Mobile Payment wächst: Bargeld verliert weiter Umsatzanteile
Mobile Payment gewinnt im deutschen Einzelhandel deutlich an Bedeutung. Nach neuen EHI-Zahlen wurde 2025 bereits fast jede fünfte unbare Zahlung an der Ladenkasse mit Smartphone oder Smartwatch durchgeführt. Bargeld bleibt bei der Zahl der Einkäufe zwar noch vorne, verliert beim Umsatzanteil aber weiter an Boden. Für Händler wächst damit der Druck, Kasse, Payment-Kosten und Abhängigkeiten von Wallet-Anbietern genauer zu prüfen.
📌 Auf einen Blick
Mobile Payment erreichte 2025 einen Anteil von 19,3 Prozent an den unbaren Zahlungen im stationären Handel. Der Bargeldanteil am Umsatz sank auf 32,3 Prozent, während Kartenzahlungen auf 65,1 Prozent stiegen. Im Onlinehandel bleiben Paypal und Rechnungskauf die dominierenden Verfahren.
Mobile Payment wächst an der Ladenkasse deutlich
Inhaltsverzeichnis
Mobile Payment ist im deutschen Einzelhandel kein Randphänomen mehr. Laut der EHI-Studie „Zahlungssysteme im Einzelhandel 2026“ wurden 2025 bereits 19,3 Prozent der unbaren Zahlungen an der Ladentheke mobil abgewickelt. Im Vorjahr lag der Anteil noch bei 12,8 Prozent. Bezogen auf alle rund 20 Milliarden jährlichen Zahlungsvorgänge entspricht das einem Anteil von 9,3 Prozent.
Damit verlagert sich der Bezahlvorgang weiter vom klassischen Portemonnaie auf digitale Endgeräte. Bezahlt wird nicht mehr nur mit Karte, sondern zunehmend über Smartphone oder Smartwatch. Der eigentliche Bezahlvorgang bleibt dabei häufig kartengestützt, wird aber über Wallets und Apps ausgelöst. Genau darin liegt ein oft übersehener Punkt: Mobile Payment ersetzt nicht einfach die Karte, sondern verschiebt die Schnittstelle zum Kunden in Richtung Plattformen, Gerätehersteller und App-Anbieter.
Bargeld verliert beim Umsatz, bleibt aber bei Einkäufen relevant
Der Rückgang des Bargelds setzt sich fort. Der Umsatzanteil der Barzahlung sank 2025 auf 32,3 Prozent, nach 33,8 Prozent im Vorjahr. Kartenzahlungen kamen dagegen auf 65,1 Prozent des Einzelhandelsumsatzes. Insgesamt wurden laut EHI 328,6 Milliarden Euro per Karte umgesetzt, 14,5 Milliarden Euro mehr als im Vorjahr.
Beim Blick auf die Zahl der Transaktionen ist Bargeld allerdings noch nicht verschwunden. Mit 50,5 Prozent liegt es bei den Einkäufen weiterhin leicht vor der Karte, die auf 48,1 Prozent kommt. Das zeigt: Bargeld wird vor allem bei kleineren Beträgen noch häufig genutzt. Beim Umsatzgewicht verschiebt sich der Markt jedoch klar in Richtung Karte und Mobile Payment.
Für Händler ist diese Entwicklung ambivalent. Bargeld verursacht Aufwand durch Wechselgeld, Kassenprozesse und Einzahlungen. Kartenzahlungen und Wallets bringen dagegen Gebühren, technische Abhängigkeiten und Vertragskomplexität mit sich. Wer nur auf Kundengewohnheiten schaut, greift deshalb zu kurz. Entscheidend ist die Gesamtkalkulation aus Akzeptanz, Kosten, Ausfallrisiken und Geschwindigkeit am Checkout.
Mobile Payment profitiert von Kontaktloszahlung und geöffneten Wallets
Fast neun von zehn Kartenzahlungen werden inzwischen kontaktlos durchgeführt. Diese Gewöhnung an das Vorhalten von Karte oder Smartphone hat Mobile Payment den Weg bereitet. Der Sprung von der kontaktlosen Plastikkarte zur Smartphone-Wallet ist für viele Kunden nur noch klein.
Zusätzlichen Schub brachte die teilweise Öffnung der zuvor stark kontrollierten Kontaktlos-Schnittstelle des iPhones. Nach der Intervention der EU-Kommission können auch Apps von Drittanbietern stärker in mobile Bezahlprozesse eingebunden werden. Neben der Sparkassenorganisation, die Girocard und Kreditkarten bereits länger in der iPhone-Wallet anbietet, folgten zuletzt auch Genossenschaftsbanken und Paypal mit eigenen Lösungen.
Damit wird Mobile Payment stärker zum Wettbewerbsfeld. Für Banken, Zahlungsdienstleister und Plattformen geht es nicht nur um Transaktionen, sondern um Sichtbarkeit auf dem Gerät des Kunden. Der Händler steht dabei oft am Ende der Kette: Er muss akzeptieren, was Kunden nutzen, zahlt aber einen Teil der Infrastruktur mit.
Internationale Debitkarten gewinnen Marktanteile
Auffällig ist das Wachstum internationaler Debitkarten von Visa und Mastercard. Ihr Umsatzanteil stieg um 2,5 Prozentpunkte auf 9,4 Prozent. Die Girocard bleibt mit 40,5 Prozent zwar das wichtigste Kartenverfahren im stationären Einzelhandel, verlor aber leicht um einen Prozentpunkt. Kreditkarten kamen auf 8,2 Prozent, SEPA-Lastschrift auf 6,4 Prozent.
Diese Verschiebung ist für den Handel relevant, weil nicht jedes Verfahren die gleichen Kosten- und Abwicklungsstrukturen mitbringt. Internationale Debitkarten werden im Alltag oft ähnlich genutzt wie klassische Bankkarten, können für Händler aber andere Gebührenmodelle und technische Anforderungen bedeuten. Der Zahlungsmarkt wird damit nicht nur digitaler, sondern auch weniger übersichtlich.
Online-Payment bleibt von Paypal und Rechnung geprägt
Im E-Commerce zeigt sich ein anderes Bild. Paypal behauptete mit 28,7 Prozent Umsatzanteil seine führende Position. Der Kauf auf Rechnung folgt mit 26,1 Prozent. Die Lastschrift verlor deutlich und kam auf 14,4 Prozent. Kredit- und internationale Debitkarten legten um 1,4 Prozentpunkte zu und erreichten 13,7 Prozent. Apple Pay wird erstmals explizit ausgewiesen und kommt auf 1,3 Prozent.
Für Onlinehändler bleibt der Zahlungsartenmix damit ein Balanceakt. Paypal und Rechnungskauf sind aus Kundensicht bequem, aus Händlersicht aber nicht immer die günstigsten oder risikoärmsten Optionen. Gleichzeitig erwarten Kunden zunehmend reibungslose Checkout-Prozesse. Wer Zahlungsarten zu stark einschränkt, riskiert Kaufabbrüche. Wer alles anbietet, muss Kosten, Betrugsrisiken und Abrechnung sauber steuern.
Händler müssen Payment strategischer bewerten
Mobile Payment beschleunigt den Wandel an der Kasse, löst aber nicht automatisch alle Probleme. Für Verbraucher wird Bezahlen einfacher, für Händler wird der Payment-Mix komplexer. Die zentrale Frage lautet nicht mehr, ob digitale Zahlungen akzeptiert werden, sondern unter welchen Bedingungen.
Gerade kleinere und mittlere Händler sollten prüfen, welche Verfahren tatsächlich genutzt werden, welche Kosten je Transaktion entstehen und ob die technische Infrastruktur zu den eigenen Prozessen passt. Der Boom von Mobile Payment ist damit weniger eine reine Komfortgeschichte als ein weiterer Schritt in Richtung Plattformisierung des Bezahlens. Das Portemonnaie verschwindet nicht, es bekommt nur neue Besitzer.
Faktenbox
| Zentrale Fakten zu Mobile Payment und Zahlungsarten 2025 | |
|---|---|
| Thema | Wert / Einordnung |
| Mobile Payment an der Kasse | 19,3 Prozent der unbaren Zahlungen wurden 2025 mobil per Smartphone oder Smartwatch durchgeführt. |
| Vorjahreswert Mobile Payment | 2024 lag der Anteil mobiler unbarer Zahlungen noch bei 12,8 Prozent. |
| Anteil an allen Zahlungsvorgängen | Mobile Payment erreichte 9,3 Prozent der rund 20 Milliarden jährlichen Zahlungsvorgänge im Einzelhandel. |
| Bargeldanteil am Umsatz | Der Umsatzanteil der Barzahlung sank von 33,8 auf 32,3 Prozent. |
| Kartenzahlungen im Einzelhandel | Kartenzahlungen erreichten 65,1 Prozent Umsatzanteil und ein Volumen von 328,6 Milliarden Euro. |
| Girocard | Die Girocard blieb mit 40,5 Prozent Umsatzanteil das wichtigste Kartenverfahren, verlor aber leicht. |
| Internationale Debitkarten | Visa Debit und Debit Mastercard wuchsen um 2,5 Prozentpunkte auf 9,4 Prozent Umsatzanteil. |
| Online-Payment | Paypal führte mit 28,7 Prozent vor Rechnungskauf mit 26,1 Prozent. Apple Pay wurde erstmals mit 1,3 Prozent ausgewiesen. |
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