Lebensmittelhandel Österreich: Mehr Umsatz, weniger echte Dynamik

Der Lebensmittelhandel Österreich hat 2025 nominal weiter zugelegt. Nach den aktuellen Strukturdaten von NielsenIQ stieg der Umsatz im Lebensmittel- und Drogeriefachhandel auf 32,1 Milliarden Euro. Das klingt nach Wachstum, ist aber nur die halbe Wahrheit: Mit einem Plus von 3,1 Prozent blieb die Branche unter der österreichischen Inflationsrate von 3,6 Prozent. Real betrachtet deutet vieles eher auf Stagnation als auf echten Schub hin.

📌 Auf einen Blick

Der Lebensmittelhandel Österreich erreichte 2025 zusammen mit dem Drogeriefachhandel 32,1 Milliarden Euro Umsatz. Das nominale Wachstum von 3,1 Prozent lag unter der Inflation von 3,6 Prozent. Während die Zahl der LEH-Standorte sank, legten Verkaufsfläche, Flächenproduktivität und Drogeriefachhandel weiter zu.

Lebensmittelhandel Österreich wächst nur nominal
Lebensmittelhandel Österreich wächst nur nominal

Lebensmittelhandel Österreich wächst auf 32,1 Milliarden Euro

Der österreichische Gesamtmarkt aus Lebensmitteleinzelhandel inklusive Diskont sowie Drogeriefachhandel erreichte 2025 ein Umsatzvolumen von 32,1 Milliarden Euro. Gegenüber 2024 entspricht das einem Zuwachs von 0,9 Milliarden Euro beziehungsweise 3,1 Prozent. Auf den ersten Blick bestätigt dies die Robustheit eines Marktes, der für Produkte des täglichen Bedarfs steht und damit weniger stark von konjunkturellen Schwankungen betroffen ist als andere Handelsbereiche.

Der kritische Punkt liegt jedoch in der realen Betrachtung. Da die Inflation in Österreich im selben Zeitraum bei 3,6 Prozent lag, reicht das nominale Umsatzplus nicht aus, um von einer realen Expansion zu sprechen. Für Händler bedeutet das: Mehr Kassenumsatz ist nicht automatisch mehr wirtschaftliche Substanz. Ein Teil des Wachstums dürfte weiterhin preisgetrieben sein. Für Konsumenten wiederum bleibt der Eindruck bestehen, dass der Einkauf teurer wird, ohne dass zwangsläufig mehr im Warenkorb landet.

Weniger Standorte, mehr Fläche: Ein widersprüchliches Bild

Der Lebensmitteleinzelhandel inklusive Diskont erzielte 2025 ein Umsatzplus von 3,0 Prozent und kam auf 29,2 Milliarden Euro. Gleichzeitig sank die Zahl der Standorte um 54 Filialen auf insgesamt 5.065 Geschäfte. Diese Entwicklung zeigt einen Strukturwandel, der im Alltag oft unspektakulär wirkt, aber für die Nahversorgung relevant ist: Kleinere oder weniger rentable Standorte geraten unter Druck, während größere Formate ihre Rolle ausbauen.

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Auffällig ist, dass die Gesamtverkaufsfläche dennoch leicht um 0,4 Prozent auf 3,56 Millionen Quadratmeter stieg. Der Lebensmittelhandel Österreich wird damit nicht unbedingt dichter, sondern flächenstärker. Das passt zu einer Entwicklung, bei der größere Märkte, breitere Sortimente und effizientere Flächenkonzepte an Bedeutung gewinnen. Für ländliche Regionen oder kleinere Standorte kann das allerdings eine nüchterne Botschaft sein: Weniger Filialen bedeuten nicht automatisch schlechtere Versorgung, aber sie verschieben Wege, Einkaufsroutinen und lokale Wettbewerbsverhältnisse.

Spar baut Marktanteil aus, Rewe verliert leicht

Bei den Marktanteilen bleibt der österreichische Lebensmitteleinzelhandel stark konzentriert. Spar erreichte 2025 einen Umsatzmarktanteil von 36,3 Prozent und legte damit um 0,5 Prozentpunkte zu. Die Rewe-Lebensmittelhandelsgruppe ohne Bipa kam auf 32,4 Prozent und verlor im Vergleich zum Vorjahr 0,5 Prozentpunkte. Hofer und Lidl erreichten gemeinsam 25,7 Prozent und erhöhten ihren Anteil ebenfalls um 0,5 Prozentpunkte.

Damit zeigt sich eine klare Verschiebung zugunsten von Spar und Diskontern. Besonders Lidl entwickelte sich mit einem Umsatzplus von 6,6 Prozent dynamisch. Für den Wettbewerb ist das nicht nur eine Frage der Preispositionierung, sondern auch der Sortimentssteuerung, Filialmodernisierung und Frequenz. Der Lebensmittelhandel Österreich bleibt ein Markt, in dem wenige große Anbieter den Takt bestimmen. Für kleinere Händler wird es dadurch nicht einfacher, sich sichtbar zu differenzieren.

Die Markant-Gruppe ohne MPreis, zu der unter anderem Unimarkt und Nah&Frisch zählen, kam 2025 auf 2,1 Prozent Marktanteil. Das entspricht einem Rückgang von 0,3 Prozentpunkten. Als wesentlicher Grund wird der Rückzug von Unimarkt aus dem österreichischen Lebensmitteleinzelhandel genannt. Der übrige Lebensmitteleinzelhandel, darunter MPreis und nicht-filialisierte Händler, lag bei 3,5 Prozent und verlor 0,2 Prozentpunkte.

Flächenproduktivität steigt, aber der Druck bleibt

Die Flächenproduktivität im Lebensmitteleinzelhandel inklusive Diskont stieg 2025 um 2,5 Prozent auf 8.200 Euro je Quadratmeter. Das entspricht einem Plus von 200 Euro je Quadratmeter gegenüber dem Vorjahr. Diese Kennzahl ist für Händler zentral, weil sie zeigt, wie effizient Verkaufsfläche in Umsatz umgewandelt wird.

Gleichzeitig sollte der Anstieg nicht isoliert betrachtet werden. Wenn Preise steigen, verbessert sich auch die Flächenproduktivität rechnerisch, ohne dass zwingend mehr Ware verkauft wird. Der Wert zeigt also Effizienz, aber nicht automatisch Kundenzuwachs oder höhere reale Absatzmengen. Gerade in einem inflationsgeprägten Umfeld bleibt die Interpretation heikel.

Besonders Verbrauchermärkte mit mehr als 1.000 Quadratmetern Verkaufsfläche trugen zur Entwicklung bei. Sie legten sowohl bei der Zahl der Geschäfte als auch beim Umsatz zu. Das weist auf eine stärkere Rolle größerer Formate hin. Kleinere Standorte und klassische Nahversorger müssen sich dagegen stärker über Lage, Service, Frische, regionale Sortimente oder Bequemlichkeit behaupten.

Selbstständige Kaufleute gewinnen an Gewicht

Interessant ist die Entwicklung der selbstständigen Kaufleute. Sie erzielten 2025 ein Umsatzwachstum von 5,0 Prozent, obwohl die Zahl der Geschäfte zurückging. Ihr Umsatzvolumen lag bei 3,9 Milliarden Euro. Insgesamt umfasste das Netzwerk 1.571 Standorte, was 31,0 Prozent aller Geschäfte im Lebensmitteleinzelhandel inklusive Diskont entspricht.

Der Marktanteil der selbstständigen Kaufleute stieg von 13,1 Prozent auf 13,4 Prozent. Das zeigt, dass lokale Unternehmertumskonzepte im konzentrierten Markt nicht verschwinden, sondern unter bestimmten Bedingungen relevant bleiben. Allerdings wird auch hier deutlich: Weniger Standorte bei mehr Umsatz bedeuten stärkere Anforderungen an einzelne Betriebe. Effizienz, Sortimentsqualität und Standortmanagement werden wichtiger.

Drogeriefachhandel wächst stärker als der LEH

Der Drogeriefachhandel entwickelte sich 2025 dynamischer als der Lebensmitteleinzelhandel. Mit einem Umsatzplus von 3,7 Prozent erreichte er 2,8 Milliarden Euro. Insgesamt wurden 1.044 Standorte gezählt. Damit nähert sich das Segment weiter der Marke von drei Milliarden Euro.

Für den Lebensmittelhandel Österreich ist diese Entwicklung auch deshalb relevant, weil Sortimentsgrenzen zwischen Lebensmittelhandel, Drogerie, Non-Food und Onlinehandel zunehmend verschwimmen. Drogerien konkurrieren nicht nur im klassischen Pflege- und Haushaltssegment, sondern auch bei Babyprodukten, Gesundheitsartikeln, Nahrungsergänzung, Bio-Produkten und Aktionsware. Der Wettbewerb um Frequenz und Warenkorb findet längst nicht mehr nur zwischen Supermarktketten statt.

Die Branche verkauft mehr, aber nicht zwingend mehr

Die NielsenIQ-Daten zeigen einen Markt, der äußerlich stabil wächst, aber unter der Oberfläche mit Strukturverschiebungen arbeitet. Der Lebensmittelhandel Österreich profitiert von der Grundnachfrage nach Waren des täglichen Bedarfs, doch die reale Dynamik bleibt begrenzt. Nominales Wachstum unterhalb der Inflation ist keine Krise, aber auch kein Grund für Selbstzufriedenheit.

Für Händler liegt die Herausforderung darin, Preisdruck, Standortbereinigung, Flächenproduktivität und Kundenerwartungen gleichzeitig zu steuern. Für Konsumenten bleibt entscheidend, ob der Wettbewerb zu besseren Preisen, besserer Verfügbarkeit und sinnvolleren Sortimenten führt. Die Zahlen zeigen jedenfalls: Der Markt wächst auf dem Papier. Die eigentliche Frage ist, wer daraus reale Stärke macht.

Faktenbox

Lebensmittelhandel Österreich 2025
GesamtmarktLebensmitteleinzelhandel inklusive Diskont plus Drogeriefachhandel
Umsatz 202532,1 Milliarden Euro
Nominales Wachstum+3,1 Prozent gegenüber 2024
Inflation Österreich3,6 Prozent im Vergleichszeitraum
LEH-Umsatz inklusive Diskont29,2 Milliarden Euro, +3,0 Prozent
LEH-Standorte5.065 Filialen, Rückgang um 54 Standorte
Verkaufsfläche3,56 Millionen Quadratmeter, +0,4 Prozent
Flächenproduktivität8.200 Euro je Quadratmeter, +2,5 Prozent
Marktanteil Spar36,3 Prozent, +0,5 Prozentpunkte
Marktanteil Rewe ohne Bipa32,4 Prozent, -0,5 Prozentpunkte
Marktanteil Hofer und Lidl25,7 Prozent, +0,5 Prozentpunkte
Drogeriefachhandel2,8 Milliarden Euro Umsatz, +3,7 Prozent, 1.044 Standorte