Fahrradhandel unter Druck: Service wird zum Ertragsmodell

Der Fahrradmarkt 2025 hat seinen Konsolidierungskurs fortgesetzt. Das Umsatzvolumen sank in Deutschland um 5,1 Prozent auf 9,4 Milliarden Euro. Damit verzeichnet die Branche den dritten Rückgang in Folge. Wachstum gibt es vor allem bei Gravelbikes, Kinderfahrrädern und einzelnen E-Bike-Segmenten.

📌 Auf einen Blick

Der deutsche Fahrradmarkt erreichte 2025 ein Volumen von 9,4 Milliarden Euro und lag damit 5,1 Prozent unter dem Vorjahr. Wachstum verzeichneten vor allem Gravelbikes, E-Gravelbikes und Kinderfahrräder, während größere Fachmärkte weitere Marktanteile gewannen.

Fahrradmarkt 2025 sinkt auf 9,4 Milliarden Euro
Fahrradmarkt 2025 sinkt auf 9,4 Milliarden Euro

Fahrradmarkt 2025 bleibt über dem Vorkrisenniveau

Nach den von Lieferengpässen, hoher Nachfrage und ungewöhnlich vollen Auftragsbüchern geprägten Pandemiejahren hat sich die Lage gedreht. Der Fahrradmarkt 2025 steht inzwischen für sinkende Umsätze, vorsichtigere Verbraucher und einen intensiveren Wettbewerb zwischen den Händlern.

Nach Angaben des Branchenberichts Fahrräder 2026 von IFH Köln und BBE Handelsberatung lag das Marktvolumen trotz des erneuten Rückgangs noch deutlich über dem Niveau vor der Corona-Pandemie. Das relativiert die Krisenstimmung, ändert aber wenig an den aktuellen Problemen vieler Anbieter. Hohe Lagerbestände, Preissenkungen und gestiegene Betriebskosten drücken auf die Margen.

Der dritte Umsatzrückgang in Folge ist deshalb nicht nur eine rechnerische Normalisierung nach dem Boom. Er zeigt auch, dass sich die Branche auf ein niedrigeres und stärker umkämpftes Absatzniveau einstellen muss.

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E-Bike-Segmente entwickeln sich unterschiedlich

Die Entwicklung der einzelnen E-Bike-Kategorien fällt deutlich auseinander. Über den gesamten Zeitraum von 2019 bis 2025 stieg der Index des E-Bike-Gesamtmarktes von 100 auf 174,9. Das entspricht einem Wachstum von knapp 75 Prozent gegenüber 2019, sagt aber noch nichts über die kurzfristige Entwicklung im vergangenen Jahr aus.

Besonders deutlich legten E-Lastenräder zu. Ihr Index erreichte 2025 einen Wert von 322. Damit hat sich das Marktvolumen gegenüber 2019 rechnerisch mehr als verdreifacht. Allerdings lag der Höchststand bereits 2023 bei mehr als 400 Punkten. Seitdem ist auch dieses Segment geschrumpft.

E-Mountainbikes erreichten 2025 einen Index von 231,9. E-Gravelbikes kamen auf 202,4 und verzeichneten zuletzt einen kräftigen Anstieg. Deutlich schwächer entwickelten sich E-City- und Urban-Bikes. Mit einem Indexwert von 99,6 lagen sie praktisch wieder auf dem Niveau von 2019.

Der Fahrradmarkt 2025 zeigt damit keine einheitliche E-Bike-Erfolgsgeschichte. Vielmehr verschiebt sich die Nachfrage zu spezialisierten Modellen, während klassische Alltagsräder einen Teil ihres früheren Rückenwinds verloren haben.

Gravelbikes profitieren von vielseitiger Nutzung

Straßensporträder einschließlich Gravelbikes konnten ihre Bedeutung innerhalb des Gesamtmarktes ausbauen. Gravelbikes verbinden eine sportliche Bauweise mit breiteren Reifen und einer Nutzung auf Asphalt, Feldwegen und leichten Geländestrecken. Damit sprechen sie nicht nur Rennradfahrer an, sondern auch Käufer, die ein Rad für Freizeit, Arbeitsweg und längere Touren suchen.

Eine ähnliche Entwicklung zeigt sich bei E-Gravelbikes. Das Segment ist bislang kleiner als der Markt für E-Mountainbikes oder Trekkingräder, wächst aber stärker. Für Händler bieten solche Nischen Chancen, weil dort weniger ausschließlich über den Preis verkauft wird. Gleichzeitig besteht das Risiko, dass ein schnell wachsendes Segment vorschnell mit großen Lagerbeständen bedient wird. Die jüngsten Erfahrungen mit E-Bikes sollten hier als Warnung reichen.

Auch Kinder- und Jugendfahrräder entwickelten sich positiv. Laut Studie profitiert das Segment von den höheren Geburtenzahlen während der Corona-Jahre. Dieser Effekt dürfte allerdings zeitlich begrenzt sein und ersetzt keine langfristige Wachstumsstrategie.

Große Fachmärkte erhöhen den Druck

Der Fahrradfachhandel bleibt der wichtigste Vertriebsweg. Innerhalb dieses Kanals gewinnen jedoch große Fachmärkte und Filialunternehmen Marktanteile. Sie können breitere Sortimente präsentieren und verfügen häufig über größere Verkaufsflächen, die insbesondere für E-Bikes und Lastenräder benötigt werden.

Kleinere Händler reagieren verstärkt mit Werkstatt-, Wartungs- und Reparaturleistungen. Das ist mehr als eine Servicezugabe: Angesichts sinkender Neuradverkäufe werden wiederkehrende Einnahmen aus Reparaturen und Inspektionen zu einem wichtigen Bestandteil des Geschäftsmodells.

Seit 2016 sind nach Angaben der Studie lediglich 124 Fahrradhändler aus dem Markt ausgeschieden. Die vergleichsweise stabile Zahl der Marktteilnehmer darf jedoch nicht mit wirtschaftlicher Stabilität verwechselt werden. Ein Betrieb kann weiterbestehen und trotzdem mit niedrigen Margen, Finanzierungskosten und überalterten Beständen kämpfen.

Konsolidierung verändert den Wettbewerb

Für den Fahrradmarkt 2025 zeichnet sich kein schneller Weg zurück zu den Wachstumsraten der Pandemie ab. Die Marktbereinigung findet weniger durch einen plötzlichen Einbruch als durch anhaltenden Margendruck, Rabatte und eine Verschiebung der Marktanteile statt.

Händler müssen ihre Sortimente genauer steuern und Bestände stärker an der tatsächlichen Nachfrage ausrichten. Gleichzeitig gewinnen Dienstleistungen, Finanzierungsangebote und eine klare Spezialisierung an Bedeutung. Wer lediglich auf den nächsten allgemeinen Nachfrageboom wartet, könnte länger warten als geplant.

Die Gewinner der Konsolidierung werden daher nicht automatisch die Anbieter mit der größten Verkaufsfläche sein. Entscheidend dürfte sein, wer Einkauf, Lagerbestand, Werkstatt und Kundenbindung wirtschaftlich miteinander verbindet.

Faktenbox

Fahrradmarkt Deutschland 2025
Marktvolumen9,4 Milliarden Euro
Veränderung zum VorjahrMinus 5,1 Prozent
MarktentwicklungDritter Umsatzrückgang in Folge
Wachsende WarengruppenGravelbikes, E-Gravelbikes sowie Kinder- und Jugendfahrräder
E-LastenräderIndex 322,0 im Jahr 2025, Basisjahr 2019 = 100
E-MountainbikesIndex 231,9 im Jahr 2025
E-GravelbikesIndex 202,4 im Jahr 2025
E-Bikes insgesamtIndex 174,9 im Jahr 2025
E-City- und Urban-BikesIndex 99,6 und damit ungefähr auf dem Niveau von 2019
Wichtigster VertriebskanalFahrradfachhandel, mit steigenden Anteilen großer Fachmärkte und Filialisten
StudieBranchenbericht Fahrräder 2026 von IFH Köln und BBE Handelsberatung