Amazon-Pakete per Lastenrad: Berlin bekommt neues Mikrohub

Die Amazon Mikromobilität wird in Berlin weiter ausgebaut. In Alt-Treptow hat das Unternehmen sein drittes Mikromobilitätszentrum in der Hauptstadt eröffnet. Von dort sollen Lieferpartner künftig jährlich mehr als zwei Millionen Pakete mit elektrischen Lastenfahrrädern zustellen. Das Projekt kann den Lieferverkehr in dicht besiedelten Stadtteilen punktuell entlasten, zeigt aber zugleich, wie stark der Onlinehandel weiterhin auf immer kleinteiligere Zustellstrukturen angewiesen ist.

📌 Auf einen Blick

Amazon hat in Berlin-Alt-Treptow ein neues Mikromobilitätszentrum eröffnet. Lieferpartner sollen künftig mehr als zwei Millionen Pakete pro Jahr per E-Lastenrad zustellen. Bundesweit ist es das 14. Zentrum dieser Art, europaweit betreibt Amazon bereits mehr als 70 Mikromobilitätszentren.

Amazon Mikromobilität: Neues Zentrum in Berlin eröffnet
Amazon Mikromobilität: Neues Zentrum in Berlin eröffnet

Amazon Mikromobilität wächst in Berlin

Mit dem neuen Standort in Alt-Treptow erweitert Amazon seine Mikromobilitätsstruktur in Berlin. Bereits zuvor wurden Pakete vom Verteilzentrum in Tegel sowie vom Mikromobilitätszentrum am Alexanderplatz per elektrischem Lastenfahrrad zugestellt. Der neue Standort soll zentrale und dicht besiedelte Gebiete abdecken, darunter Teile von Kreuzberg, Treptow, Neukölln und Mitte.

Die Amazon Mikromobilität folgt einem einfachen Prinzip: Pakete werden zunächst gebündelt in die Stadt gebracht und anschließend für die letzte Meile auf kleinere Fahrzeuge umgeladen. Statt klassischer Lieferwagen kommen elektrische Lastenfahrräder, E-Mopeds oder Handkarren zum Einsatz. In der Theorie reduziert das Lärm, Abgase und Flächenverbrauch. In der Praxis hängt die Wirkung stark davon ab, ob dadurch tatsächlich Lieferwagen ersetzt werden oder lediglich zusätzliche Lieferkapazität entsteht.

Zwei Millionen Pakete pro Jahr per E-Lastenrad

Nach Angaben des Unternehmens sollen Amazons Lieferpartner in Berlin künftig mehr als zwei Millionen Pakete pro Jahr mit elektrischen Lastenfahrrädern zustellen. Europaweit wurden bis Anfang 2026 bereits mehr als 100 Millionen Pakete mit E-Lastenrädern, E-Mopeds oder Handkarren ausgeliefert. In Deutschland lag die Zahl bei mehr als zehn Millionen. ([US Press Center][1])

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Das neue Zentrum ist zugleich das 14. Mikromobilitätszentrum von Amazon in Deutschland. Europaweit verfügt das Unternehmen nach eigenen Angaben über mehr als 70 solcher Standorte in mehr als 50 Städten. Für 2026 sind 25 zusätzliche Mikromobilitätszentren in Europa geplant. Damit wird deutlich: Die Amazon Mikromobilität ist kein lokales Pilotprojekt mehr, sondern Teil einer breiter angelegten Logistikstrategie.

Mikrodepots als Baustein für städtische Logistik

Das neue Berliner Zentrum befindet sich auf dem Gelände von MotionLab.Berlin in Alt-Treptow. Dort werden Pakete für den letzten Abschnitt der Zustellung auf E-Lastenfahrräder verladen. Die Fahrzeuge stammen vom Hersteller Mubea U-Mobility aus Attendorn. Laut Medienberichten sind in Berlin rund 60 Lastenräder im Einsatz, knapp 20 davon am neuen Standort in Treptow.

Für Städte sind solche Mikrodepots grundsätzlich interessant, weil sie kurze Lieferwege mit lokal emissionsfreien Fahrzeugen ermöglichen. Die Berliner Senatsverwaltung beschreibt Mikrodepots als Ansatz, um die erste oder letzte Meile mit Lastenrädern oder anderen lokal emissionsfreien Fahrzeugen zu bedienen und damit eine stadtverträglichere Logistik zu unterstützen. Einen vertiefenden Überblick bietet die Senatsverwaltung auf ihrer Seite zu Potenzialen und Wirkungen von Mikrodepots in Berlin.

Entlastung für Berlin oder nur sauberere Zustellung?

Verkehrssenatorin Ute Bonde ordnet das Projekt als Beitrag zu einem zukunftsfähigen Wirtschaftsverkehr ein. Entscheidend sei, Fahrten zu vermeiden, keine zusätzlichen Wege zu erzeugen und den Verkehr insgesamt zu entlasten. Genau hier liegt der kritische Punkt: Lastenräder können Lieferwagen auf bestimmten Strecken ersetzen, sie lösen aber nicht automatisch das Grundproblem wachsender Paketmengen.

Die Amazon Mikromobilität ist daher ambivalent. Sie reduziert lokal Emissionen und kann in engen Stadtquartieren praktischer sein als ein Transporter. Gleichzeitig steht sie für einen Onlinehandel, der immer kürzere Lieferzeiten und hohe Zustellfrequenzen normalisiert hat. Wer über weniger Verkehr in Städten spricht, muss deshalb auch über Bestellverhalten, Retourenquoten, Bündelung von Sendungen und realistische Lieferfenster sprechen.

Amazon verweist auf Klimaziele bis 2040

Amazon stellt das neue Mikromobilitätszentrum in den Kontext seiner Klimastrategie. Das Unternehmen ist Mitbegründer des Climate Pledge und hat sich verpflichtet, bis 2040 netto CO2-neutral zu arbeiten. Außerdem verweist Amazon auf mehr als 4.500 Elektrofahrzeuge in Deutschland sowie Investitionen in Ladeinfrastruktur an deutschen Standorten.

Für die Bewertung bleibt wichtig, zwischen lokaler Zustellung und gesamter Lieferkette zu unterscheiden. Ein Paket, das auf den letzten Kilometern per E-Lastenrad kommt, hat zuvor meist bereits Lager-, Sortier- und Transportprozesse durchlaufen. Mikromobilität verbessert also einen sichtbaren Teil der Zustellung, ersetzt aber keine Gesamtbilanz. Für Kunden, Händler und Städte ist das dennoch relevant: Weniger Lieferwagen in engen Straßen können konkret spürbar sein, wenn die Mikrodepots ausreichend skaliert und sauber in Verkehrs- und Flächenkonzepte eingebunden werden.

Der eigentliche Test liegt im Alltag

Ob das neue Zentrum in Alt-Treptow mehr ist als ein gut inszenierter Logistiktermin, wird sich im täglichen Betrieb zeigen. Entscheidend ist, wie viele Transporter tatsächlich ersetzt werden, wie zuverlässig die Zustellung mit Lastenrädern funktioniert und ob die zusätzliche Infrastruktur den öffentlichen Raum entlastet oder nur anders beansprucht.

Die Amazon Mikromobilität zeigt, wohin sich urbane Paketlogistik bewegt: kleiner, elektrischer, näher am Kunden. Für Berlin kann das ein sinnvoller Baustein sein. Ein Freifahrtschein für weiter steigende Paketmengen ist es nicht.

Faktenbox

Amazon Mikromobilität in Berlin
Neuer StandortAlt-Treptow auf dem Gelände von MotionLab.Berlin
Berlin-StatusDrittes Mikromobilitätszentrum von Amazon in der Hauptstadt
Weitere Berliner StandorteTegel und Alexanderplatz
Geplante ZustellmengeMehr als zwei Millionen Pakete pro Jahr per elektrischem Lastenfahrrad in Berlin
LiefergebietTeile von Kreuzberg, Treptow, Neukölln und Mitte
Bundesweite Einordnung14. Mikromobilitätszentrum von Amazon in Deutschland
Europaweite EinordnungMehr als 70 Mikromobilitätszentren in über 50 Städten
FahrzeugeElektrische Lastenfahrräder von Mubea U-Mobility
KlimazielAmazon verweist auf das Ziel, bis 2040 netto CO2-neutral zu arbeiten