GameStop und eBay: Aus der Übernahme könnte eine Partnerschaft werden

Die geplante eBay Übernahme durch GameStop könnte noch vor ernsthaften Verhandlungen enden. CEO Ryan Cohen erwägt laut einem Bloomberg-Bericht, das rund 55,5 Milliarden US-Dollar schwere Angebot zurückzuziehen. Stattdessen könnten GameStop und eBay über eine Partnerschaft oder ein Joint Venture sprechen. Eine Entscheidung ist bislang nicht gefallen.

📌 Auf einen Blick

GameStop erwägt laut Medienbericht den Rückzug seines 55,5 Milliarden US-Dollar schweren eBay-Angebots. Im Gespräch ist stattdessen eine Kooperation über rund 1.600 US-Filialen. GameStop hält inzwischen 9,8 Prozent an eBay und könnte eine Vertretung im Verwaltungsrat anstreben.

eBay Übernahme: GameStop prüft Rückzug
eBay Übernahme: GameStop prüft Rückzug

eBay Übernahme könnte einer Partnerschaft weichen

Reuters berichtete am 10. August 2026 unter Berufung auf Bloomberg, dass Cohen seine Strategie gegenüber eBay neu bewerten soll. Statt der vollständigen Übernahme könnte GameStop demnach eine Partnerschaft oder ein Joint Venture anstreben. Beide Unternehmen haben den Bericht bislang nicht bestätigt. Reuters konnte die Informationen nach eigenen Angaben ebenfalls nicht unabhängig verifizieren.

Im Zentrum einer möglichen Zusammenarbeit steht das stationäre Netz von GameStop. Das Unternehmen verfügt in den USA über rund 1.600 Filialen. eBay könnte diese Infrastruktur unter anderem für margenstärkere Bereiche wie Trading Cards und andere Sammlerprodukte nutzen.

Neu ist diese Idee allerdings nicht. Bereits bei der Vorstellung des Übernahmeangebots im Mai hatte GameStop das Filialnetz als einen strategischen Baustein der geplanten Verbindung mit eBay bezeichnet. Genannt wurden damals Authentifizierung, Warenannahme, Fulfillment und Live Commerce.

Die mögliche Alternative zur eBay Übernahme wäre damit weniger ein kompletter Strategiewechsel als vielmehr eine Reduzierung des ursprünglichen Plans auf dessen operativ interessantesten Teil.

GameStop hält inzwischen 9,8 Prozent an eBay

Während die mögliche Partnerschaft bislang lediglich Gegenstand eines Medienberichts ist, ist der wachsende Einfluss von GameStop auf eBay dokumentiert.

Nach Angaben bei der US-Börsenaufsicht SEC hält GameStop mittlerweile 43.390.383 eBay-Aktien. Das entspricht rund 9,8 Prozent der ausstehenden Aktien. Damit hat GameStop seine Position seit der Bekanntgabe des Übernahmeangebots erheblich ausgebaut. Anfang Mai hatte das Unternehmen noch von einer wirtschaftlichen Beteiligung von rund fünf Prozent gesprochen.

Ein erheblicher Teil der Beteiligung wurde zunächst über Derivate aufgebaut. Im Juli ließ GameStop 39,05 Millionen zugrunde liegende Aktien physisch liefern. Dafür wurden rund 3,97 Milliarden US-Dollar aufgewendet. Hinzu kamen zuvor rund 3,52 Millionen direkt erworbene Aktien für etwa 381 Millionen Dollar.

Die eBay Übernahme ist damit zwar unsicherer geworden, Cohens finanzielles Engagement bei eBay jedoch nicht. Ein Rückzug des Angebots würde deshalb keineswegs bedeuten, dass GameStop das Thema eBay abhakt.

Laut Bloomberg könnte GameStop im Rahmen einer möglichen Kooperation auch eine Vertretung im eBay-Verwaltungsrat anstreben. Ob eBay dazu bereit wäre, ist offen.

eBay lehnte das Angebot im Mai deutlich ab

GameStop hatte die eBay Übernahme am 3. Mai 2026 öffentlich vorgeschlagen. Das unverbindliche Angebot sah 125 US-Dollar je eBay-Aktie vor. Die Gegenleistung sollte jeweils zur Hälfte aus Bargeld und GameStop-Aktien bestehen. Daraus ergab sich ein nicht verwässerter Eigenkapitalwert von rund 55,5 Milliarden Dollar.

Für den Baranteil wollte GameStop unter anderem eigene liquide Mittel von rund 9,4 Milliarden Dollar einsetzen. Zusätzlich lag nach Angaben des Unternehmens eine Finanzierungszusage von TD Securities über bis zu 20 Milliarden Dollar vor.

eBay wies das Angebot am 12. Mai zurück. Der Verwaltungsrat verwies dabei unter anderem auf Unsicherheiten bei der Finanzierung, Risiken für Wachstum und Profitabilität sowie mögliche Probleme durch Verschuldung, Führungsstruktur und Corporate Governance.

Dass aus der eBay Übernahme nun möglicherweise eine Kooperation werden könnte, würde zumindest einen Teil dieser Probleme aus der Gleichung nehmen. GameStop müsste weder die vollständige Finanzierung stemmen noch zwei Unternehmen mit sehr unterschiedlichen Geschäftsmodellen integrieren.

Trading Cards machen das Filialnetz interessant

Besonders nachvollziehbar erscheint eine Zusammenarbeit bei Trading Cards und Collectibles. GameStop arbeitet bereits mit dem Bewertungs- und Authentifizierungsdienst PSA zusammen. Kunden können in teilnehmenden US-Filialen Karten abgeben, die anschließend von PSA authentifiziert und bewertet werden. Auch der Ankauf bestimmter bereits bewerteter Karten gehört zum Angebot.

GameStop besitzt damit eine physische Infrastruktur, die sich grundsätzlich mit eBays Marktplatzgeschäft verbinden ließe.

Auch eBay investiert seit Jahren in Sammlerprodukte. Dazu gehören Trading Cards, die Übernahme von TCGplayer sowie Kooperationen mit Collectors und PSA. Der frühere eBay Vault wurde von PSA übernommen; gleichzeitig arbeiten eBay und Collectors an einer stärker integrierten Verbindung von Bewertung, Aufbewahrung und Verkauf.

Eine Kooperation könnte diese Strukturen mit den GameStop-Filialen verbinden. Denkbar wären beispielsweise lokale Annahmestellen für Waren oder weitere Dienstleistungen rund um Authentifizierung und Verkauf. Solche konkreten Angebote sind derzeit allerdings nicht angekündigt.

Für eBay ist die Lage heute komfortabler als im Mai

Hinzu kommt, dass eBay derzeit nicht unter offensichtlichem Verkaufsdruck steht. Im zweiten Quartal 2026 stieg der Umsatz um 15 Prozent auf 3,1 Milliarden Dollar. Das über die Plattform gehandelte Warenvolumen erreichte 22,4 Milliarden Dollar und lag ebenfalls 15 Prozent über dem Vorjahreswert.

Für Ryan Cohen erschwert das die Argumentation hinter einer eBay Übernahme. GameStop hatte im Mai unter anderem erhebliche Kostensenkungen bei eBay versprochen und jährlich rund zwei Milliarden Dollar Einsparungen in Aussicht gestellt. eBay selbst sieht dagegen ausreichend Potenzial in seiner eigenständigen Strategie.

Eine Partnerschaft wäre deshalb womöglich der pragmatischere Weg: weniger finanzielles Risiko für GameStop, keine vollständige Kontrollabgabe für eBay und trotzdem die Möglichkeit, konkrete Überschneidungen zu testen.

Aus einer Übernahme könnte ein Machtpoker werden

Ein Rückzug der eBay Übernahme wäre deshalb nicht zwingend das Ende der Auseinandersetzung. Mit einem Anteil von 9,8 Prozent hat sich GameStop bereits eine Position geschaffen, die Cohen Möglichkeiten gibt, seine Vorstellungen als bedeutender Aktionär einzubringen.

Eine Partnerschaft, kombiniert mit einer Vertretung im Verwaltungsrat, könnte GameStop Einfluss verschaffen, ohne eBay für 55,5 Milliarden Dollar kaufen zu müssen. Für eBay wiederum stellt sich die Frage, ob das Filialnetz tatsächlich genug zusätzlichen Nutzen bietet, um Cohen stärker in die eigene Strategie einzubinden.

Gerade darin liegt die interessante Wendung: Die spektakuläre Übernahmeidee könnte verschwinden, während der strategisch plausiblere Teil des Plans erhalten bleibt. Noch aber ist nicht entschieden, ob daraus tatsächlich eine Vereinbarung wird – oder lediglich die nächste Runde im Ringen zwischen GameStop und eBay.

Faktenbox

GameStop und eBay – die wichtigsten Fakten
Übernahmeangebot125 US-Dollar je eBay-Aktie
GesamtwertRund 55,5 Milliarden US-Dollar
Angebot veröffentlicht3. Mai 2026
Ablehnung durch eBay12. Mai 2026
GameStop-Anteil an eBayRund 9,8 Prozent beziehungsweise 43,39 Millionen Aktien
GameStop-Filialnetz USARund 1.600 Standorte
Mögliche AlternativePartnerschaft oder Joint Venture zwischen GameStop und eBay
Mögliche SchwerpunkteTrading Cards, Collectibles, Authentifizierung, Warenannahme und weitere Filialdienstleistungen
StatusMedienbericht; keine endgültige Entscheidung und keine bestätigte Vereinbarung