momox Impact Report: Re-Commerce zwischen Klimabilanz und Wachstumslogik
Der momox Impact Report für das Jahr 2025 zeigt ein Geschäftsmodell, das von wachsendem Second-Hand-Konsum profitiert und zugleich messbare Nachhaltigkeitseffekte ausweist. Das Unternehmen meldet 393,5 Millionen Euro Umsatz, mehr als 40 Millionen verkaufte Second-Hand-Artikel und eine deutliche Senkung der eigenen Emissionen. Der Bericht zeigt aber auch: Re-Commerce ist kein Freifahrtschein für Nachhaltigkeit, sondern bleibt auf saubere Berechnungsmethoden, operative Disziplin und glaubwürdige soziale Standards angewiesen.
📌 Auf einen BlickDer momox Impact Report weist für 2025 einen Umsatz von 393,5 Millionen Euro, mehr als 40 Millionen verkaufte Second-Hand-Artikel und 46.657 Tonnen vermiedene CO2-Emissionen aus. Die eigenen Emissionen sanken gegenüber 2021 von 28.538 auf 21.722 Tonnen CO2; das CO2-Reduktionsziel für 2025 wurde nach Unternehmensangaben um 24 Prozent übertroffen.
momox Impact Report zeigt Wachstum im Re-Commerce
Inhaltsverzeichnis
Der momox Impact Report ordnet das Jahr 2025 als wirtschaftlich starkes Jahr für das Re-Commerce-Modell ein. Mit 393,5 Millionen Euro Umsatz und mehr als 40 Millionen verkauften Second-Hand-Artikeln bleibt das Geschäftsmodell klar auf Volumen ausgerichtet. Das ist aus Nachhaltigkeitssicht relevant, denn die ökologische Wirkung entsteht nicht allein durch den Wiederverkauf einzelner Produkte, sondern durch die Frage, ob Second-Hand-Käufe tatsächlich Neukäufe ersetzen.
Genau hier setzt momox mit sogenannten Replacement Rates an. Demnach ersetzen Käufe gebrauchter Bücher und Fashion-Artikel bei momox zu 94 Prozent einen Neukauf. Bei Media-Artikeln liegt der Wert bei 75 Prozent. Diese Kennzahlen sind wichtig, weil sie darüber entscheiden, ob Second Hand nur zusätzlichen Konsum ermöglicht oder tatsächlich Emissionen vermeidet.
Der Bericht nennt für 2025 insgesamt 46.657 Tonnen vermiedene CO2-Emissionen durch den Kauf gebrauchter Ware statt neuer Produkte. Ein gebrauchtes Buch kann demnach rund 0,42 Kilogramm CO2 vermeiden, eine Jacke bis zu 27 Kilogramm CO2. Solche Werte machen den Effekt greifbar, sollten aber nicht als einfache Heilsformel missverstanden werden. Entscheidend bleibt, wie die Berechnung erfolgt, welche Annahmen zugrunde liegen und ob Kunden tatsächlich weniger neue Produkte kaufen.
CO2-Ziele übertroffen, aber Berechnung bleibt erklärungsbedürftig
Ein zentraler Punkt im momox Impact Report ist die Entwicklung der eigenen Emissionen. Die Gesamtemissionen aus Scope 1 bis 3 sanken im Vergleich zum Basisjahr 2021 von 28.538 auf 21.722 Tonnen CO2. Zudem bezieht momox an allen Standorten ausschließlich Grünstrom, wodurch die Scope-2-Emissionen weiterhin bei null liegen.
Für die Zielmessung berechnet momox seine Emissionen ohne Maschinen und Ausrüstung. Das Unternehmen begründet dies damit, dass diese Posten je nach Investitionszyklus stark schwanken und die operative Entwicklung verzerren könnten. Diese Erklärung ist nachvollziehbar, zeigt aber auch die bekannte Schwäche vieler Klimaberichte: Nachhaltigkeitskennzahlen sind selten selbsterklärend. Wer Emissionsziele bewertet, muss genau hinsehen, welche Bestandteile einbezogen werden und welche nicht.
Positiv ist, dass momox konkrete operative Maßnahmen nennt. Dazu zählen eine höhere Recyclingquote bei Versandmaterialien aus Kunststoff, ein Kreislaufkonzept für IT-Equipment und papierlose Picking-Prozesse in den Logistikzentren. Bis 2030 will das Unternehmen die Emissionen um 80 Prozent pro Million Euro Umsatz senken. Damit verknüpft momox seine Klimaziele stärker mit der wirtschaftlichen Entwicklung, was bei wachsenden Unternehmen sinnvoller ist als eine reine Betrachtung absoluter Emissionswerte.
Second Hand bleibt abhängig vom tatsächlichen Konsumverhalten
Der momox Impact Report zeigt, dass Second Hand im Alltag eine messbare Wirkung entfalten kann. Besonders bei Kleidung ist der Unterschied zum Neukauf erheblich. Wenn eine gebrauchte Jacke bis zu 27 Kilogramm CO2 einspart, wird deutlich, warum Re-Commerce in der Klimadebatte an Bedeutung gewinnt.
Gleichzeitig bleibt der Markt nicht frei von Widersprüchen. Second-Hand-Plattformen senken die Eintrittshürde für Konsum. Wenn niedrige Preise dazu führen, dass Kunden insgesamt mehr kaufen, kann ein Teil des ökologischen Effekts wieder verloren gehen. Die entscheidende Frage lautet daher nicht nur, wie viele gebrauchte Artikel verkauft wurden, sondern ob dadurch tatsächlich Produktion, Transport und Ressourcenverbrauch neuer Ware reduziert werden.
Für den Handel ergibt sich daraus ein nüchterner Befund: Re-Commerce kann ein wirksamer Baustein der Kreislaufwirtschaft sein, ersetzt aber keine klare Produktstrategie, keine längere Nutzungsdauer und keine Reduktion unnötiger Sortimente. Nachhaltigkeit beginnt nicht erst beim Wiederverkauf, sondern bereits bei Herstellung, Qualität und Reparierbarkeit.
Soziale Verantwortung rückt wieder stärker in den Fokus
Neben Klima und Kreislaufwirtschaft behandelt der momox Impact Report auch soziale Themen. Das Unternehmen beschäftigt rund 2.200 Mitarbeiter an den Standorten Berlin, Leipzig und Szczecin. Die Belegschaft umfasst Menschen aus 81 Nationen. Gleichzeitig räumt momox ein, dass soziale Initiativen 2025 zeitweise nicht im gewünschten Umfang im Mittelpunkt standen. Grund dafür waren unter anderem Anpassungen der IT-Infrastruktur und die Automatisierung von Logistikprozessen.
Diese Einordnung ist wichtig, weil Nachhaltigkeit nicht nur aus CO2-Kennzahlen besteht. Gerade Automatisierung, Effizienzprogramme und Wachstum im Plattformgeschäft haben direkte Auswirkungen auf Arbeitsplätze, Arbeitsbedingungen und interne Zufriedenheit. Der Anstieg des eNPS um drei Punkte ist ein positives Signal, ersetzt aber keine langfristige Betrachtung von Mitarbeiterbindung, Qualifikation und Belastung.
Für sein queer-inklusives Arbeitsumfeld wurde momox erneut mit dem Pride Champion Gold Seal der UHLALA Group ausgezeichnet. Für die kommenden Jahre will das Unternehmen soziale Wirkung, Mitarbeiterzufriedenheit und Engagement wieder stärker ausbauen.
Governance wird zum Prüfstein der Glaubwürdigkeit
Im Governance-Bereich verweist momox auf ein verantwortungsvolles Lieferantenmanagement, eine unternehmensweite Einkaufsrichtlinie mit ökologischen und sozialen Kriterien sowie ein Compliance-Programm. Dieses umfasst Datenschutz, Korruptionsprävention, Risikomanagement und Monitoring.
Auch Spenden spielen eine Rolle: 2025 unterstützte momox die Organisationen WWF, Cradle to Cradle NGO und Drip by Drip mit insgesamt 286.117 Euro. Solche Beträge sind ein sichtbares Signal, entscheidender für die Glaubwürdigkeit bleibt jedoch die Frage, wie konsequent ökologische und soziale Kriterien im Kerngeschäft angewendet werden.
Der momox Impact Report liefert dafür mehrere relevante Kennzahlen. Er zeigt aber zugleich, dass Nachhaltigkeitsberichte immer auch eine Form der Selbstdarstellung sind. Für Leser, Investoren und Marktbeobachter liegt der Mehrwert deshalb weniger in einzelnen Erfolgsbotschaften, sondern in der Möglichkeit, Methodik, Zielerreichung und operative Maßnahmen kritisch einzuordnen.
Faktenbox
| momox Impact Report 2025 | |
|---|---|
| Unternehmen | momox |
| Berichtsjahr | 2025 |
| Umsatz | 393,5 Millionen Euro |
| Verkaufte Second-Hand-Artikel | Mehr als 40 Millionen Artikel |
| Vermiedene CO2-Emissionen | 46.657 Tonnen CO2 durch Second-Hand-Käufe statt Neuware |
| Eigene Emissionen | Rückgang von 28.538 Tonnen CO2 im Basisjahr 2021 auf 21.722 Tonnen CO2 im Jahr 2025 |
| Scope 2 | Weiterhin null Emissionen durch ausschließlichen Bezug von Grünstrom an allen Standorten |
| Klimaziel 2025 | Nach Unternehmensangaben um 24 Prozent übertroffen |
| Ziel bis 2030 | Reduktion der Emissionen um 80 Prozent pro Million Euro Umsatz |
| Mitarbeiter | Rund 2.200 Mitarbeiter an den Standorten Berlin, Leipzig und Szczecin |
| Spendenprogramm | 286.117 Euro für WWF, Cradle to Cradle NGO und Drip by Drip |
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