Elektronikmarkt: Refurbished-Produkte wachsen deutlich

Refurbished-Produkte entwickeln sich vom Nischensegment zu einem relevanten Faktor im Elektronikmarkt. Nach Daten von NIQ legten wiederaufbereitete Smartphones, Tablets, Wearables und Laptops 2025 jeweils deutlich bei Absatz und Umsatz zu, während Neugeräte in einzelnen Kategorien unter Druck geraten. Der Trend ist preisgetrieben, aber nicht nur: Reparierbarkeit, Nachhaltigkeit und regulatorische Vorgaben verändern die Spielregeln.

📌 Auf einen Blick

Refurbished-Produkte wachsen deutlich schneller als Neugeräte: Refurbished Smartphones kamen 2025 auf 38 Prozent Absatzplus, Wearables auf 53 Prozent. Im ersten Quartal 2026 stieg der Umsatz im Refurbished-Markt insgesamt um 47,9 Prozent. Online bleibt mit 90 Prozent der wichtigste Vertriebskanal.

Elektronikmarkt: Refurbished-Produkte wachsen deutlich
Elektronikmarkt: Refurbished-Produkte wachsen deutlich

Refurbished-Produkte profitieren von schwächerem Neugerätemarkt

Der Markt für Refurbished-Produkte wächst nicht isoliert, sondern vor dem Hintergrund eines zunehmend gesättigten Elektronikmarkts. Besonders deutlich zeigt sich das bei Smartphones. Während der Absatz von Neugeräten 2025 um 5 Prozent zurückging und der Umsatz um 3 Prozent sank, legten refurbished Smartphones klar zu. Der Absatz stieg um 38 Prozent, der Umsatz um 36 Prozent.

Auch der Start in das Jahr 2026 bestätigt die Entwicklung. Im ersten Quartal 2026 lagen die Absatzzahlen refurbished Smartphones um 39,4 Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Insgesamt verzeichnete der Refurbished-Markt in den betrachteten Kategorien ein Umsatzplus von 47,9 Prozent gegenüber dem ersten Quartal 2025. Das ist kein Randphänomen mehr, sondern ein Hinweis darauf, dass sich Kaufentscheidungen im Elektronikmarkt verschieben.

Für Händler ist das unbequem: Wer weiter nur auf neue Geräte, kurze Produktzyklen und hohe Einstiegspreise setzt, läuft Gefahr, an einer wachsenden Käufergruppe vorbeizukalkulieren. Refurbished-Produkte sind nicht mehr nur die Alternative für Sparsame, sondern zunehmend eine bewusste Wahl.

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Smartphones, Tablets und Wearables legen deutlich zu

Die Dynamik betrifft mehrere Gerätekategorien. Refurbished Wearables kamen 2025 auf ein Absatzplus von 53 Prozent und ein Umsatzwachstum von 49 Prozent. Refurbished Tablets legten beim Absatz um 46 Prozent und beim Umsatz um 42 Prozent zu. Bei Laptops stieg der Absatz um 45 Prozent, der Umsatz um 31 Prozent.

Parallel wächst der Anteil von Refurbished-Produkten innerhalb der jeweiligen Kategorien. Bei Smartphones stieg der Marktanteil im Vergleich zum Neugerätevolumen von rund 7 auf 10 Prozent. Bei Tablets ging es von 8 auf 11 Prozent nach oben, bei Laptops von 5 auf 6 Prozent und bei Wearables von 2 auf 3 Prozent.

Diese Zahlen zeigen: Der Markt bleibt weiterhin kleiner als der Neugerätemarkt, wächst aber deutlich schneller. Genau darin liegt die strategische Relevanz. Händler, Hersteller und Marktplätze müssen entscheiden, ob sie Refurbished-Produkte als Zusatzsortiment behandeln oder als festen Bestandteil ihrer Angebotslogik.

Elektronikmarkt: Refurbished-Produkte wachsen deutlich
Elektronikmarkt: Refurbished-Produkte wachsen deutlich

Preisvorteil trifft auf Nachfrage nach Premium-Geräten

Ein zentraler Treiber bleibt der Preis. Refurbished-Produkte sind laut NIQ im Schnitt etwa 15 bis 25 Prozent günstiger als vergleichbare Neugeräte. Bei besonders gefragten Modellen kann der Abstand auch höher ausfallen. Für viele Verbraucher entsteht damit ein Zugang zu Premium-Technologie, ohne den vollen Neupreis zahlen zu müssen.

Auffällig ist die Nachfrage nach hochwertigen Geräten. Rund ein Drittel der 2025 verkauften refurbished Smartphones entfiel auf aktuelle Modelle oder deren direkte Vorgängergeneration. Mehr als die Hälfte der Nachfrage lag im Preisbereich zwischen 200 und 400 Euro. Dieses Segment machte 54 Prozent der verkauften refurbished Smartphones aus und bestand überwiegend aus älteren Flaggschiff-Modellen.

Bei Tablets zeigt sich ein anderer Effekt: Der durchschnittliche Verkaufspreis refurbished Tablets lag 2025 bei 463 Euro und damit über dem Durchschnittspreis von Neugeräten mit 402 Euro. Das spricht dafür, dass Käufer hier gezielt höherwertige Geräte wählen, statt lediglich nach dem günstigsten Produkt zu suchen.

Online dominiert, der stationäre Handel bleibt selektiv

Der Vertrieb von Refurbished-Produkten ist klar online geprägt. Rund 90 Prozent der Käufe laufen über digitale Kanäle. Das passt zur Marktlogik: Zustandsklassen, Garantieangaben, Modellvarianten und Preisvergleiche lassen sich online besonders gut darstellen. Zudem bauen Hersteller zunehmend eigene Refurbished-Angebote in ihren Onlineshops aus.

Der stationäre Handel spielt bislang eine deutlich kleinere Rolle. Es gibt aber Ausnahmen. Im Notebook-Bereich hat sich der stationäre Absatz von 2024 auf 2025 mehr als verdoppelt. Der Anteil am Gesamtabsatz stieg von 4,5 auf 8 Prozent. Das zeigt, dass beratungsintensive Kategorien durchaus Potenzial im Laden haben können, wenn Zustand, Garantie und Preis transparent erklärt werden.

Für klassische Händler bleibt die Herausforderung, Vertrauen herzustellen. Refurbished-Produkte verlangen mehr Erklärung als Neuware. Zustand, Akkukapazität, Reparaturhistorie, Gewährleistung und Rückgabemöglichkeiten sind kaufentscheidend. Wer diese Informationen nicht klar liefert, riskiert Skepsis statt Conversion.

Recht auf Reparatur stärkt den Markt strukturell

Auch die Regulierung dürfte den Markt weiter beeinflussen. Die EU-Richtlinie zum Recht auf Reparatur soll Reparaturen erleichtern und die Lebensdauer von Produkten verlängern. Die Mitgliedstaaten müssen die Vorgaben bis zum 31. Juli 2026 anwenden. Die Europäische Kommission beschreibt die Regelung als Teil einer Politik zur Förderung nachhaltigen Konsums: EU-Kommission zur Richtlinie über die Reparatur von Waren.

Für den Refurbished-Markt ist das relevant, weil bessere Reparaturinformationen und verfügbare Ersatzteile die Aufbereitung gebrauchter Geräte erleichtern können. Hersteller sollen Reparaturen nicht unnötig erschweren, und Verbraucher sollen besseren Zugang zu Informationen erhalten. Damit wird Refurbishment nicht automatisch einfacher, aber die strukturellen Voraussetzungen verbessern sich.

Gleichzeitig bleibt ein Engpass bestehen: Refurbished-Produkte brauchen geeignete Gebrauchtgeräte. Wenn Verbraucher ihre Smartphones, Tablets und Laptops länger nutzen, sinkt kurzfristig das Angebot jüngerer Geräte für die Wiederaufbereitung. Der Markt wächst also nicht grenzenlos. Er hängt an Rückläufen, Ankaufprogrammen, Gerätequalität und funktionierenden Prüfprozessen.

Wachstum mit Nebenwirkungen für Handel und Hersteller

Refurbished-Produkte verändern den Elektronikmarkt nicht über Nacht, aber sie verschieben die Erwartungshaltung. Preisvorteile, Nachhaltigkeitsargumente und bessere Verfügbarkeit hochwertiger Vorjahresmodelle setzen Neugeräte stärker unter Rechtfertigungsdruck. Nicht jeder Kunde braucht das neueste Modell, wenn ein geprüftes Gerät mit Garantie günstiger verfügbar ist.

Für Hersteller entsteht daraus ein Spagat. Einerseits können eigene Refurbished-Angebote zusätzliche Umsätze bringen und Kunden im Ökosystem halten. Andererseits konkurrieren wiederaufbereitete Geräte mit Neuware. Für Händler stellt sich die Frage, ob sie Refurbished-Produkte aktiv vermarkten oder Marktanteile an spezialisierte Plattformen und Hersteller verlieren.

Der Trend ist damit mehr als ein Sparprogramm für Verbraucher. Er greift in Sortiment, Preispolitik, Garantiekommunikation und Nachhaltigkeitsstrategie ein. Wer Refurbished-Produkte nur als gebrauchte Elektronik mit schönerem Etikett betrachtet, unterschätzt die Marktdynamik.

Faktenbox

Refurbished-Produkte im Elektronikmarkt
MarktentwicklungWiederaufbereitete Smartphones, Tablets, Wearables und Laptops wuchsen 2025 jeweils deutlich bei Umsatz und Absatz.
SmartphonesRefurbished Smartphones erzielten 2025 ein Absatzplus von 38 Prozent und ein Umsatzplus von 36 Prozent.
Stärkste KategorieRefurbished Wearables legten 2025 beim Absatz um 53 Prozent und beim Umsatz um 49 Prozent zu.
PreisvorteilRefurbished-Produkte sind im Schnitt etwa 15 bis 25 Prozent günstiger als vergleichbare Neugeräte.
Online-AnteilRund 90 Prozent der Refurbished-Käufe werden über Online-Kanäle abgewickelt.
Regulatorischer FaktorDas Recht auf Reparatur soll Reparaturen erleichtern und kann die Aufbereitung gebrauchter Elektronik unterstützen.