Wero Bezahlsystem im E-Commerce: Strategie und Ausbaupläne der EPI
Das europäische Wero Bezahlsystem festigt im Frühjahr 2026 seine Position im Markt für digitale Zahlungen. In einem aktuellen Interview mit der Bank-Verlag GmbH gibt Chris Scheuermann von der EPI Company (European Payments Initiative) detaillierte Einblicke in den aktuellen Status quo und die kommenden Entwicklungsschritte der Plattform. Seit dem Start im Sommer 2024 hat sich das System von einer reinen P2P-Lösung zu einer vielseitigen Zahlungsoption entwickelt, die nun verstärkt im gewerblichen Bereich Fuß fasst.
📌 Auf einen Blick
In einem Interview mit der Bank-Verlag GmbH bestätigt Chris Scheuermann über 50 Millionen Nutzer für das Wero Bezahlsystem. Im Jahr 2026 liegt der Fokus auf der E-Commerce-Integration für Abonnements und den Lebensmittelhandel, gefolgt von NFC-Zahlungen ab 2027.
Nutzerzahlen und Marktentwicklung in Europa
Inhaltsverzeichnis
Wie Chris Scheuermann im Gespräch mit der Bank-Verlag GmbH ausführte, verlief die bisherige Etablierung des Wero Bezahlsystems planmäßig über die Funktion „Geld senden“ (P2P). Ziel dieser Strategie war es, die Marke zunächst im privaten Umfeld der Nutzer bekannt zu machen. Inzwischen ist das System in Frankreich, Belgien und Deutschland bei über 25 Bankinstituten direkt integriert. Mit einer Basis von aktuell mehr als 50 Millionen Nutzern zeigt sich die EPI Company zufrieden mit der bisherigen Akzeptanz.
In Deutschland ist das Wero Bezahlsystem mit derzeit rund 7 Millionen Nutzern (Stand März 2026) vertreten. Obwohl dieser Anteil im Vergleich zu den Nachbarländern noch geringer ausfällt, beobachtet Scheuermann einen kontinuierlichen Aufwärtstrend. Ein wesentlicher Faktor für das steigende Interesse ist die geopolitische Situation, die den Ruf nach einer souveränen europäischen Bezahllösung verstärkt hat. Das Engagement der 14 Anteilseigner, zu denen unter anderem die Deutsche Bank gehört, bildet dabei das Rückgrat für die weitere Skalierung des Projekts.
Strategische Prioritäten im Online-Handel 2026
Ein zentraler Aspekt des Interviews betraf die nächste Entwicklungsstufe: den Einstieg in den E-Commerce. Das Wero Bezahlsystem wird hierbei schrittweise für verschiedene Geschäftsvorfälle geöffnet. Laut Scheuermann wurden erste Schritte bereits mit Einmalzahlungen und sogenannten „event-dependent Payments“ unternommen. Letztere kommen beispielsweise bei Click-and-Collect-Modellen zum Einsatz, bei denen die Zahlung erst endgültig ausgelöst wird, wenn der Kunde die Ware erhält.
Für den weiteren Verlauf des Jahres 2026 sind spezifische Erweiterungen geplant. So soll es möglich sein, das Wero Bezahlsystem für wiederkehrende Zahlungen bei Abonnement-Diensten, wie etwa Streaming-Anbietern, zu hinterlegen. Eine besonders hohe Nachfrage verzeichnet die EPI Company aus dem Lebensmittelbereich. Händler in diesem Sektor zeigen großes Interesse daran, Wero direkt in ihre hauseigenen Applikationen einzubinden. Dies stellt eine Vorstufe zur vollständigen Integration am Point of Sale (POS) dar, die für die kommenden Monate und Jahre forciert wird.
Direkte Kontenanbindung und Sicherheitsaspekte
Im Interview mit der Bank-Verlag GmbH hob Chris Scheuermann die strukturellen Vorteile hervor, die das Wero Bezahlsystem von anderen Anbietern unterscheidet. Ein wesentlicher Punkt ist die unmittelbare Verknüpfung mit dem Girokonto des Nutzers. Im Gegensatz zu vielen US-amerikanischen Dienstleistern ist bei Wero keine Zwischenlagerung von Guthaben erforderlich. Transaktionen finden direkt zwischen den Bankkonten statt, was die Transparenz und Geschwindigkeit erhöht.
Für die Anwender entfällt zudem die Notwendigkeit, separate Zugangsdaten bei Drittanbietern zu verwalten, da die Abwicklung innerhalb der vertrauten Banking-App erfolgt. Diese gewohnte Umgebung trägt laut Scheuermann signifikant zur Prävention von Cyberkriminalität bei. Phishing-Risiken werden minimiert, da keine externen Login-Seiten zwischengeschaltet sind. Auf der Seite der Händler punktet das System durch ein attraktives Preismodell und die Reduzierung der Abhängigkeit von einzelnen, global agierenden Bezahlsystemen.
Technologische Roadmap und POS-Integration
Die Zukunft des Wero Bezahlsystems liegt in der vollständigen Abdeckung aller gängigen Bezahlverfahren. Wie Scheuermann erläuterte, folgt nach der E-Commerce-Offensive die stärkere Präsenz im stationären Handel. Zunächst wird die Einbindung über QR-Codes realisiert, was insbesondere in der Gastronomie eine flexible Lösung für Restaurants und Cafés bietet. Die technische Hürde für Händler bleibt hierbei bewusst niedrig, um eine schnelle Verbreitung zu ermöglichen.
Ein bedeutender Meilenstein ist für das Jahr 2027 angesetzt. Ab diesem Zeitpunkt soll das Wero Bezahlsystem auch über die NFC-Technologie (Near Field Communication) für kontaktloses Bezahlen verfügbar sein. Damit schließt das System die Lücke zu herkömmlichen Debit- und Kreditkartenlösungen am Kartenterminal. Durch diesen kontinuierlichen Ausbau und die voranschreitende Internationalisierung in Europa verfolgt die EPI das Ziel, die europäische Souveränität im Zahlungsverkehr langfristig zu sichern und die Position gegenüber nicht-europäischen Wettbewerbern zu stärken.
Faktenbox
| Eckdaten zum Wero Bezahlsystem (Interview März 2026) | |
|---|---|
| Informationsquelle | Interview Chris Scheuermann (EPI) / Bank-Verlag GmbH |
| Nutzerbasis Europa | Über 50 Millionen Personen |
| Nutzer in Deutschland | 7 Millionen (Stand 03/2026) |
| Beteiligte Banken | Über 25 Institute in Kernmärkten (DE, FR, BE) |
| Funktionsumfang 2026 | P2P, E-Commerce, Abonnements, Click & Collect |
| Stationärer Handel | QR-Code-Integration (2026), NFC-Anbindung (2027) |
| Wesentliche Partner | 14 Anteilseigner (u.a. Deutsche Bank, EPI-Mitglieder) |
Dieser Artikel basiert auf einem Interview mit Chris Scheuermann, das zuerst bei der Bank-Verlag GmbH erschienen ist. Das vollständige Gespräch finden Sie hier.
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