Mehr Kontrollen gegen Spam und Fälschungen auf Etsy

Der Etsy Transparenzbericht 2025 zeigt, wie der Marktplatz gegen unzulässige Angebote, Betrug, Spam, Produktfälschungen und unsichere Waren vorgeht. Etsy meldet deutlich weniger Richtlinienlöschungen, zugleich aber mehr automatisierte Kontrollen und neue Möglichkeiten für Verkäufer, gegen Entscheidungen Einspruch einzulegen.

📌 Auf einen Blick

Etsy meldet für 2025 rund 49 Prozent weniger Löschungen wegen Richtlinienverstößen. Gleichzeitig stieg die Präzision der automatisierten Durchsetzung laut Unternehmen um 10 Prozent. Rund 846.000 Angebote wurden nach Meldungen möglicher Schutzrechtsverletzungen entfernt, mehr als 50.000 Artikel aus Sicherheitsgründen.

Etsy Transparenzbericht 2025: Mehr KI gegen Betrug
Etsy Transparenzbericht 2025: Mehr KI gegen Betrug

Etsy Transparenzbericht 2025 setzt auf automatisierte Kontrolle

Etsy verwaltete Ende 2025 nach eigenen Angaben mehr als 100 Millionen Angebote von rund 5,6 Millionen aktiven Verkäufern. Ihnen standen etwa 87 Millionen aktive Käufer gegenüber. Bei dieser Größenordnung ist eine rein manuelle Kontrolle unmöglich. Etsy kombiniert deshalb automatische Erkennungssysteme mit menschlicher Prüfung, Meldungen aus der Community und Hinweisen von Behörden oder Rechteinhabern.

Im Jahr 2025 stammten 98 Prozent der Hinweise auf möglicherweise unzulässige Angebote aus Etsys eigenen Systemen. Nur zwei Prozent kamen aus der Community. Das zeigt, wie stark die Plattform ihre Marktplatzkontrolle inzwischen automatisiert hat. Es bedeutet allerdings auch, dass die Qualität der verwendeten Modelle zunehmend darüber entscheidet, welche Angebote sichtbar bleiben und welche entfernt werden.

Etsy erweiterte dazu den Einsatz von Systemen auf Basis großer Sprachmodelle, sogenannten LLM. Nach Angaben des Unternehmens verbesserte sich die Präzision der Richtliniendurchsetzung gegenüber dem Vorjahr um zehn Prozent. Das soll vor allem irrtümliche Löschungen reduzieren, ohne die Erkennung problematischer Inhalte zu verlangsamen.

49 Prozent weniger Löschungen sind nicht automatisch Entwarnung

Die Zahl der wegen Richtlinienverstößen entfernten Angebote sank 2025 um rund 49 Prozent. Hauptgrund waren weniger Löschungen aufgrund der sogenannten Creativity Standards. Diese Standards sollen festlegen, welche selbst hergestellten, entworfenen, ausgewählten oder beschafften Produkte auf Etsy angeboten werden dürfen.

Etsy führt den Rückgang unter anderem auf stärkere Kontrollen in den Vorjahren zurück. 2023 hatte das Unternehmen die Zahl der Richtlinienlöschungen nach eigenen Angaben verdoppelt. Im Jahr 2024 stiegen die Löschungen wegen Verstößen gegen die Creativity Standards nochmals um 22 Prozent.

Der Rückgang im Jahr 2025 kann daher auf einen Bereinigungseffekt hindeuten. Er ist aber kein Beweis dafür, dass weniger Händler gegen die Regeln verstoßen. Veränderte Erkennungsmethoden, andere Prüfschwerpunkte und eine höhere Fehlertoleranz können die Zahlen ebenfalls beeinflussen. Der Etsy Transparenzbericht 2025 bleibt an dieser Stelle eine Selbstauskunft des Unternehmens und ersetzt keine unabhängige Überprüfung.

Bemerkenswert ist zudem die regionale Verteilung: 68 Prozent der sanktionierten Konten waren Europa zugeordnet, 26 Prozent Nordamerika. Etsy erklärt den hohen europäischen Anteil vor allem mit massenhaft erzeugten Konten, die für Betrugsversuche in Nachrichten genutzt wurden. Daraus lässt sich deshalb nicht ableiten, dass gewöhnliche europäische Händler häufiger gegen Marktplatzregeln verstoßen.

Mehr Maßnahmen gegen Spam und Betrugsnachrichten

Etsy entfernte 2025 nach eigenen Angaben 2,6-mal so viele Spam-Konten wie im Vorjahr. Gleichzeitig sank die Zahl der als Spam erkannten Nachrichten um 74 Prozent auf weniger als eine Million.

Diese Entwicklung erscheint nur auf den ersten Blick widersprüchlich. Das Unternehmen will verdächtige Konten inzwischen früher sperren, bevor sie größere Mengen an Nachrichten versenden können. Mehr entfernte Konten können daher zu weniger Spam-Nachrichten führen. Wie viele Nachrichten bereits vor der Zustellung blockiert wurden und wie viele Käufer tatsächlich betroffen waren, weist der Bericht allerdings nicht gesondert aus.

846.000 Angebote wegen möglicher Schutzrechtsverletzungen entfernt

Beim Schutz geistigen Eigentums bearbeitete Etsy rund 111.000 Meldungen möglicher Verletzungen. Das waren 30 Prozent mehr als 2024. Die daraus resultierende Zahl entfernter Angebote blieb mit rund 846.000 vergleichsweise stabil.

Etwa 18 Prozent der eingereichten Meldungen wies Etsy zurück, beispielsweise wegen fehlender Vollmachten, unzureichender Angaben zum Schutzrecht oder anderer formaler Mängel. Darüber hinaus entfernte das Unternehmen rund 180.000 Angebote aufgrund möglicher Produktfälschungen. Etwa 28.000 Shops wurden wegen wiederholter Schutzrechtsverletzungen oder Fälschungsvorwürfe geschlossen. Das entsprach einem Anstieg von 3,8 Prozent.

Die Zahlen zeigen auch die Schwierigkeit automatisierter Marktplatzkontrolle: Rechteinhaber erwarten schnelle Löschungen, betroffene Verkäufer dagegen nachvollziehbare Entscheidungen und wirksame Einspruchsmöglichkeiten. Ein schneller Automatismus kann Fälschungen eindämmen, aber auch rechtmäßige Angebote treffen.

Mehr als 50.000 Artikel aus Sicherheitsgründen entfernt

Im Bereich Produktsicherheit entfernte Etsy mehr als 50.000 Angebote. Dazu gehörten zurückgerufene Produkte, Waren mit möglicherweise gefährlichen Materialien und Artikel, die insbesondere für Kinder ein Risiko darstellen könnten. Die Zahl lag laut Unternehmen ungefähr auf dem Niveau des Vorjahres.

Etsy aktualisierte zudem seine Vorgaben für Schusswaffen, persönliche Schutzausrüstung, lebensrettende Produkte sowie elektrische Mobilitätsgeräte einschließlich Batterien und Ladegeräten. Für Verkäufe in den Europäischen Wirtschaftsraum und nach Nordirland führte die Plattform zusätzliche Felder für Hersteller- und Sicherheitsinformationen ein. Verkäufer können alternativ den Verkauf in diese Regionen einschränken.

Neue Einspruchswege für Verkäufer

Verkäufer erhalten im Shop Manager inzwischen eine eigene Übersichtsseite für Richtlinienverstöße. Dort sollen betroffene Angebote, Gründe für Maßnahmen und mögliche nächste Schritte gebündelt angezeigt werden.

Zusätzlich führte Etsy Einsprüche auf Angebotsebene ein. Gestartet wurde das Verfahren bei Verstößen gegen die Creativity Standards. Bis Ende 2026 will Etsy die Möglichkeit auf weitere Richtlinienbereiche ausweiten. Damit reagiert der Marktplatz auf einen zentralen Kritikpunkt automatisierter Moderation: Eine Löschung ist schnell ausgesprochen, eine nachvollziehbare Korrektur war für Händler bislang häufig deutlich schwieriger.

Ob die neuen Verfahren tatsächlich zu schnelleren und transparenteren Entscheidungen führen, hängt von Bearbeitungszeiten, Begründungsqualität und dem Anteil erfolgreicher Einsprüche ab. Konkrete Erfolgsquoten nennt der Bericht noch nicht.

Bestellprobleme bleiben laut Etsy auf niedrigem Niveau

Nach Angaben von Etsy werden 92 Prozent der gemeldeten Bestellprobleme direkt zwischen Käufer und Verkäufer gelöst, ohne dass die Plattform eingreifen muss. Rund 0,5 Prozent aller Bestellungen führten 2025 zu einem formellen Fall. Dieser Anteil blieb gegenüber dem Vorjahr stabil.

Bei 72 Prozent der gemeldeten Probleme erhielt der Käufer nach höchstens zwei Kontakten und innerhalb von fünf Tagen entweder die Ware oder eine Erstattung. Etsy bezeichnet dies als „Easy Resolution“. Die Kennzahl blieb ebenfalls weitgehend unverändert.

Für Händler sind diese Werte relevant, weil Plattformen ihre Eingriffe zunehmend an messbaren Servicekennzahlen ausrichten. Gleichzeitig beruhen auch diese Angaben auf der internen Definition und Datenauswertung von Etsy. Welche Fälle gar nicht gemeldet wurden oder außerhalb des offiziellen Systems geklärt werden mussten, bleibt offen.

Entscheidend wird die Qualität der Einspruchsverfahren

Der Etsy Transparenzbericht 2025 [PDF] dokumentiert einen weiteren Schritt hin zu automatisierter Marktplatzkontrolle. LLM-basierte Systeme sollen Verstöße früher erkennen, Fehlentscheidungen verringern und große Angebotsmengen bewältigen. Gleichzeitig baut Etsy Informations- und Einspruchsmöglichkeiten für Verkäufer aus.

Für Händler liegt das Risiko künftig weniger in fehlenden Kontrollen als in undurchsichtigen automatisierten Entscheidungen. Entscheidend ist deshalb nicht allein, wie viele Angebote Etsy entfernt. Wichtiger ist, ob Verkäufer den konkreten Grund verstehen, Belege einreichen können und innerhalb einer angemessenen Frist eine menschlich überprüfte Entscheidung erhalten.

Faktenbox

Etsy Transparenzbericht 2025
BerichtszeitraumJanuar bis Dezember 2025
Veröffentlichung1. Juli 2026
MarktplatzgrößeMehr als 100 Millionen Angebote, rund 87 Millionen aktive Käufer und 5,6 Millionen aktive Verkäufer
RichtlinienlöschungenRund 49 Prozent weniger als 2024
Herkunft der Hinweise98 Prozent durch Etsy-Systeme, zwei Prozent durch die Community
LLM-EinsatzLaut Etsy zehn Prozent höhere Präzision bei der Richtliniendurchsetzung
Spam2,6-mal mehr entfernte Spam-Konten und 74 Prozent weniger erkannte Spam-Nachrichten
SchutzrechtsmeldungenRund 111.000 Meldungen und etwa 846.000 entfernte Angebote
Mögliche FälschungenRund 180.000 entfernte Angebote und etwa 28.000 geschlossene Shops
ProduktsicherheitMehr als 50.000 entfernte Artikel
Bestellprobleme92 Prozent werden direkt zwischen Käufer und Verkäufer gelöst
Plan für 2026Ausbau automatisierter Erkennung, verständlichere Hinweise und breitere Einspruchsmöglichkeiten