Otto Group verdient mehr und streicht bis zu 1.500 Stellen
Die Otto Group hat im Geschäftsjahr 2025/26 ihr Ergebnis deutlich verbessert: Das EBIT stieg von 276 auf 641 Millionen Euro, der Jahresüberschuss von 165 auf 312 Millionen Euro. Gleichzeitig setzt der Hamburger Handels- und Dienstleistungskonzern den Umbau seines Geschäfts fort. Der Otto Group Stellenabbau umfasst öffentlich bekannte Programme bei OTTO, Hermes Germany und der Witt-Gruppe mit zusammen bis zu 1.539 betroffenen Stellen.
📌 Auf einen Blick
Die Otto Group erhöhte ihr EBIT auf 641 Millionen Euro und den Jahresüberschuss auf 312 Millionen Euro. Zugleich stehen bei OTTO, Hermes Germany und der Witt-Gruppe Programme mit zusammen bis zu 1.539 Stellen im Raum. Der ausgewiesene Umsatz sank auf 13,8 Milliarden Euro, vor allem wegen des Verkaufs von About You.
Otto Group Stellenabbau trifft auf deutlich höheres Ergebnis
Inhaltsverzeichnis
Die Zahlen der Otto Group für das Geschäftsjahr 2025/26 zeigen eine auffällige Entwicklung: Der Konzern verdient deutlich mehr, obwohl der ausgewiesene Umsatz gesunken ist. Die Umsatzerlöse gingen von 14,9 Milliarden Euro auf 13,8 Milliarden Euro zurück. Auf vergleichbarer Basis, also bereinigt um Veränderungen im Konsolidierungskreis und Währungseffekte, meldet die Otto Group jedoch ein leichtes Plus von 0,4 Prozent.
Ein wesentlicher Grund für den nominalen Rückgang ist der Verkauf von About You an Zalando, der im Geschäftsjahr 2025/26 abgeschlossen wurde. Dadurch fehlt ein bisher konsolidierter Umsatzanteil in der Konzernrechnung. Der Umsatzrückgang bedeutet deshalb nicht automatisch, dass das verbleibende Geschäft eingebrochen ist.
Beim Ergebnis fällt die Entwicklung deutlich anders aus. Das EBITDA stieg von 916 Millionen Euro auf 1,132 Milliarden Euro. Das EBIT erhöhte sich von 276 Millionen Euro auf 641 Millionen Euro. Unter dem Strich verblieb ein Jahresüberschuss von 312 Millionen Euro, nach 165 Millionen Euro im Vorjahr.
Der Konzernumbau ist damit nicht die Reaktion auf einen aktuellen Verlust. Er findet in einer Phase statt, in der Otto seine Profitabilität verbessert. Genau darin liegt die kritische Nachricht: Stellen werden nicht erst dann gestrichen, wenn ein Unternehmen wirtschaftlich am Abgrund steht. Sie fallen zunehmend auch dann weg, wenn Geschäftsmodelle auf höhere Margen, niedrigere Kosten und mehr technologische Skalierung getrimmt werden.
Bis zu 1.539 Stellen in drei Konzernbereichen betroffen
Der Otto Group Stellenabbau verteilt sich nach den bislang bekannten Maßnahmen auf mehrere Konzernunternehmen. Beim Plattformgeschäft OTTO sollen knapp 460 Vollzeitstellen wegfallen, vor allem am Standort Hamburg. Das Programm reicht bis zum Geschäftsjahr 2027/28 und betrifft unter anderem Funktionen in Verwaltung, Marketing, Controlling und Technologie.
Bei Hermes Germany sollen bis zu 850 Stellen entfallen. Nach der öffentlich bekannten Planung soll einem Teil der betroffenen Beschäftigten eine alternative Tätigkeit angeboten werden. Die Logistik bleibt damit ein Bereich, in dem steigende Kosten, hoher Wettbewerbsdruck und Effizienzprogramme direkt auf die Beschäftigung durchschlagen.
Weitere 229 Stellen sollen bei der Witt-Gruppe abgebaut werden. Das Modeunternehmen setzt dabei auf Altersteilzeit, Frühverrentung und Aufhebungsangebote. Hintergrund sind unter anderem eine verhaltene Nachfrage im Modegeschäft, steigende Kosten und Investitionen in die digitale Weiterentwicklung.
Addiert ergeben die angekündigten Programme bis zu 1.539 Stellen. Diese Summe ist allerdings nicht identisch mit der Veränderung der durchschnittlichen Beschäftigtenzahl im Konzern. Im Geschäftsjahr 2025/26 sank die Zahl der Vollzeitstellen bei der Otto Group von 36.304 auf 34.831, also um 1.473 Stellen. Die bekannten Programme laufen teilweise über mehrere Jahre und können sich zeitlich mit bereits umgesetzten Maßnahmen überschneiden.
OTTO-Plattform wächst, während Kosten sinken sollen
Ein zentraler Ergebnistreiber ist das Plattformgeschäft von OTTO. Der über die Plattform abgewickelte Warenwert, der sogenannte Gross Merchandise Value, stieg im Geschäftsjahr 2025/26 um 6 Prozent auf rund 7,5 Milliarden Euro. Der Umsatz nach IFRS legte um 7 Prozent auf 4,7 Milliarden Euro zu. Die Zahl der aktiven Kunden stieg um 4 Prozent auf 12,6 Millionen, das Sortiment umfasst inzwischen mehr als 19 Millionen Artikel.
Damit wird deutlich, worauf Otto setzt: weniger klassischer Versandhandel, mehr Plattformgeschäft, Werbung, Händleranbindung und datenbasierte Produktsuche. Für Händler kann OTTO damit als Vertriebskanal relevanter werden. Zugleich verschärft die Plattformlogik den Druck auf Konditionen, Sichtbarkeit und Datenqualität. Wer auf einem Marktplatz verkauft, konkurriert nicht nur über den Preis, sondern auch über Produktinformationen, Lieferfähigkeit und Werbebudget.
Bemerkenswert ist, dass gerade das wachsende Plattformgeschäft mit einem Sparprogramm verbunden wird. OTTO will seine jährliche Kostenbasis bis zum Geschäftsjahr 2027/28 um 110 Millionen Euro auf 500 Millionen Euro senken. Ein wesentlicher Hebel dafür ist der Abbau von knapp 460 Vollzeitstellen.
Das ist die nüchterne Übersetzung der Strategie: Wachstum allein schützt Arbeitsplätze nicht, wenn parallel Prozesse automatisiert, Hierarchien verschlankt und Budgets stärker auf Technologie ausgerichtet werden.
Eos und Crate and Barrel stabilisieren das Portfolio
Neben OTTO nennt der Konzern vor allem Eos und Crate and Barrel als wichtige Ergebnisstützen. Der Finanzdienstleister Eos erhöhte sein Investitionsvolumen in Forderungsportfolios auf mehr als eine Milliarde Euro, nach gut 800 Millionen Euro im Vorjahr. Das Geschäft mit notleidenden Forderungen bleibt damit ein bedeutender Baustein innerhalb der Otto Group.
Crate and Barrel, die nordamerikanische Einrichtungssparte, erzielte währungsbereinigt ein Umsatzwachstum von 1,6 Prozent und will ihr Filialnetz in Nordamerika in den kommenden Jahren um 30 bis 40 Standorte ausbauen.
Die Entwicklung zeigt, dass Otto sein Portfolio stärker um profitable und skalierbare Geschäftsbereiche ordnet. Gleichzeitig bleiben klassische Handelssegmente wie Mode unter Druck. Dass Stellen vor allem in Plattformorganisation, Logistik und Modeunternehmen gestrichen werden, passt zu diesem Umbau: Investiert wird dort, wo Wachstum oder Rendite erwartet werden; gespart wird dort, wo Prozesse teurer, margenschwächer oder leichter zu standardisieren sind.
Höherer Gewinn beantwortet nicht alle Fragen
Für die Bewertung der Geschäftszahlen reicht der Blick auf Gewinn und Stellenabbau allein nicht aus. Die Netto-Finanzverschuldung der Otto Group stieg von 2,095 Milliarden Euro auf 2,369 Milliarden Euro. Gleichzeitig sank der Free Cashflow von 1,254 Milliarden Euro auf 340 Millionen Euro. Die Eigenkapitalquote verbesserte sich dagegen von 26,5 auf 34,3 Prozent.
Damit ist die Bilanz nicht schlicht als Erfolgsmeldung zu lesen. Otto hat das operative Ergebnis gesteigert und die Ergebnisbasis stabilisiert. Zugleich fließt deutlich weniger frei verfügbarer Cashflow zu, während die Netto-Finanzverschuldung zunimmt. Der Konzern kündigt zudem Investitionen von rund 350 Millionen Euro in Technologie und Künstliche Intelligenz in den kommenden Geschäftsjahren an.
Für den Onlinehandel ist die Entwicklung relevant, weil sie einen Branchentrend sichtbar macht: Plattformen, Logistik und digitale Handelsunternehmen investieren stärker in Automatisierung und KI, während gleichzeitig Kostenprogramme verschärft werden. Der Otto Group Stellenabbau steht damit nicht isoliert, sondern für einen Handel, der unter Margendruck zunehmend versucht, Wachstum mit weniger Personal zu organisieren.
Konzernumbau zwischen Plattformwachstum und Kostendisziplin
Otto meldet ein besseres Ergebnis, aber keine Entspannung im Geschäft. Der Wettbewerb durch internationale Plattformen, preisaggressive Anbieter und veränderte Produktsuchen bleibt hoch. Zudem entwickelt sich der klassische Konsum zurückhaltend, insbesondere im Modebereich.
Der Konzern reagiert darauf mit einer klaren Priorität: Profitabilität vor Personalbestand. Dass bis zu 1.539 Stellen in bekannten Programmen betroffen sind, während der Jahresüberschuss auf 312 Millionen Euro steigt, dürfte nicht nur für Beschäftigte schwer vermittelbar sein. Es zeigt auch Händlern und Partnern, wie hart Plattformbetreiber inzwischen ihre Kostenbasis bearbeiten.
Otto steht damit vor einer doppelten Aufgabe: Der Konzern muss beweisen, dass die verbesserte Profitabilität dauerhaft trägt und nicht vor allem aus Verkaufseffekten, Einsparungen und Personalabbau entsteht. Für die Beschäftigten ist diese Beweisführung allerdings schon jetzt mit konkreten Konsequenzen verbunden.
Faktenbox
| Otto Group: Geschäftszahlen und Stellenabbau 2025/26 | |
|---|---|
| Fokus-Keyword | Otto Group Stellenabbau |
| Geschäftsjahr | 2025/26, abgeschlossen zum 28. Februar 2026 |
| Umsatz | 13,8 Mrd. Euro nach 14,9 Mrd. Euro im Vorjahr |
| Umsatz vergleichbar | Plus 0,4 Prozent, bereinigt um Konsolidierungs- und Währungseffekte |
| EBIT | 641 Mio. Euro nach 276 Mio. Euro |
| Jahresüberschuss | 312 Mio. Euro nach 165 Mio. Euro |
| Beschäftigte | 34.831 Vollzeitstellen im Jahresdurchschnitt, nach 36.304 im Vorjahr |
| Bekannte Stellenprogramme | Bis zu 460 Stellen bei OTTO, bis zu 850 bei Hermes Germany und 229 bei der Witt-Gruppe |
| OTTO-Plattformumsatz | 4,7 Mrd. Euro nach IFRS, Plus 7 Prozent |
| OTTO-GMV | Rund 7,5 Mrd. Euro, Plus 6 Prozent |
| Free Cashflow | 340 Mio. Euro nach 1,254 Mrd. Euro |
| Netto-Finanzverschuldung | 2,369 Mrd. Euro nach 2,095 Mrd. Euro |
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