe ist stark in der technischen Zahlungsabwicklung für Unternehmen, Plattformen und Online-Händler. Über die Stripe-Infrastruktur liefen 2025 Zahlungen im Umfang von rund 1,9 Billionen Dollar.

PayPal bringt dagegen zusätzlich die direkte Beziehung zu mehr als 430 Millionen aktiven Konten mit. Neben der bekannten PayPal-Wallet gehören unter anderem Venmo, Braintree, Kreditangebote, Debitkarten und Buy-now-pay-later-Produkte zum Konzern.

Genau diese Kombination macht eine PayPal Übernahme aus strategischer Sicht nachvollziehbar. Stripe könnte seine Händler- und Plattforminfrastruktur mit einer etablierten Endkundenbasis verbinden. PayPal wiederum würde Teil eines Unternehmens, das im Geschäft mit modernen Zahlungsinfrastrukturen schneller gewachsen ist.

Der Zusammenschluss würde nach bisherigen Berechnungen ein jährliches Zahlungsvolumen von ungefähr 3,7 Billionen Dollar vereinen. Aus Händlersicht klingt Größe zunächst nach leistungsfähiger Infrastruktur. Wettbewerbspolitisch ist dieselbe Zahl allerdings weniger beruhigend.

Braintree könnte Kartellbehörden beschäftigen

Ein wesentlicher Stolperstein dürfte deshalb die Wettbewerbsprüfung werden. Besonders relevant ist PayPals Zahlungsdienstleister Braintree. Braintree und Stripe konkurrieren unmittelbar um große Online-Händler und digitale Plattformen.

Stripe und Advent sollen deshalb bereits geprüft haben, Braintree oder andere Teile des PayPal-Konzerns im Fall regulatorischer Einwände abzutrennen. Entsprechende Geschäftsbereiche könnten demnach bei Advent landen. Der Finanzinvestor hält bereits Beteiligungen im Zahlungssektor, darunter Nuvei.

Dass solche Modelle bereits vor einer Vereinbarung diskutiert werden, zeigt das regulatorische Problem hinter der PayPal Übernahme. Ein Zusammenschluss würde nicht einfach zwei Marken vereinen. Er würde an einer Stelle des E-Commerce-Marktes konzentrieren, die Händler kaum umgehen können: bei Checkout, Zahlungsabwicklung und der technischen Infrastruktur dahinter.

PayPal versucht gleichzeitig den eigenen Wert zu erhöhen

Für PayPal besteht wenig Grund, sich beim Preis unter Druck setzen zu lassen. Das Unternehmen arbeitet parallel an einem Umbau und konnte bei den Zahlen für das zweite Quartal 2026 Fortschritte melden.

Der Umsatz erreichte 8,68 Milliarden Dollar. Das bereinigte Ergebnis lag bei 1,38 Dollar je Aktie. Gleichzeitig hob PayPal die Gewinnprognose für das Gesamtjahr auf rund 5,38 Dollar je Aktie an. Geplante Maßnahmen sollen allein 2026 Einsparungen von rund 400 Millionen Dollar bringen.

CEO Enrique Lores, der das Unternehmen seit März führt, hat PayPal organisatorisch neu aufgestellt und stärker auf Checkout, Finanzdienstleistungen für Verbraucher sowie Payments und Kryptowährungen ausgerichtet.

Damit entsteht eine interessante Verhandlungssituation. Je überzeugender der Turnaround ausfällt, desto schwerer lässt sich ein Verkauf zu einem Preis rechtfertigen, der sich stark an den zuvor gefallenen Börsenkursen orientiert. Genau darauf dürfte der Verwaltungsrat setzen.

Für Händler geht es um mehr als den Namen PayPal

Eine PayPal Übernahme hätte auch praktische Bedeutung für Online-Händler. Stripe und PayPal sind längst keine einfachen Zahlungsarten mehr. Beide Unternehmen stellen technische Infrastruktur bereit, über die Checkout, Abonnements, Kartenakzeptanz, Betrugsprävention, internationale Zahlungen und weitere Finanzdienstleistungen abgewickelt werden.

Ein gemeinsamer Eigentümer könnte Produkte enger verzahnen und Entwicklungsaufwand bündeln. Gleichzeitig würde ein unabhängiger Wettbewerber im Payment-Markt verschwinden. Besonders bei großen Händlern und Plattformen könnte die Zahl ernsthafter Alternativen bei bestimmten Zahlungs- und Infrastrukturleistungen sinken.

Hinzu kommt die Frage, was mit Braintree, Venmo und anderen PayPal-Geschäftsbereichen geschehen würde. Selbst wenn PayPal zunächst als Gesamtkonzern übernommen wird, bedeutet dies nicht zwangsläufig, dass die heutige Struktur dauerhaft erhalten bleibt.

Der Preis bleibt die zentrale offene Frage

Nach dem bisherigen Verlauf ist nicht mehr das grundsätzliche Interesse von Stripe und Advent die wichtigste Frage, sondern der Kaufpreis. Die ursprünglich angebotenen 60,50 Dollar je Aktie haben PayPal nicht überzeugt. Nun wird offenbar darüber verhandelt, wie viel das Konsortium drauflegen muss.

Analysten hatten bereits nach Bekanntwerden des ersten Angebots einen Preis von bis zu etwa 70 Dollar je Aktie als grundsätzlich denkbar bezeichnet. Ein solches Niveau ist bislang allerdings kein bestätigtes neues Angebot.

Damit bleibt die PayPal Übernahme offen. Dass die Gespräche nach der Zurückweisung des ersten Preises weiterlaufen, erhöht jedoch die Wahrscheinlichkeit einer ernsthaften Transaktion. Für PayPal geht es um die Bewertung des eigenen Turnarounds. Für Stripe geht es um den Zugang zu hunderten Millionen Verbrauchern. Und für den Online-Handel stellt sich die grundsätzlichere Frage, wie viel Konzentration bei der Zahlungsinfrastruktur noch als Wettbewerb durchgeht.

Faktenbox

PayPal Übernahme – zentrale Fakten
Mögliche KäuferStripe und Advent International
Bisheriges Angebot60,50 Dollar je PayPal-Aktie
BewertungMehr als 53 Milliarden Dollar
StatusVerhandlungen über einen höheren Preis, bislang keine Einigung
Geplante EigentümerstrukturStripe und Advent sollen nach dem bisherigen Modell jeweils 50 Prozent halten
FinanzierungRund 17 Milliarden Dollar Eigenkapital und etwa 50 Milliarden Dollar zugesagte Bankfinanzierung
Gemeinsames ZahlungsvolumenRund 3,7 Billionen Dollar pro Jahr
PayPal-KundenbasisMehr als 430 Millionen aktive Konten
Möglicher KartellpunktÜberschneidungen zwischen Stripe und PayPals Zahlungsdienstleister Braintree
PayPal Umsatz Q2 20268,68 Milliarden Dollar