Video: Build in Public – Max Wittrocks LinkedIn-Regeln ohne großes Werbebudget

Build in Public statt großer Werbeetats: Auf der K5 2026 erklärte Max Wittrock, Mitgründer von mymuesli und zeroLabs, wie er LinkedIn für den öffentlichen Markenaufbau nutzt. Seine Praxisregeln sind konkret, ihre Wirkung ist jedoch nicht unabhängig belegt.

📌 Auf einen Blick

Wittrock empfiehlt regelmäßige, thematisch fokussierte Beiträge, wiederverwendbare Bilder und einen gepflegten Austausch in den Kommentaren. Reichweiten- und Abonnentenzahlen aus dem Talk sind Erfahrungswerte des Gründers, keine allgemeingültigen Benchmarks.

Build in Public als Ersatz für ein großes Marketingbudget

Das Gespräch mit K5-Geschäftsführer Sven Rittau wurde während der K5 Future Retail Conference am 23. und 24. Juni 2026 in Berlin aufgezeichnet. Wittrock beschreibt darin den Aufbau der alkoholfreien Biermarke zeroLabs. Das Unternehmen sei mit Eigenkapital, Geld von Business Angels und ohne großes Marketingbudget gestartet. Für die öffentliche Kommunikation habe das Team deshalb vor allem die persönlichen LinkedIn-Profile der Gründer genutzt.

Wittrock nennt diesen Ansatz scherzhaft „geseedstrappt“: eine Mischung aus Seed-Finanzierung und Bootstrapping. Das ist eine eingängige Selbstbeschreibung, aber keine neue Finanzierungsform. Build in Public ersetzt zudem weder Produktqualität noch Vertrieb, Finanzierung oder eine belastbare Kostenrechnung. Sichtbarkeit kann Nachfrage unterstützen; ob daraus profitable Kundenbeziehungen entstehen, zeigt der Talk nicht. Damit bleibt Build in Public ein Kommunikationsansatz und kein vollständiges Geschäftsmodell.

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Followerzahl ist nicht gleich Reichweite

Eine zentrale Beobachtung betrifft die Aussagekraft von Followerzahlen. Nach Wittrocks Darstellung erzielten Beiträge seines zeroLabs-Mitgründers Moritz Keller mit damals rund 1.500 Followern teilweise bessere Ergebnisse als seine eigenen Posts bei einer deutlich größeren Gefolgschaft. Die im Video genannten Werte lassen sich ohne Zugriff auf die jeweiligen Beitragsanalysen nicht unabhängig prüfen. Auch bleibt offen, ob „besser“ Reichweite, Interaktionen, Shopbesuche oder Verkäufe meint.

Für Händler ist die Einschränkung wichtiger als die hübsche Zahl: Plattformreichweite ist geliehen und von einer nicht vollständig transparenten Sortierung abhängig. Wer seine Produkte in sozialen Medien präsentiert, sollte deshalb nicht nur Follower zählen, sondern Kennzahlen passend zum Ziel festlegen – etwa qualifizierte Reaktionen, Newsletter-Anmeldungen, Besuche im Shop und Käufe.

Content Map gegen die Analyse-Paralyse

Wittrocks praktische Empfehlung beginnt nicht beim Algorithmus, sondern bei der Themenwahl. Eine „Content Map“ soll festhalten, über welche Themen ein Gründer langfristig gern und glaubwürdig sprechen kann. Der Gedanke ist nüchtern: Wer jedem vermeintlichen Reichweitentrend hinterherläuft, produziert schnell austauschbare Beiträge und verliert die eigene fachliche Nische.

Zur Vereinfachung schlägt Wittrock einen Ordner mit 20 bis 30 brauchbaren Fotos vor, die wiederholt eingesetzt werden können. Seine fünf Grundregeln lauten sinngemäß: ein gutes Visual verwenden, regelmäßig veröffentlichen, die eigene Nische halten, bei anderen sinnvoll kommentieren und das Profil pflegen. Das deckt sich mit dem breiteren Trend, Inhalte, Austausch und Angebote in einer thematisch passenden Community miteinander zu verbinden.

LinkedIn-Newsletter mit Nutzen und Abhängigkeit

Als besonders wirksam beschreibt Wittrock den LinkedIn-Newsletter. Sein Newsletter „Von Null auf Welt“ kam nach seiner eigenen Angabe vom 5. März 2026 auf mehr als 8.000 Abonnenten über LinkedIn und Steady zusammen. Die Zahl sollte daher nicht als reine LinkedIn-Reichweite wiedergegeben werden. Die öffentlich sichtbare LinkedIn-Seite wies Anfang September 2026 mehr als 9.000 Follower aus; Follower und Newsletter-Abonnenten sind jedoch unterschiedliche Größen.

Das Werkzeug senkt die Einstiegshürde, weil Mitglieder Newsletter direkt auf der Plattform abonnieren können und bei neuen Ausgaben Benachrichtigungen erhalten. Diese Funktionsweise beschreibt auch die offizielle LinkedIn-Hilfe zu Newslettern. Der Preis der Bequemlichkeit ist die Plattformabhängigkeit: Reichweite, Benachrichtigungen und Zugriff auf das Publikum bleiben an LinkedIn gebunden. Wer eine eigene Adressliste und direkte Kundenbeziehung aufbauen will, braucht deshalb zusätzlich einen unabhängigen Kanal und eine rechtskonforme Einwilligung.

Video und KI erhöhen den Druck auf glaubwürdige Inhalte

Wittrock erwartet, dass Video auf LinkedIn an Bedeutung gewinnt. Zugleich warnt er vor massenhaftem, austauschbarem KI-Content. Beides ist seine Einschätzung, keine Garantie für die künftige Ausspielung der Plattform. Für Händler folgt daraus kein Zwang zur täglichen Videoproduktion. Auch Build in Public wird nicht automatisch glaubwürdiger, nur weil es als Video erscheint. Entscheidend bleibt, ob ein Format die Zielgruppe erreicht und einen messbaren Beitrag zum Geschäft leistet.

Build in Public kann besonders jungen Marken helfen, Entscheidungen, Fehler und Fortschritte nachvollziehbar zu machen. Öffentliches Bauen ist aber keine Lizenz zur Dauerwerbung und kein Schutz vor schwachen Produkten. Glaubwürdigkeit entsteht nur, wenn Unternehmen auch Grenzen und Rückschläge benennen. Wer jetzt beginnt, sollte daher mit einem klaren Themenfeld, einer realistischen Veröffentlichungsroutine und wenigen Geschäftszielen starten – nicht mit der Hoffnung auf den nächsten Algorithmus-Trick.

Faktenbox

Build in Public mit Max Wittrock
GesprächspartnerMax Wittrock und Sven Rittau
AufzeichnungK5 Future Retail Conference 2026 in Berlin
PraxisbeispielÖffentlicher Markenaufbau der alkoholfreien Biermarke zeroLabs
Empfohlene WerkzeugeContent Map, Bilderordner, regelmäßige Beiträge, Kommentare und LinkedIn-Newsletter
Redaktionelle GrenzeGenannte Reichweiten und Erfolge beruhen überwiegend auf Angaben des Gründers