Neue DHL SAF Partnerschaft sichert alternatives Kerosin bis 2030

Die Logistikbranche steht vor der Herausforderung, ihre Treibhausgasemissionen auf reguliertem Weg strukturell zu senken. Ein zentraler Ansatz ist dabei der Einsatz von alternativen Flugkraftstoffen. In diesem Rahmen haben die DHL Group und IAG Cargo eine neue DHL SAF Partnerschaft geschlossen, die bis zum Jahr 2030 die Abnahme von 240 Millionen Litern Sustainable Aviation Fuel (SAF) am Flughafen London Heathrow regelt. Diese Vereinbarung zielt darauf ab, die lebenszyklusbasierten Emissionen im internationalen Luftfrachtverkehr quantifizierbar zu reduzieren und die langfristige Verfügbarkeit von Kerosin aus Reststoffen für das Frachtnetzwerk zu sichern.

📌 Auf einen Blick

Die DHL SAF Partnerschaft mit IAG Cargo sichert bis 2030 ein Volumen von 240 Millionen Litern zertifiziertem Flugkraftstoff aus Reststoffen. Die Maßnahme soll die Lebenszyklus-Emissionen um rund 640.000 Tonnen CO2e reduzieren, wobei der Kraftstoff in der Beschaffung derzeit drei- bis viermal teurer ist als herkömmliches Kerosin.

Neue DHL SAF Partnerschaft sichert alternatives Kerosin bis 2030
Neue DHL SAF Partnerschaft sichert alternatives Kerosin bis 2030

Mechanismus und Umfang der Kraftstoffvereinbarung

Das Kernstück der DHL SAF Partnerschaft bildet ein Fünfjahresvertrag, der sich auf den Flughafen London Heathrow konzentriert. Pro Jahr fließen etwa 40 Millionen Liter reines Sustainable Aviation Fuel in das Logistiknetzwerk von IAG Cargo. Diese Menge deckt rechnerisch nahezu den gesamten Treibstoffbedarf ab, der den Frachtsendungen von DHL Express innerhalb dieses spezifischen Netzwerks zugerechnet wird. Die Konzerne kalkulieren durch diesen Einsatz mit einer Reduktion der Lebenszyklus-Treibhausgasemissionen von insgesamt 640.000 Tonnen CO2e. Durch eine ergänzende Rahmenvereinbarung der Tochtergesellschaft DHL Global Forwarding soll dieser Wert perspektivisch auf über eine Million Tonnen CO2e ansteigen. Der Vertrag schafft für beide Seiten eine planbare Grundlage in einem Markt, der stark von begrenzten Ressourcen geprägt ist.

Produktionsebene und Emissionsberechnung

Der in der DHL SAF Partnerschaft verwendete Kraftstoff basiert auf Abfall- und Reststoffen, vornehmlich auf gebrauchtem Speiseöl. Die chemische Zusammensetzung erlaubt es, das Gemisch ohne technische Anpassungen in herkömmlichen Flugzeugtriebwerken zu verbrennen. Die direkten Abgasemissionen während des Fluges bleiben dabei unverändert. Die von den Unternehmen angegebene Emissionsreduktion von rund 90 Prozent im Vergleich zu fossilem Kerosin ergibt sich ausschließlich aus der Lebenszyklusanalyse. Die Biomasse, die hierbei als Rohstoff dient, hat während ihrer Entstehung CO2 aus der Atmosphäre gebunden. Der Kraftstoff ist nach den Vorgaben der International Sustainability & Carbon Certification (ISCC) zertifiziert. Parallel dazu reguliert die Europäische Union den Markt: Das Fit-for-55-Programm schreibt über die ReFuelEU-Aviation-Verordnung ohnehin eine schrittweise Erhöhung der verpflichtenden SAF-Beimischungsquoten vor.

Wirtschaftliche Faktoren und Marktentwicklung

Die Herstellung von alternativem Flugkraftstoff erfordert aufwendige Logistikketten zur systematischen Sammlung der Reststoffe sowie energieintensive Raffinerieprozesse. Aufgrund der geringen globalen Produktionskapazitäten ist SAF derzeit mindestens drei- bis viermal teurer als aus Erdöl gewonnenes Kerosin. Die DHL SAF Partnerschaft reflektiert diese aktuellen Marktbedingungen. Die Mehrkosten für den nachhaltigen Kraftstoff werden in der Praxis über spezifische Dienstleistungsangebote an die Endkunden weitergegeben, die damit ihre eigenen transportbedingten Scope-3-Emissionen bilanzieren können. Der branchenübergreifende Ansatz dient zugleich der Skalierung des Marktes. Durch gesicherte, langfristige Abnahmemengen erhalten die Produzenten von alternativen Kraftstoffen die wirtschaftliche Sicherheit, um in neue Produktionsanlagen zu investieren und die Verfügbarkeit von SAF in den kommenden Jahren schrittweise zu erhöhen.

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Langfristige Integration in die Konzernstrategie

Die offizielle Zielvorgabe der DHL Group sieht vor, den Anteil nachhaltiger Flugkraftstoffe im gesamten Flugbetrieb bis zum Jahr 2030 auf 30 Prozent zu steigern. Verträge wie die vorliegende Kooperation mit IAG Cargo bilden die operative Basis, um diese festgelegten Zielwerte zu erreichen. Die Logistikunternehmen reagieren damit auf die steigende Nachfrage von Industriekunden nach dokumentiert emissionsreduzierten Transportlösungen sowie auf die kommenden gesetzlichen Vorgaben. Der vertraglich gesicherte Einsatz von Reststoff-Kerosin dokumentiert den aktuellen technologischen sowie regulatorischen Status quo in der Bemühung, die CO2-Emissionen im energieintensiven Luftfrachtsektor zu steuern.

Faktenbox

Zentrale Fakten der Vereinbarung: DHL und IAG Cargo
Vertragslaufzeit5 Jahre (bis 2030)
Abnahmemenge SAF240 Millionen Liter
Jährliche Menge (DHL Express)ca. 40 Millionen Liter reines SAF
Erwartete CO2e-Reduktion640.000 Tonnen (bis >1 Mio. Tonnen inkl. DGF)
Rohstoffbasis des KraftstoffsAbfall- und Reststoffe (z.B. gebrauchtes Speiseöl)
KostenverhältnisDerzeit drei- bis viermal teurer als fossiles Kerosin
UmweltzertifizierungISCC (International Sustainability & Carbon Certification)