Konsumausgaben in der Schweiz: Neuer Index liefert tagesgenaue Einblicke
Worldline und die Universität St.Gallen haben einen innovativen Consumer Spending Index (CSI) entwickelt, der auf anonymisierten Transaktionsdaten basiert. Ziel ist eine präzisere und zeitnahe Analyse der Konsumausgaben in der Schweiz. Der Index deckt den Zeitraum von 2018 bis 2024 ab und ermöglicht tages- und wochenbasierte Auswertungen nach Regionen und Ausgabenkategorien.
Transaktionsdaten statt Umfragen: Methodische Neuerungen
Inhaltsverzeichnis
Der CSI stützt sich auf elektronische Zahlungsdaten von über das Worldline-Netzwerk angebundenen Zahlungsterminals. Im Gegensatz zu traditionellen Erhebungsmethoden wie Haushaltsbudget- oder Umsatzstatistiken ermöglicht der CSI eine deutlich höhere Frequenz und regionale Auflösung. Die Daten werden so aufbereitet, dass Veränderungen im Händlernetz (sogenannter „Merchant Churn“) sowie der Wandel von Bar- zu Kartenzahlungen berücksichtigt werden. Diese Anpassungen verhindern Fehlinterpretationen durch strukturelle Effekte und sichern die Vergleichbarkeit über mehrere Jahre hinweg.
Die Korrekturen basieren u. a. auf der Zahlungmittelumfrage der Schweizerischen Nationalbank sowie dem Swiss Payment Monitor. Durch die Kombination dieser externen Quellen gelingt es, reale Konsummuster differenziert und zuverlässig abzubilden.
Regionale und sektorale Muster der Konsumausgaben in der Schweiz
Der CSI bietet Einblicke in Konsumverhalten nach Region, Wochentag und Kategorie. Besonders auffällig: In ländlichen Regionen konzentriert sich der Konsum etwa im Gastgewerbe stärker auf das Wochenende, während in städtischen Gebieten wie Zürich eine gleichmäßigere Verteilung über die Woche beobachtet wird. Ebenso lassen sich saisonale Spitzen, wie rund um den Black Friday, detailliert analysieren. Seit 2018 hat sich das Kaufverhalten in dieser Woche beispielsweise spürbar von einem einzelnen Spitzentag (Freitag) auf die gesamte Woche verteilt. Treiber dieser Veränderung ist vor allem der zunehmende Anteil des E-Commerce.
Im Dezember 2024 stiegen die Onlineausgaben im Jahresvergleich um 5 %. Besonders ausgeprägt war das Wachstum bei Unterkünften und Lebensmitteln. Gleichzeitig verloren klassische Point-of-Sale-Transaktionen relativ an Bedeutung.
Auswirkungen geldpolitischer Maßnahmen messbar
Ein weiteres zentrales Ergebnis der Analyse betrifft die Wirkung geldpolitischer Schocks. Der CSI zeigt, dass Konsumausgaben in der Schweiz innerhalb weniger Wochen auf unerwartete Leitzinsänderungen reagieren. Eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte führte in der Analyse innerhalb von zwei Monaten zu einem Rückgang der Konsumausgaben um mehr als einen Prozentpunkt. Dies verdeutlicht den Wert hochfrequenter Daten für wirtschaftspolitische Bewertungen – insbesondere in dynamischen Krisen- oder Anpassungsphasen.
Nutzen für Politik, Forschung und Unternehmen
Die Kombination aus granularer Auflösung, täglicher Aktualisierbarkeit und methodischer Transparenz macht den CSI zu einem vielseitig einsetzbaren Werkzeug. Behörden können damit schneller auf Konsumschocks reagieren, Unternehmen können strategische Entscheidungen zum Produktangebot, Pricing oder Filialbetrieb datenbasiert untermauern. Auch für die akademische Forschung stellt der Index eine hochwertige, frei zugängliche Datenbasis dar.
Internationale Weiterentwicklung geplant
Worldline und die Universität St.Gallen planen, das Modell perspektivisch auf weitere Länder auszuweiten. Ziel ist es, ein international vergleichbares System zu etablieren, um Konsumausgaben und deren Reaktionen auf externe Einflüsse auch über Ländergrenzen hinweg konsistent zu beobachten. Damit leisten beide Partner einen Beitrag zur datenbasierten Steuerung wirtschaftlicher Prozesse in Echtzeit.
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