Matcha Knappheit: Wenn TikTok schneller ist als die Ernte
Die Matcha Knappheit entwickelt sich vom Lifestyle-Thema zum realen Beschaffungsproblem. Obwohl Japan die Produktion von Tencha, dem Ausgangsmaterial für Matcha, in den vergangenen Jahren deutlich ausgeweitet hat, wächst die internationale Nachfrage schneller. Steigende Preise, begrenzte Produktionskapazitäten und eine schrumpfende Teeanbaufläche treffen inzwischen auch andere japanische Teesorten.
📌 Auf einen Blick
Japan produzierte 2025 rund 6.278 Tonnen Tencha und damit etwa 3,2-mal so viel wie 2014. Gleichzeitig stieg der durchschnittliche Tencha-Preis auf 8.562 Yen je Kilogramm. Japans Grüntee-Exporte erreichten einen Wert von 72,1 Milliarden Yen. Die wachsende Matcha-Nachfrage beeinflusst inzwischen auch die Produktion von Sencha, Hojicha und Genmaicha.
Matcha Knappheit trotz deutlich höherer Produktion
Inhaltsverzeichnis
Die aktuelle Matcha Knappheit lässt sich nicht einfach mit fehlender Produktion erklären. Japan hat die Herstellung des Rohstoffs Tencha bereits stark ausgeweitet. 2025 wurden 6.278 Tonnen produziert. Damit lag die Menge rund 3,2-mal so hoch wie 2014. Tencha machte inzwischen 8,6 Prozent der gesamten japanischen Rohteeproduktion aus.
Gleichzeitig schrumpft jedoch die landwirtschaftliche Basis. Die japanische Teeanbaufläche ging 2025 um fünf Prozent auf 33.400 Hektar zurück. Auch die erste Teeernte fiel geringer aus als im Vorjahr. Niedrige Temperaturen im Frühjahr belasteten zusätzlich die Erträge.
Damit entsteht eine Konstellation, die sich aus anderen Social-Media-Trends kaum kennt: Die Nachfrage lässt sich innerhalb weniger Monate vervielfachen, die landwirtschaftliche Produktion dagegen nur langsam verändern.
Ein neuer Matcha-Latte steht innerhalb weniger Tage auf der Karte eines Cafés. Einen zusätzlichen Teestrauch kann TikTok allerdings nicht schneller wachsen lassen.
Fünf Jahre Vorlauf bremsen das Angebot
Neue Teepflanzen benötigen ungefähr fünf Jahre, bis sie erstmals wirtschaftlich genutzt werden können. Genau dieser lange Vorlauf verschärft die Matcha Knappheit.
Hinzu kommt die besondere Produktionsweise. Für Tencha werden Teepflanzen mehrere Wochen vor der Ernte beschattet. Dadurch verändert sich die Zusammensetzung der Blätter. Nach der Ernte werden diese gedämpft und getrocknet. Erst anschließend wird Tencha zu feinem Matcha-Pulver vermahlen.
Produzenten können deshalb nicht kurzfristig auf einen plötzlichen Nachfrageanstieg reagieren. Neue Flächen, neue Pflanzen und zusätzliche Verarbeitungskapazitäten benötigen Zeit.
Social Media ist dabei nicht die alleinige Ursache. Der weltweite Matcha-Boom speist sich aus mehreren Entwicklungen: dem Gesundheitsimage des Getränks, der Popularität japanischer Lebensmittel, internationalen Caféketten, Tourismus und einer wachsenden Nachfrage aus den USA und Europa.
TikTok und Instagram wirken allerdings wie ein Verstärker. Die grüne Farbe funktioniert auf Bildern und Videos, Matcha lässt sich einfach inszenieren und wird inzwischen in Getränken, Desserts und zahlreichen Lifestyle-Produkten eingesetzt.
Exporte zeigen die internationale Nachfrage
Wie stark sich die Nachfrage verlagert hat, zeigen Japans Handelsdaten. Das Land exportierte 2025 insgesamt 12.612 Tonnen Grüntee. Der Exportwert erreichte 72,1 Milliarden Yen.
Besonders auffällig ist die Bedeutung von pulverisiertem Grüntee. Auf diese Produktgruppe, zu der Matcha gehört, entfielen rund 69 Prozent der exportierten Menge und etwa 84 Prozent des Exportwertes.
Der durchschnittliche Exportpreis von pulverisiertem Grüntee lag bei 6.927 Yen je Kilogramm. Andere Grünteeformen erreichten lediglich 3.007 Yen.
Auch 2026 setzte sich die Entwicklung zunächst fort. Von Januar bis Mai erreichten Japans Grüntee-Exporte bereits einen Wert von rund 40,2 Milliarden Yen. Die USA waren 2025 für ungefähr 35 Prozent der japanischen Grüntee-Exportmenge verantwortlich.
Die Matcha Knappheit ist damit nicht allein Folge einer einzelnen schlechten Ernte. Sie ist Ausdruck eines strukturellen Nachfrageanstiegs, der sich über mehrere Jahre aufgebaut hat.
Tencha wird für Bauern finanziell attraktiver
Besonders deutlich zeigt sich der Marktstress bei den Rohstoffpreisen. Der durchschnittliche Preis für Tencha lag 2025 bei 8.562 Yen je Kilogramm. Sencha kostete im Vergleich durchschnittlich 1.746 Yen.
Für Teebauern entsteht damit ein erheblicher wirtschaftlicher Anreiz, ihre Produktion in Richtung Tencha zu verschieben.
Genau das führt allerdings zu einem neuen Problem. Die Fläche ist begrenzt. Wird mehr Tencha produziert, stehen weniger Flächen und weniger Erntemengen für andere Teesorten zur Verfügung.
Damit kann aus der Matcha Knappheit schrittweise eine breitere Knappheit innerhalb des japanischen Teemarktes werden.
Auch Hojicha und Genmaicha spüren den Matcha-Boom
Der traditionelle Teehändler Ippodo reagierte 2026 bereits mit Einschränkungen bei verschiedenen Produkten. Größere Packungen von Hojicha und Genmaicha wurden aus dem Sortiment genommen beziehungsweise begrenzt angeboten.
Als einen Grund nennt das Unternehmen die Verschiebung der Produktion zugunsten von Tencha.
Dabei spielt nicht nur die verfügbare Fläche eine Rolle. Die intensive Beschattung der Teepflanzen für die Matcha-Produktion belastet die Pflanzen. Produzenten verzichten deshalb teilweise auf spätere Ernten, damit sich die Teesträucher erholen können.
Auch Marukyu Koyamaen berichtet weiterhin von einer Nachfrage, die die eigenen Produktionskapazitäten übersteigt. Der Hersteller hatte bereits Kaufbeschränkungen eingeführt und die Verfügbarkeit einzelner Produkte begrenzt.
Die Folgen reichen damit über den Matcha selbst hinaus.
Was die Matcha Knappheit für Händler bedeutet
Für deutsche Händler und Gastronomen erhöht die Matcha Knappheit vor allem das Beschaffungsrisiko. Wer Matcha regelmäßig benötigt, sollte deshalb nicht allein auf den Einkaufspreis achten.
Lieferfähigkeit, Herkunft, Qualitätsstufe und langfristige Liefervereinbarungen gewinnen an Bedeutung. Gleichzeitig steigt bei hohen Preisen und knappen Mengen der wirtschaftliche Anreiz, Produkte geringerer Qualität als hochwertigen Matcha anzubieten.
Denn Matcha ist nicht gleich Matcha. Herkunft, Erntezeitpunkt, Beschattung, Verarbeitung und verwendete Pflanzensorten beeinflussen Geschmack, Farbe und Preis.
Eine stärkere Produktion außerhalb Japans könnte einen Teil der globalen Nachfrage auffangen. Matcha beziehungsweise pulverisierter Grüntee wird inzwischen auch in China und anderen Ländern produziert. Für Händler, die ausdrücklich japanische Herkunft oder bestimmte Regionen wie Uji, Shizuoka oder Kagoshima vermarkten, ist das jedoch kein vollständiger Ersatz.
Wenn digitale Nachfrage auf landwirtschaftliche Realität trifft
Die Matcha Knappheit zeigt exemplarisch, was passieren kann, wenn digitale Trends auf langsame Lieferketten treffen. Aufmerksamkeit lässt sich innerhalb weniger Stunden global erzeugen. Landwirtschaftliche Produktionskapazitäten entstehen dagegen über Jahre.
Social Media hat den Matcha-Markt nicht aus dem Nichts geschaffen. Die Plattformen verstärken aber einen ohnehin vorhandenen Trend und verkürzen den Zeitraum, in dem sich Nachfrage verändert.
Genau darin liegt der Unterschied zu vielen anderen Trendprodukten. Ein Hersteller kann zusätzliche Maschinen kaufen, Produktionsschichten verlängern oder Fertigung verlagern. Ein Teestrauch folgt diesem Tempo nicht.
Aus einem grünen Lifestyle-Getränk wird damit eine kleine Fallstudie darüber, wie schnell digitale Begehrlichkeit auf die Grenzen realer Rohstoffmärkte treffen kann.
Faktenbox
| Matcha Knappheit und Japans Teemarkt | |
|---|---|
| Tencha-Produktion 2025 | 6.278 Tonnen |
| Entwicklung seit 2014 | Produktion etwa 3,2-mal so hoch |
| Anteil Tencha an Rohtee | 8,6 Prozent |
| Tencha-Preis 2025 | 8.562 Yen je Kilogramm |
| Sencha-Preis 2025 | 1.746 Yen je Kilogramm |
| Japanische Teeanbaufläche 2025 | 33.400 Hektar, minus 5 Prozent |
| Grüntee-Exportmenge 2025 | 12.612 Tonnen |
| Grüntee-Exportwert 2025 | 72,1 Milliarden Yen |
| Pulverisierter Grüntee | 69 Prozent der Exportmenge und 84 Prozent des Exportwertes |
| USA | rund 35 Prozent der japanischen Grüntee-Exportmenge |
| Export Januar bis Mai 2026 | rund 40,2 Milliarden Yen |
| Vorlauf neuer Teepflanzen | ungefähr fünf Jahre bis zur ersten nutzbaren Ernte |
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