DHL SAF-Vertrag: DHL Express sichert nachhaltigen Flugkraftstoff aus Bahrain

DHL Express hat mit SAF One einen langfristigen Abnahmevertrag für nachhaltigen Flugkraftstoff aus Bahrain geschlossen. Der DHL SAF-Vertrag soll ab dem geplanten Produktionsstart 2028 jährlich 25.000 Tonnen unvermischtes SAF sichern. Für DHL ist das ein weiterer Baustein auf dem Weg zu emissionsärmerer Luftfracht – allerdings auch ein Hinweis darauf, wie knapp und strategisch umkämpft nachhaltige Kraftstoffe bleiben.

📌 Auf einen Blick

Der DHL SAF-Vertrag mit SAF One umfasst 25.000 Tonnen unvermischtes SAF pro Jahr und insgesamt 250.000 Tonnen über zehn Jahre. Die Produktion in Bahrain soll 2028 starten und DHLs Ziel unterstützen, den SAF-Anteil bis 2030 auf 30 Prozent zu erhöhen.

DHL SAF-Vertrag: DHL Express sichert nachhaltigen Flugkraftstoff aus Bahrain
DHL SAF-Vertrag: DHL Express sichert nachhaltigen Flugkraftstoff aus Bahrain

DHL SAF-Vertrag sichert Mengen ab 2028

Mit dem neuen Abnahmevertrag bindet DHL Express künftige SAF-Mengen aus der Anlage von SAF One in Bahrain in sein globales Versorgungsnetz ein. Vorgesehen ist eine jährliche Lieferung von 25.000 Tonnen unvermischtem nachhaltigem Flugkraftstoff über zehn Jahre. In Summe geht es damit um 250.000 Tonnen SAF, die ab Produktionsbeginn zur Verfügung stehen sollen.

Der DHL SAF-Vertrag ist vor allem deshalb relevant, weil Luftfracht zu den besonders schwer zu dekarbonisierenden Bereichen der Logistik zählt. Batteriebetriebene Alternativen sind im interkontinentalen Frachtflugverkehr auf absehbare Zeit keine Lösung im industriellen Maßstab. SAF gilt deshalb als eine der wenigen kurzfristig nutzbaren Optionen, um Emissionen über den Lebenszyklus des Kraftstoffs zu reduzieren.

Bahrain wird Teil der DHL-Beschaffungsstrategie

Die Anlage von SAF One in Bahrain soll erneuerbare Rohstoffe und neuere Produktionstechnologien nutzen, um zertifizierten nachhaltigen Flugkraftstoff herzustellen. Für DHL bedeutet der Standort eine geografische Erweiterung der eigenen Beschaffung. Das ist operativ sinnvoll, denn ein einzelner SAF-Lieferant oder eine einzelne Region wäre für ein globales Expressnetz ein Risiko.

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Gleichzeitig zeigt der Vertrag, dass SAF längst nicht mehr nur ein Klimathema ist. Es geht auch um Lieferketten, Verfügbarkeit, Preisrisiken und strategischen Zugang. Wer sich Mengen frühzeitig sichert, verschafft sich Planungsspielraum. Wer wartet, muss sich möglicherweise mit Restmengen, höheren Preisen oder weniger belastbaren Dekarbonisierungsversprechen begnügen.

Book-and-Claim trennt Kraftstoff und Kundennutzen

Die im Rahmen des Vertrags bereitgestellten SAF-Mengen sollen über ein geprüftes Book-and-Claim-Modell zugeordnet werden. Das bedeutet: Der nachhaltige Kraftstoff muss nicht zwingend genau in dem Flugzeug eingesetzt werden, das eine konkrete Kundensendung transportiert. Stattdessen werden die erzielten Emissionsminderungen rechnerisch bestimmten Kunden oder Transportleistungen zugewiesen.

Dieses Modell ist in globalen Transportnetzwerken praktisch, bleibt aber erklärungsbedürftig. Für Kunden zählt, ob die Reduktion nachvollziehbar, korrekt bilanziert und nicht mehrfach angerechnet wird. Der Vorteil liegt darin, dass SAF dort eingesetzt werden kann, wo es logistisch verfügbar ist, während Kunden dennoch eine zugeordnete Scope-3-Reduktion erhalten können.

GoGreen Plus braucht belastbare Kraftstoffmengen

DHL will die SAF-Mengen in sein Dekarbonisierungsangebot GoGreen Plus integrieren. Damit sollen Kunden Transportemissionen innerhalb ihrer Lieferkette reduzieren können, statt lediglich externe Kompensationen zu kaufen. Der Unterschied ist wesentlich: Es geht nicht um ein nachträgliches Zertifikat, sondern um den Einsatz emissionsärmerer Kraftstoffe im eigenen Logistiknetz.

Der DHL SAF-Vertrag stärkt damit auch die Glaubwürdigkeit solcher Angebote. Gleichzeitig bleibt die kritische Frage, wie groß der Beitrag im Verhältnis zum gesamten Luftfrachtvolumen tatsächlich ist. 25.000 Tonnen pro Jahr sind eine relevante Menge, aber kein Freifahrtschein für klimaneutrale Luftfracht. SAF bleibt knapp, teuer und abhängig von verfügbaren Rohstoffen, Produktionskapazitäten und regulatorischen Rahmenbedingungen.

Der harte Teil beginnt nach der Unterschrift

Die Vereinbarung mit SAF One ist ein Schritt in Richtung planbarer SAF-Versorgung im Nahen Osten. Entscheidend wird jedoch sein, ob die Anlage in Bahrain wie geplant ab 2028 produziert, ob die Mengen dauerhaft verfügbar sind und wie transparent die Emissionsvorteile bilanziert werden.

Für DHL ist der Vertrag strategisch nachvollziehbar: Er sichert Zugang zu künftigen Kraftstoffmengen, erweitert die regionale Beschaffung und stützt das Ziel, den Anteil nachhaltiger Flugkraftstoffe bis 2030 auf 30 Prozent zu erhöhen. Für den Markt zeigt der Deal aber auch: Die Dekarbonisierung der Luftfracht wird nicht durch Ankündigungen entschieden, sondern durch Produktionsanlagen, belastbare Lieferverträge und eine saubere Zuordnung der Klimawirkung.

Faktenbox

DHL SAF-Vertrag mit SAF One
UnternehmenDHL Express und SAF One
Standort der SAF-ProduktionBahrain
Geplanter Produktionsstart2028
Jährliche SAF-Menge25.000 Tonnen unvermischter nachhaltiger Flugkraftstoff
Gesamtvolumen250.000 Tonnen über zehn Jahre
Ziel von DHLErhöhung des SAF-Anteils auf 30 Prozent bis 2030
KundenbezugZuordnung der Emissionsreduktionen über GoGreen Plus und Book-and-Claim