Henkel eröffnet Packaging Competence Center in Düsseldorf
Henkel Adhesive Technologies hat sein modernisiertes Packaging Competence Center in Düsseldorf eröffnet. Der Standort soll Verpackungshersteller, Markenartikler und Partner dabei unterstützen, neue Klebstoff-, Beschichtungs- und Laminierlösungen unter realitätsnahen Produktionsbedingungen zu testen. Im Kern geht es um eine nüchterne Herausforderung: Verpackungen sollen nachhaltiger, recyclingfähiger und zugleich industriell zuverlässig herstellbar werden.
📌 Auf einen Blick
Henkel hat sein Packaging Competence Center in Düsseldorf modernisiert und mit zwei Nordmeccanica-Anlagen ausgestattet. Im Fokus stehen recyclingfähige Verpackungen, neue Beschichtungs- und Klebstoffsysteme sowie Tests unter industrienahen Produktionsbedingungen.
Packaging Competence Center als Antwort auf neuen Verpackungsdruck
Inhaltsverzeichnis
Die Verpackungsindustrie steht vor einem Zielkonflikt, der sich nicht mehr mit wohlklingenden Nachhaltigkeitsversprechen lösen lässt. Verpackungen sollen Material sparen, recyclingfähig sein, regulatorische Anforderungen erfüllen und gleichzeitig Barriereeigenschaften, Haltbarkeit, Bedruckbarkeit und Maschinengängigkeit sichern. Genau an dieser Schnittstelle setzt das modernisierte Packaging Competence Center von Henkel an.
Der Standort in Düsseldorf soll nicht nur Laborversuche ermöglichen, sondern industrielle Prozesse nachbilden. Das ist ein wichtiger Unterschied. Viele Verpackungsideen scheitern nicht an der Konzeptfolie, sondern an Produktionsgeschwindigkeit, Auftragsgewicht, Haftung, Trocknung, Laminierung oder späterer Recyclingfähigkeit. Henkel will mit dem Zentrum eine Umgebung schaffen, in der solche Fragen früher geprüft werden können.
Der Zeitpunkt ist nicht zufällig. Die EU-Verpackungsverordnung PPWR ist am 11. Februar 2025 in Kraft getreten und soll grundsätzlich ab dem 12. August 2026 gelten. Sie erfasst Verpackungen und Verpackungsabfälle materialübergreifend und enthält Anforderungen an Herstellung, Zusammensetzung, Wiederverwendbarkeit und Verwertbarkeit. Für Unternehmen steigt damit der Druck, technische Nachweise und belastbare Verpackungskonzepte vorzulegen.
Neue Anlagen für Laminierung und Beschichtung
Technisches Herzstück des modernisierten Packaging Competence Center sind zwei Maschinen von Nordmeccanica: die Super Combi 5000 und die Super Simplex SL e800. Nach Angaben von Henkel decken sie gängige Laminier- und Beschichtungsprozesse ab. Dazu gehören Anwendungen für Kunststoff- und Papier-Substrate ebenso wie verschiedene Klebstoffsysteme.
Die Super Combi 5000 arbeitet mit flexibel einsetzbaren Application-Trolleys und einem gearless Flexo-Coating-Auftragswerk. Beide Anlagen sind digital ausgestattet und verfügen über Online-Auftragsgewichtssysteme. Damit lassen sich Prozessdaten erfassen und kontrollieren. Für Kunden ist das relevant, weil sich Materialverhalten und Prozessstabilität nicht nur qualitativ bewerten lassen, sondern datenbasiert.
Der Nutzen liegt vor allem in der Verkürzung von Entwicklungszyklen. Verpackungshersteller können Klebstoffe und Beschichtungen unter Bedingungen prüfen, die näher an der späteren Serienproduktion liegen als klassische Labortests. Das reduziert zwar keine regulatorischen Pflichten, kann aber helfen, technische Risiken früher zu erkennen.
Nachhaltigkeit braucht mehr als neues Maschinenmaterial
Henkel stellt recyclingfähige Lösungen und nachhaltigere Inhaltsstoffe in den Mittelpunkt. Besonders Beschichtungen spielen dabei eine wachsende Rolle. Sie können funktionale Monomaterial-Verpackungen ermöglichen, die leichter recycelbar sind als komplexe Mehrschichtverbunde. Gleichzeitig müssen solche Lösungen weiterhin Schutzfunktionen erfüllen, etwa gegen Feuchtigkeit, Fett, Sauerstoff oder mechanische Belastung.
Hier zeigt sich die eigentliche Schwierigkeit der Verpackungswende: Weniger Komplexität im Materialaufbau darf nicht zu mehr Ausschuss, kürzerer Haltbarkeit oder höheren Prozesskosten führen. Genau deshalb sind Testkapazitäten unter realitätsnahen Bedingungen für die Branche relevant. Nachhaltigkeit wird im Markt nur dann belastbar, wenn sie sich in bestehenden industriellen Abläufen umsetzen lässt.
Henkel deckt im Zentrum nach eigenen Angaben lösungsmittelfreie, wasserbasierte und lösungsmittelbasierte Klebstoffsysteme sowie Beschichtungslösungen ab. Damit adressiert das Unternehmen unterschiedliche technische Anforderungen und regulatorische Rahmenbedingungen. Für Verpackungsentwickler entsteht daraus ein breiterer Testkorridor.
Verbindung mit dem Inspiration Center Düsseldorf
Das Packaging Competence Center ist eng mit dem benachbarten Inspiration Center Düsseldorf verbunden. Dadurch soll eine integrierte Entwicklungsumgebung entstehen: von der chemischen Entwicklung über Anwendungstests und industrielle Validierung bis hin zu Trainings und Recyclingtests im unternehmenseigenen Recycling-Testlabor.
Auch Schulungsformate wie die Converter’s Academy sollen Kunden helfen, neue Anwendungstechnologien schneller in die Produktion zu übertragen. Das ist weniger glamourös als große Nachhaltigkeitsankündigungen, aber für die Praxis entscheidend. Wer Verpackungen verändern will, muss Maschinenführer, Entwickler, Einkäufer und Qualitätsmanagement zusammenbringen. Sonst bleibt Innovation im Musterraum stecken.
Parallel hat Henkel auch in den Testbereich für Haftklebstoffanwendungen im selben Gebäude investiert. Moderne Beschichtungsanlagen sowie UV-Aktivierungs- und Messsysteme erweitern die Ausstattung für Anwendungen in der Specialty-Tapes- und Labels-Industrie. Damit geht der Standort über flexible Verpackungen hinaus und adressiert weitere Segmente, in denen Klebstoff- und Beschichtungstechnologien eine zentrale Rolle spielen.
Was die Investition für die Verpackungsbranche bedeutet
Die Modernisierung des Packaging Competence Center ist keine Revolution, aber ein Hinweis auf die Richtung der Branche. Verpackung wird stärker zur technischen Disziplin zwischen Regulierung, Materialwissenschaft, Prozessdaten und Recyclingfähigkeit. Unternehmen, die neue Lösungen nur auf Marketingfolien entwickeln, werden es schwer haben. Entscheidend wird, ob Konzepte unter Produktionsbedingungen funktionieren und später im Recycling nicht zum Problem werden.
Für Henkel ist das Zentrum zugleich ein Instrument der Kundenbindung. Wer gemeinsam testet, validiert und skaliert, rückt näher an Entwicklungsentscheidungen heran. Für Kunden kann das hilfreich sein, birgt aber auch eine gewisse Abhängigkeit von Technologiepartnern. Der Mehrwert hängt daher davon ab, wie offen, vergleichbar und belastbar die Testergebnisse in der Praxis sind.
Faktenbox
| Henkel Packaging Competence Center in Düsseldorf | |
|---|---|
| Unternehmen | Henkel Adhesive Technologies |
| Standort | Düsseldorf |
| Schwerpunkt | Test, Validierung und Skalierung von Klebstoff-, Beschichtungs- und Laminierlösungen für Verpackungen |
| Neue Anlagen | Nordmeccanica Super Combi 5000 und Super Simplex SL e800 |
| Anwendungsfelder | Flexible Verpackungen, Papier- und Kunststoffsubstrate, Monomaterial-Verpackungen, Specialty Tapes und Labels |
| Technischer Fokus | Lösungsmittelfreie, wasserbasierte und lösungsmittelbasierte Klebstoffsysteme sowie Beschichtungslösungen |
| Branchenkontext | Steigende Anforderungen an Recyclingfähigkeit, Materialeffizienz, Prozesskontrolle und regulatorische Nachweise |
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