Schwarz Digits STACKIT KI-Ökosystem bindet Celonis und Snowflake stufenweise ein

Schwarz Digits erweitert das STACKIT KI-Ökosystem um Celonis und Snowflake. Die beiden Kooperationen sind jedoch unterschiedlich weit: Celonis soll künftig in einer exklusiven Cloud-Umgebung auf STACKIT laufen, während Snowflake zunächst Daten auf der europäischen Infrastruktur speichern und erst später vollständig dort betrieben werden soll.

📌 Auf einen Blick

Celonis soll als Single-Tenant-Lösung auf STACKIT bereitgestellt werden. Bei Snowflake sind zunächst Apache Iceberg und eine Anbindung an das STACKIT-Schlüsselmanagement geplant; Termine, Preise und ein Startdatum für den nativen Betrieb fehlen.

STACKIT KI-Ökosystem bindet Celonis und Snowflake stufenweise ein
STACKIT KI-Ökosystem bindet Celonis und Snowflake stufenweise ein

STACKIT KI-Ökosystem erhält zwei neue Partner

Schwarz Digits kündigte die Erweiterung am 17. September 2026 beim Cloud X Summit in Wiesbaden an. Damit versucht die IT-Sparte der Schwarz Gruppe, STACKIT über Rechenleistung und Speicher hinaus als Plattform für Datenanalyse, Prozessoptimierung und KI-Anwendungen zu positionieren. Der Schritt folgt auf die jüngste Einführung von RISE with SAP auf STACKIT.

Für Händler und größere Plattformbetreiber ist die Verbindung relevant, weil Daten aus ERP, Shopsystemen, Beschaffung, Lager, Payment und Logistik häufig in getrennten Systemen liegen. Celonis analysiert solche Prozessketten, während Snowflake große Datenbestände für Auswertungen und KI-Anwendungen zusammenführt. Das STACKIT KI-Ökosystem soll dafür eine europäische Infrastruktur bereitstellen, ohne dass Unternehmen vollständig auf bekannte Spezialsoftware verzichten müssen.

Celonis soll eine eigene STACKIT-Umgebung erhalten

Die Celonis-Plattform soll nach Angaben der beteiligten Unternehmen als Single-Tenant-Lösung auf STACKIT betrieben werden. Anders als bei einer gemeinsam genutzten Standardumgebung erhält der Kunde dabei eine dedizierte Cloud-Instanz. Schwarz Digits erklärt, STACKIT habe die Anforderungen an Rechenleistung und Latenz in Testreihen erfüllt. Messwerte, Prüfmethoden oder unabhängige Ergebnisse wurden allerdings nicht veröffentlicht.

Vorgesehen sind drei Vertriebswege: direkt über STACKIT, über Celonis und über gemeinsame Partner. Für das STACKIT KI-Ökosystem wäre das eine Erweiterung um eine etablierte Plattform für Prozessanalyse. Wann das Angebot allgemein verfügbar wird, welche Funktionen zum Start enthalten sind und welche Service Level gelten, bleibt offen. Ebenfalls nicht erläutert wird, ob Support-, Protokoll- und Telemetriedaten vollständig auf STACKIT verbleiben. Single Tenant verbessert die technische Trennung, ist aber noch kein vollständiger Nachweis digitaler Souveränität.

Snowflake beginnt mit Datenhaltung im Iceberg-Format

Bei Snowflake ist die Formulierung der Mitteilung deutlich vorsichtiger. Schwarz Digits und das US-Unternehmen bekunden zunächst die Absicht zu einer strategischen Zusammenarbeit. In der ersten Stufe sollen Kundendaten im offenen Tabellenformat Apache Iceberg bei STACKIT gespeichert werden. Die Verschlüsselung soll mit dem STACKIT Key Management System verbunden werden, sodass Kunden ihre Schlüssel innerhalb der STACKIT-Infrastruktur verwalten können.

Das offene Format kann den Wechsel zwischen Analysewerkzeugen erleichtern. Im STACKIT KI-Ökosystem soll es verhindern, dass die Daten ausschließlich an eine einzelne Analyseplattform gebunden sind. Es garantiert aber nicht, dass ein Unternehmen bei einem Ausfall von Snowflake automatisch weiterarbeiten kann. Dafür werden zusätzlich ein erreichbarer Datenkatalog, aktuelle Metadaten, gültige Berechtigungen und eine alternative Rechenengine benötigt. Auch ein technisch möglicher Anbieterwechsel muss vorbereitet und getestet werden.

Der geplante native Betrieb von Snowflake auf STACKIT ist eine spätere Ausbaustufe. In der aktuellen Snowflake-Dokumentation zu unterstützten Cloud-Plattformen werden weiterhin AWS, Microsoft Azure und Google Cloud genannt. Ein Termin für STACKIT, Angaben zur Funktionsgleichheit oder eine öffentliche Produktdokumentation liegen bislang nicht vor. Das STACKIT KI-Ökosystem erhält damit zunächst eine Datenanbindung, aber noch keine bestätigte vollständige Snowflake-Region.

Digitale Souveränität bleibt mehr als der Speicherort

Schwarz Digits stellt beide Kooperationen in den Zusammenhang digitaler Souveränität. Europäische Rechenzentren, kundenseitig verwaltete Schlüssel und offene Datenformate können Abhängigkeiten reduzieren. Sie beantworten jedoch nicht alle Fragen. Entscheidend ist auch, wer Software aktualisiert, administrative Zugriffe besitzt, Support leistet und im Störungsfall den Betrieb wiederherstellt.

Das gilt besonders für Snowflake als US-Unternehmen. Datenhaltung in Europa beseitigt mögliche rechtliche und operative Abhängigkeiten nicht automatisch. Bei Celonis müssen Kunden ebenfalls prüfen, welche Unterauftragnehmer und zusätzlichen KI-Dienste beteiligt sind. Eine breitere Analyse der europäischen Abhängigkeit von Cloud- und KI-Anbietern zeigt, dass der gesamte Technologiestack betrachtet werden muss.

Für STACKIT ist die Kooperation dennoch strategisch bedeutsam. Das STACKIT KI-Ökosystem soll eine Schwäche europäischer Cloud-Anbieter adressieren: Sie verfügen bislang nicht über dieselbe Breite an Daten- und Analysewerkzeugen wie die großen US-Plattformen. Partnerangebote können diese Lücke verkleinern. Gleichzeitig entsteht eine neue Abhängigkeit von proprietärer Software, selbst wenn die Infrastruktur und ein Teil der Datenhaltung europäisch kontrolliert werden.

Was Unternehmen vor einem Einsatz klären müssen

Vor einer Entscheidung sollten Unternehmen verbindliche Angaben zu Verfügbarkeit, Preisen, Datenstandorten, Supportzugriffen, Verschlüsselung und Ausstiegsmöglichkeiten verlangen. Auch Wiederanlaufzeiten und der Betrieb bei einer Störung des Softwareanbieters gehören in die Verträge. Der Ausbau der zugrunde liegenden Infrastruktur ist bereits Teil einer größeren Investitionsstrategie; Schwarz Digits plant unter anderem ein neues Rechenzentrum in Dummerstorf.

Die Ankündigung verbreitert das STACKIT KI-Ökosystem auf dem Papier deutlich. Ob daraus eine vollwertige Alternative zu etablierten Cloud- und Datenplattformen wird, lässt sich erst beurteilen, wenn buchbare Produkte, technische Dokumentation, externe Kunden und überprüfbare Betriebsdaten vorliegen. Bis dahin ist vor allem die Celonis-Integration konkret beschrieben; bei Snowflake bleibt der wichtigste Schritt ein gemeinsames Ziel.

Faktenbox

Celonis und Snowflake auf STACKIT
Ankündigung17. September 2026 beim Cloud X Summit in Wiesbaden
CelonisGeplante Single-Tenant-Lösung auf der STACKIT-Infrastruktur
Snowflake, erste StufeDatenhaltung im Apache-Iceberg-Format bei STACKIT und Anbindung an das STACKIT KMS
Snowflake, spätere StufeAngestrebter nativer Betrieb der Plattform auf STACKIT
Offene PunkteStarttermine, Preise, Service Level, Regionen und externe Referenzkunden