Amazon E-Rechnung: XRechnung oder ZUGFeRD für Business-Kunden

Amazon Business fordert deutsche Geschäftskunden auf, ihr bevorzugtes Format für die Amazon E-Rechnung festzulegen. Zur Auswahl stehen XRechnung und ZUGFeRD. Der Schritt kommt nicht überraschend, wirkt aber wie ein Erinnerungsschreiben mit eingebautem Druck: Wer bis Ende 2026 nichts auswählt, soll automatisch auf ZUGFeRD umgestellt werden.

📌 Auf einen Blick

Amazon Business ermöglicht deutschen Kunden die Auswahl zwischen XRechnung und ZUGFeRD. Die Einstellungen können seit 15. Mai 2026 im Konto hinterlegt werden. Hintergrund ist die schrittweise Pflicht zur elektronischen B2B-Rechnungsstellung, die für viele Unternehmen ab 1. Januar 2027 deutlich konkreter wird.

Amazon E-Rechnung: XRechnung oder ZUGFeRD für Business-Kunden
Amazon E-Rechnung: XRechnung oder ZUGFeRD für Business-Kunden

Amazon E-Rechnung wird zur Einstellungssache im Kundenkonto

Amazon Business informiert Kunden darüber, dass sie ihr bevorzugtes Format für elektronische Rechnungen direkt in den Kontoeinstellungen festlegen können. Der Pfad führt laut Mitteilung über die Kontoeinstellungen, die Steuerinformationen und anschließend zu den Einstellungen für die elektronische Rechnungsstellung. Dort können Geschäftskunden zwischen XRechnung und ZUGFeRD wählen.

Die Amazon E-Rechnung ist damit nicht nur ein technisches Detail am Rand des Einkaufsprozesses. Für Unternehmen, die regelmäßig über Amazon Business bestellen, betrifft die Umstellung den gesamten Rechnungseingang, die Verarbeitung in der Buchhaltung und die Abstimmung mit ERP-, Beschaffungs- oder Dokumentenmanagementsystemen. Wer bisher PDF-Rechnungen manuell heruntergeladen, weitergeleitet oder archiviert hat, muss seine Abläufe prüfen. Das bequeme PDF als alleinige Grundlage reicht in der neuen Logik nicht mehr aus.

Amazon setzt dabei auf zwei in Deutschland etablierte Formate. Die XRechnung ist ein rein strukturiertes XML-Format und vor allem aus dem öffentlichen Beschaffungsumfeld bekannt. ZUGFeRD kombiniert eine lesbare PDF-Datei mit eingebetteten strukturierten Rechnungsdaten. Für viele kleinere Unternehmen dürfte ZUGFeRD zunächst vertrauter wirken, weil weiterhin ein sichtbares Rechnungsbild vorhanden ist. Entscheidend ist jedoch nicht die optische Darstellung, sondern der strukturierte Datenteil.

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Warum Amazon Business jetzt zur Auswahl drängt

Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Die E-Rechnungspflicht in Deutschland läuft bereits seit Anfang 2025, allerdings mit Übergangsregeln. Unternehmen müssen E-Rechnungen im B2B-Bereich grundsätzlich empfangen können. Die Pflicht zur Ausstellung elektronischer Rechnungen wird stufenweise verschärft. Ab 2027 betrifft sie zunächst Unternehmen mit einem Vorjahresumsatz von mehr als 800.000 Euro, ab 2028 grundsätzlich alle inländischen Unternehmen im B2B-Bereich.

Vor diesem Hintergrund ist die Amazon E-Rechnung weniger eine neue Komfortfunktion als ein notwendiger Umbau. Amazon Business will offenbar vermeiden, dass Geschäftskunden kurz vor Fristablauf unvorbereitet sind. Gleichzeitig verlagert der Konzern einen Teil der Verantwortung auf die Kundenkonten. Wer sein Format nicht aktiv auswählt, soll im Dezember 2026 automatisch auf ZUGFeRD umgestellt werden. Das ist praktisch, aber nicht zwingend für jedes Buchhaltungssystem optimal.

Kritisch ist vor allem die scheinbar kleine Formatfrage. In der Praxis kann sie darüber entscheiden, ob Rechnungen automatisiert verarbeitet werden oder ob neue manuelle Zwischenschritte entstehen. XRechnung kann für stark digitalisierte Rechnungsprozesse sinnvoll sein. ZUGFeRD kann dort Vorteile haben, wo ein lesbares PDF weiterhin in internen Freigabeprozessen benötigt wird. Unternehmen sollten deshalb nicht nach Bauchgefühl entscheiden, sondern nach Systemfähigkeit.

Einschränkungen bei Lieferung und Konsolidierung

Amazon weist zugleich auf Einschränkungen während der Umstellung hin. Während der Übergangszeit kann es demnach vorübergehend dazu kommen, dass Kunden Rechnungen nicht direkt zum Zeitpunkt der Lieferung erhalten. Sobald die neue Rechnungserstellung vollständig eingerichtet ist, soll sie automatisch angewendet werden.

Für Unternehmen mit engen Monatsabschlüssen, automatisierten Rechnungsworkflows oder internen Freigabeprozessen ist das kein Nebensatz. Eine vorübergehende Verzögerung bei Rechnungen kann Abstimmungen erschweren, Rückfragen auslösen und manuelle Kontrollen notwendig machen. Wer auf pünktliche Belege angewiesen ist, sollte die Umstellung beobachten und intern klären, wie fehlende oder verspätete Rechnungen behandelt werden.

Noch relevanter ist der Hinweis zur Konsolidierung. Amazon erklärt, dass die Einkaufskonsolidierung mit den neuen E-Rechnungsformaten noch nicht verfügbar ist. Auch die periodische Konsolidierung wird in den neuen Formaten nicht unterstützt. Stattdessen soll jede Rechnung auf Einkaufsebene im strukturierten elektronischen Format ausgestellt werden, sobald dieses verfügbar ist.

Das klingt technisch, kann aber operative Folgen haben. Wo bisher Sammelrechnungen oder periodische Abrechnungen genutzt wurden, können künftig mehr Einzelbelege entstehen. Für die Buchhaltung bedeutet das nicht automatisch weniger Arbeit. Automatisierung kann Prozesse beschleunigen, aber nur dann, wenn Stammdaten, Freigaben, Kostenstellen und Schnittstellen sauber funktionieren. Sonst ersetzt die Amazon E-Rechnung nicht den Medienbruch, sondern verschiebt ihn.

XRechnung oder ZUGFeRD: Die Wahl sollte zum System passen

Die Entscheidung zwischen XRechnung und ZUGFeRD sollte an der vorhandenen Systemlandschaft ausgerichtet werden. Unternehmen mit ERP-Systemen, elektronischer Beschaffung oder spezialisierten Rechnungsplattformen sollten prüfen, welches Format bereits unterstützt wird. Wichtig ist außerdem, ob die Rechnungsdaten vollständig ausgelesen, geprüft, gebucht und revisionssicher archiviert werden können.

XRechnung ist konsequent maschinenlesbar, benötigt aber eine geeignete Visualisierung, wenn Sachbearbeiter eine lesbare Darstellung prüfen sollen. ZUGFeRD bietet diese Darstellung im PDF-Container mit eingebetteten Daten. Das kann den Übergang erleichtern, darf aber nicht dazu führen, dass nur das PDF-Bild betrachtet und der strukturierte Teil ignoriert wird. Bei hybriden Formaten ist der Datenteil maßgeblich.

Gerade kleine und mittlere Unternehmen sollten die Amazon E-Rechnung als Anlass nehmen, ihre Rechnungsprozesse insgesamt zu überprüfen. Dazu gehören Steuerdaten im Amazon-Business-Konto, Unternehmensdaten, Umsatzsteuer-Identifikationsnummer, juristische Einheiten, Rechnungsempfänger, Kostenstellenlogik und Archivierung. Wer mehrere juristische Personen in einem Konto verwaltet, muss laut Amazon sicherstellen, dass alle erforderlichen Informationen vollständig hinterlegt sind.

Was Unternehmen jetzt prüfen sollten

Die Nachricht von Amazon Business ist kein Grund für Alarmismus, aber ein klarer Hinweis auf den nächsten Pflichttermin. Unternehmen sollten nicht erst im Dezember 2026 entscheiden, welches Format sie nutzen wollen. Dann ist die Gefahr groß, dass eine automatische Voreinstellung übernommen wird, obwohl sie nicht zur eigenen Buchhaltung passt.

Sinnvoll ist ein kurzer Praxistest: Eine Rechnung im gewählten Format sollte in das eigene System übernommen, visualisiert, geprüft, freigegeben und archiviert werden. Erst wenn dieser Ablauf funktioniert, ist die Umstellung mehr als ein Häkchen im Kundenkonto. Die Amazon E-Rechnung zeigt damit exemplarisch, worum es bei der E-Rechnungspflicht tatsächlich geht: nicht um digitale Kosmetik, sondern um belastbare Datenprozesse.

Faktenbox

Amazon E-Rechnung im Überblick
ThemaAuswahl des bevorzugten E-Rechnungsformats für Amazon Business in Deutschland
Betroffene KundenGeschäftskunden mit Amazon-Business-Konto und B2B-Rechnungsbedarf
Verfügbare FormateXRechnung und ZUGFeRD; Amazon verweist in weiteren E-Invoicing-Kontexten auch auf Peppol BIS 3.0
Einstellung möglich seit15. Mai 2026
Relevanter Pflichttermin1. Januar 2027 für Unternehmen mit mehr als 800.000 Euro Vorjahresumsatz bei inländischen B2B-Umsätzen
Weitere StufeAb 1. Januar 2028 gilt die Ausstellungspflicht grundsätzlich für alle inländischen Unternehmen im B2B-Bereich
Automatische UmstellungOhne aktive Auswahl soll im Dezember 2026 eine Umstellung auf ZUGFeRD erfolgen
Wichtige EinschränkungEinkaufskonsolidierung und periodische Konsolidierung werden in den neuen Formaten laut Amazon derzeit nicht unterstützt
Praktische FolgeUnternehmen sollten ERP, Buchhaltung, Freigabeprozesse und Archivierung vor der Umstellung testen