Nonfood-Discounter setzen Fachhandel unter Druck
Nonfood-Discounter gewinnen im deutschen Handel weiter an Bedeutung. Besonders junge Käufer zwischen 18 und 29 Jahren nutzen Anbieter wie Action, TEDi, KiK und Woolworth deutlich häufiger. Die aktuellen Daten des ECC Köln zeigen zugleich, dass der Trend nicht nur mehr Frequenz für preisorientierte Anbieter bedeutet, sondern auch weniger Kaufanlässe für Fachhandel und Innenstädte.
📌 Auf einen Blick
23 Prozent der Konsumenten haben in den vergangenen zwei Jahren häufiger bei Nonfood-Discountern eingekauft. Bei den 18- bis 29-Jährigen liegt der Anteil bei 45 Prozent. Besonders betroffen sind DIY, Saisonware, Dekoration sowie Schreib- und Spielwaren, während Asia-Plattformen wie Temu zusätzlichen Druck erzeugen.
Nonfood-Discounter werden zum festen Einkaufsziel
Inhaltsverzeichnis
Nonfood-Discounter sind längst nicht mehr nur Anlaufstellen für Gelegenheitskäufe. Nach den Ergebnissen des aktuellen Trend Check Handel des ECC Köln haben 23 Prozent der Konsumenten in den vergangenen zwei Jahren vermehrt bei Nonfood-Discountern eingekauft. Besonders auffällig ist der Unterschied nach Altersgruppen: Bei den 18- bis 29-Jährigen liegt dieser Wert bei 45 Prozent.
Damit verschiebt sich ein Teil des Einkaufsverhaltens in Richtung preisorientierter, häufig impulsgetriebener Sortimente. Was früher eher als Ergänzung zum Fachhandel oder zur Innenstadt galt, wird in bestimmten Warengruppen zunehmend zum regulären Einkaufsort. Der niedrige Preis ist dabei nur ein Teil der Erklärung. Entscheidend ist auch die Kombination aus breitem Sortiment, hoher stationärer Sichtbarkeit und schnell wechselnden Angeboten.
KiK ist bekannt, TEDi und Action punkten bei Jüngeren
Die Bekanntheit der Anbieter ist hoch, die Nutzung unterscheidet sich jedoch deutlich. KiK kommt laut ECC Köln auf eine Bekanntheit von 95 Prozent und liegt damit im Gesamtmarkt vorne. Bei jüngeren Käufern zeigt sich jedoch ein anderes Bild: TEDi und Action erreichen in der Gruppe der 18- bis 29-Jährigen jeweils eine Kaufrate von 64 Prozent.
Diese Verschiebung ist für den Wettbewerb relevant. Denn sie zeigt, dass Bekanntheit allein nicht automatisch Nutzung bedeutet. Gerade jüngere Konsumenten reagieren offenbar stärker auf Sortimentswechsel, Social-Media-Sichtbarkeit und günstige Mitnahmeartikel. Für den klassischen Fachhandel ist das unangenehm, weil die betroffenen Kategorien häufig zu den Frequenzbringern zählen.
Der Fachhandel verliert in wichtigen Warengruppen
Besonders deutlich wird der Druck in den Sortimenten DIY, Saisonware, Dekoration sowie Schreib- und Spielwaren. In diesen Bereichen ersetzen Nonfood-Discounter für viele Käufer bereits ganz oder teilweise den Fachhandel. Produktseitig dominieren laut Studie Dekoartikel mit 57 Prozent, Schreib- und Spielwaren mit 54 Prozent sowie Haushaltswaren mit 44 Prozent. Jüngere Käufer greifen zudem überdurchschnittlich häufig zu DIY-Produkten.
Für Fachgeschäfte entsteht daraus ein strukturelles Problem. Einzelne günstige Artikel mögen auf den ersten Blick nicht existenzentscheidend wirken. In Summe ziehen sie aber Frequenz, Spontankäufe und Wiederbesuche ab. Genau diese Effekte fehlen dann dort, wo Beratung, Sortimentstiefe und höhere Warenwerte eigentlich den Unterschied machen sollen.
Innenstadtbesuche werden teilweise ersetzt
Der Trend betrifft nicht nur einzelne Händler, sondern auch Einkaufsorte. 38 Prozent der Konsumenten geben an, dass ein Einkauf im Nonfood-Discounter den Besuch in der Innenstadt ersetzt. Bei den jüngeren Käufern liegt dieser Anteil sogar bei 55 Prozent. Das ist ein nüchterner Hinweis darauf, dass die Innenstadt nicht nur durch Onlinehandel unter Druck gerät, sondern auch durch stationäre Alternativen am Stadtrand, in Fachmarktzentren oder an stark frequentierten Nahversorgungsstandorten.
Wer Innenstadtbelebung nur über Parkplätze, Events oder Sonntagsöffnungen diskutiert, greift daher zu kurz. Entscheidend bleibt, ob das Angebot im Alltag relevant genug ist. Nonfood-Discounter liefern darauf eine einfache, aber wirksame Antwort: niedrige Preise, schnelle Orientierung, wechselnde Ware. Schön ist das für den Fachhandel nicht, aber bequemes Wegsehen ändert die Zahlen nicht.
Werbung bleibt sichtbar, aber nicht dominierend
Die Werbewahrnehmung der Nonfood-Discounter liegt insgesamt auf moderatem Niveau. Action und KiK wurden jeweils von 31 Prozent der Konsumenten wahrgenommen, TEDi von 26 Prozent und Woolworth von 17 Prozent. Dabei unterscheiden sich die Kanäle: TEDi fällt vor allem über Handzettel auf, KiK über TV-Werbung und Action vergleichsweise stärker über Social Media, insbesondere Instagram und YouTube.
Das zeigt: Der Erfolg der Nonfood-Discounter basiert nicht allein auf hoher Werbedichte. Vielmehr funktioniert das Zusammenspiel aus Standort, Preiswahrnehmung und Sortiment. Werbung verstärkt diesen Effekt, ersetzt ihn aber nicht.
Temu und Co. erhöhen den Druck von unten
Während Nonfood-Discounter dem Fachhandel Kunden abnehmen, geraten sie selbst stärker unter Druck. 23 Prozent der Konsumenten geben an, Produkte, die früher bei Nonfood-Discountern gekauft wurden, inzwischen verstärkt über Asia-Plattformen wie Temu und Co. zu beziehen. Bei jüngeren Käufern liegt der Anteil sogar bei 48 Prozent.
Damit entsteht eine doppelte Bewegung: Der Fachhandel verliert an Nonfood-Discounter, Nonfood-Discounter verlieren potenziell an internationale Plattformen. Für Händler wird die entscheidende Frage sein, wo sie noch Differenzierung schaffen können. Preis allein ist ein riskantes Spielfeld, sobald digitale Plattformen mit noch aggressiveren Angebotslogiken auftreten.
Weitere Informationen zur Untersuchung bietet der Trend Check Handel des ECC Köln.
Der Handel muss seine Alltagsrelevanz neu beweisen
Die Entwicklung rund um Nonfood-Discounter ist kein Randthema. Sie zeigt, wie stark sich Kaufentscheidungen in scheinbar kleinen Warengruppen verschieben können. Für Innenstädte und Fachhandel wird es schwieriger, Kunden allein über Sortiment und Standort zu binden. Beratung, Verfügbarkeit, Erlebnis und Vertrauen müssen spürbaren Mehrwert liefern, sonst entscheidet am Ende der Preis.
Für Nonfood-Discounter ist die Lage ebenfalls nicht frei von Risiken. Ihre wachsende Bedeutung macht sie angreifbar, vor allem durch Plattformen mit noch größerer Preisdynamik. Der Wettbewerb im Nonfood-Segment wird damit nicht nur härter, sondern auch unübersichtlicher.
Faktenbox
| Nonfood-Discounter im Trend Check Handel | |
|---|---|
| Studie | Trend Check Handel des ECC Köln |
| Befragungszeitraum | März 2026 |
| Stichprobe | 497 Konsumenten in Deutschland |
| Häufigere Nutzung | 23 Prozent kauften in den vergangenen zwei Jahren häufiger bei Nonfood-Discountern ein |
| Junge Käufer | 45 Prozent der 18- bis 29-Jährigen nutzten Nonfood-Discounter zuletzt häufiger |
| Bekanntester Anbieter | KiK erreicht eine Bekanntheit von 95 Prozent |
| Starke Anbieter bei Jüngeren | TEDi und Action kommen bei 18- bis 29-Jährigen jeweils auf 64 Prozent Kaufrate |
| Betroffene Sortimente | Dekoration, Schreib- und Spielwaren, Haushaltswaren, DIY und Saisonware |
| Druck auf Innenstädte | 38 Prozent ersetzen mit dem Einkauf im Nonfood-Discounter einen Innenstadtbesuch; bei Jüngeren sind es 55 Prozent |
| Neue Konkurrenz | 23 Prozent kaufen frühere Nonfood-Discounter-Produkte inzwischen verstärkt über Asia-Plattformen; bei Jüngeren sind es 48 Prozent |
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