Fressnapf Wachstum: Umsatz steigt im zweiten Quartal um 7,1 Prozent

Fressnapf | Maxi Zoo hat den Umsatz im zweiten Quartal 2026 um 7,1 Prozent auf 930 Millionen Euro gesteigert. Das Fressnapf Wachstum beruht sowohl auf höheren Erlösen bestehender Märkte als auch auf der fortgesetzten Expansion. Die Zahlen zeigen eine robuste Entwicklung, lassen aber wichtige Fragen zum Onlinegeschäft, zu den Ergebnisbereinigungen und zur Verschuldung offen.

📌 Auf einen Blick

Das Fressnapf Wachstum erreichte im zweiten Quartal 7,1 Prozent, während die flächenbereinigten Erlöse rund 3 Prozent zulegten. Die Gruppe eröffnete 53 Märkte; das bereinigte EBITDA des ersten Halbjahres erhöhte sich nach Unternehmensangaben um 9,3 Prozent auf 158 Millionen Euro.

Fressnapf Wachstum: Umsatz steigt im zweiten Quartal um 7,1 Prozent
Fressnapf Wachstum: Umsatz steigt im zweiten Quartal um 7,1 Prozent

Fressnapf Wachstum erreicht auch bestehende Märkte

Im ersten Halbjahr 2026 kam Fressnapf | Maxi Zoo auf rund 1,9 Milliarden Euro Umsatz. Das waren 6,9 Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Das bereinigte EBITDA stieg nach Angaben des Unternehmens um 9,3 Prozent auf 158 Millionen Euro. Bezogen auf die aus den beiden Quartalen errechenbaren 1,858 Milliarden Euro Umsatz ergibt sich näherungsweise eine bereinigte EBITDA-Marge von 8,5 Prozent. Wegen der gerundeten Ausgangswerte ist das nur eine Orientierung.

Für die Qualität des Wachstums ist die Entwicklung auf vergleichbarer Fläche wichtiger als die Gesamtzahl. Sie blendet neu eröffnete und geschlossene Standorte weitgehend aus. Fressnapf nennt für das zweite Quartal ein Like-for-Like-Plus von rund 3 Prozent. Im ersten Quartal waren es noch 4 Prozent. Das Fressnapf Wachstum in bestehenden Märkten bleibt damit positiv, verlor zuletzt aber etwas an Tempo.

Als Treiber nennt das Unternehmen angepasste Sortimente, Preisaktionen und höhere Absatzmengen. Besonders die Kategorie Katze habe sich gut entwickelt. Eine Aufteilung des Wachstums in Preis-, Mengen- und Sortimenteffekte veröffentlicht Fressnapf nicht. Damit bleibt offen, wie viel der flächenbereinigten Entwicklung aus tatsächlich mehr verkauften Einheiten und wie viel aus Preis- oder Mixeffekten stammt.

Expansion trägt einen erheblichen Teil des Umsatzplus

53 Neueröffnungen im zweiten Quartal erhöhten das Filialnetz nach Unternehmensangaben auf 2.964 Standorte. Der Schwerpunkt lag erneut auf Frankreich, Italien und Polen. Weil das Gesamtwachstum mit 7,1 Prozent deutlich über dem flächenbereinigten Plus liegt, wird das Fressnapf Wachstum zu einem erheblichen Teil von der Expansion getragen. Die Geschäftszahlen von Fressnapf für 2025 zeigten bereits dasselbe Muster: Das Unternehmen wächst vor allem international und über zusätzliche Verkaufsstellen.

Die Bestandszahlen werfen allerdings eine Detailfrage auf. Zum Ende des ersten Quartals meldete Fressnapf 2.919 Märkte. Nach 53 weiteren Eröffnungen sind es nun 2.964, also netto nur 45 mehr. Rechnerisch stehen den Neueröffnungen somit mindestens acht Schließungen, Abgänge oder Änderungen des Konsolidierungskreises gegenüber. Für das erste Halbjahr ergibt sich ein ähnliches Bild: 86 gemeldete Eröffnungen erhöhten den Bestand gegenüber Ende 2025 netto um 76 Standorte. Die Mitteilung erläutert diese Differenz nicht.

Zur Expansion gehören außerdem kleinere Innenstadtformate. In München-Schwabing eröffnete im August der erste deutsche Fressnapf City. Ob solche kompakten Läden zusätzliche Nachfrage erschließen oder Umsätze lediglich zwischen klassischen Märkten, Innenstadtstandorten und Onlineshop verschieben, lässt sich aus den Quartalszahlen nicht ablesen.

Frankreich wächst deutlich, Marktvergleiche bleiben Unternehmensangaben

Maxi Zoo Frankreich erzielte im zweiten Quartal nach Unternehmensangaben einen Omnichannel-Umsatz von mehr als 142 Millionen Euro. Das entsprach einem Plus von mehr als 14 Prozent. Absolute Länderzahlen für Deutschland und Italien nennt die Mitteilung dagegen nicht.

Fressnapf erklärt außerdem, in Deutschland mehr als dreimal so schnell wie der Markt gewachsen zu sein. Für Arcaplanet in Italien wird mehr als das Doppelte und für Maxi Zoo Frankreich mehr als das Siebenfache des jeweiligen Marktwachstums angegeben. Diese Vergleiche stehen in der Mitteilung zu den Fressnapf-Quartalszahlen, allerdings ohne Nennung der zugrunde liegenden Marktquellen, Abgrenzungen und Zeiträume. Sie sind deshalb als Unternehmensangaben zu behandeln und nicht unabhängig reproduzierbar.

Der deutsche Heimtiermarkt bietet dennoch eine belastbare Vergleichsfolie. Nach Angaben von IVH und ZZF sank der stationäre Branchenumsatz 2025 um 0,7 Prozent, während der geschätzte Onlineumsatz nur um 0,6 Prozent zunahm. Heimtiernahrung legte um 0,3 Prozent zu, Bedarfsartikel und Zubehör verloren 4,6 Prozent. Vor diesem Hintergrund ist das organische Fressnapf Wachstum beachtlich, aber kein Beleg dafür, dass der gesamte Markt kräftig expandiert.

Mehr Ergebnis, aber wenig Transparenz über die Bereinigung

Das bereinigte EBITDA wächst im ersten Halbjahr stärker als der Umsatz. Das spricht für eine leicht verbesserte operative Marge. Der Begriff „bereinigt“ bleibt in der öffentlichen Mitteilung jedoch ohne Überleitung zum unbereinigten Ergebnis. Angaben zu Nettoergebnis, Cashflow und Investitionen fehlen ebenfalls. Die Aussagekraft der Ergebnisverbesserung ist deshalb begrenzt.

Hinter der betonten Kostendisziplin steht auch ein organisatorischer Umbau. Gründer Torsten Toeller bezifferte den Stellenabbau in der Zentrale im August 2026 in einem Handelsblatt-Interview auf 200 bis 250 Arbeitsplätze. Er begründete dies mit der Verlagerung von Aufgaben in die Ländergesellschaften. Kosteneffizienz ist damit nicht nur eine abstrakte Kennzahl, sondern hat konkrete personelle Folgen.

Zusätzlichen Kontext liefert die strategische Neuaufstellung von Fressnapf. Mit der Übernahme von Arcaplanet und dem Einstieg des Finanzinvestors Cinven wurde die europäische Expansion beschleunigt. Zur Finanzierung der Transaktion begab Fressnapf 2024 eine unbesicherte Anleihe über 800 Millionen Euro. Die aktuelle Quartalsmeldung enthält jedoch keine Angaben zur Nettoverschuldung oder zur Entschuldung. Ein höheres EBITDA ist daher positiv, beantwortet aber nicht die Frage, wie sich die Kapitalstruktur entwickelt.

Onlinegeschäft bleibt die auffällige Leerstelle

Fressnapf bezeichnet sich als Omnichannel-Händler und will das E-Commerce-Modell weiter optimieren. Trotzdem nennt das Unternehmen weder Onlineumsatz noch Wachstumsrate, Bestellvolumen oder Anteil digitaler Verkäufe am Gruppengeschäft. Das Fressnapf Wachstum lässt sich deshalb nicht nach stationärem und digitalem Geschäft aufschlüsseln. Auch für Click & Collect, Pick from Store und das Kundenprogramm fehlen aktuelle Nutzungszahlen.

Das ist mehr als eine formale Lücke. Gerade bei einem Händler mit fast 3.000 Standorten entscheidet die Verzahnung von Filialen, Onlinehandel und Logistik darüber, ob zusätzliche Reichweite auch profitabel wird. Solange Fressnapf nur den gesamten Omnichannel-Umsatz einzelner Länder veröffentlicht, bleibt unklar, ob das Digitalgeschäft mit der Filialexpansion Schritt hält.

Welche Kennzahlen jetzt entscheidend werden

Für das Gesamtjahr kommt es nicht allein darauf an, ob das Fressnapf Wachstum anhält. Wichtiger sind die Entwicklung der vergleichbaren Flächen, eine nachvollziehbare EBITDA-Überleitung und belastbare Angaben zum Onlinegeschäft. Auch Schließungen und Nettoexpansion sollten getrennt ausgewiesen werden.

Das Fressnapf Wachstum spricht für ein operativ stabiles erstes Halbjahr. Die veröffentlichten Zahlen belegen aber noch nicht, dass jede Neueröffnung, jedes Innenstadtformat und jede digitale Investition dauerhaft rentabel arbeitet. Wachstum ist im Handel schnell gemeldet; seine Qualität zeigt sich erst bei Marge, Cashflow und Verschuldung.

Faktenbox

Fressnapf | Maxi Zoo im zweiten Quartal 2026
Quartalsumsatz930 Millionen Euro, plus 7,1 Prozent gegenüber Q2 2025
Umsatz erstes HalbjahrRund 1,9 Milliarden Euro, plus 6,9 Prozent
Bereinigtes EBITDA158 Millionen Euro im ersten Halbjahr, plus 9,3 Prozent
Like-for-Like-WachstumRund 3 Prozent im zweiten Quartal
Filialnetz2.964 Standorte nach 53 Neueröffnungen im zweiten Quartal