DHL Solarschiff startet zweite Route auf der Spree

Das DHL Solarschiff bekommt in Berlin eine zweite Route. Nach der Verbindung zwischen Südhafen Spandau und Westhafen fährt DHL nun auch von Köpenick über mehrere Haltepunkte bis zum Osthafen nahe der Oberbaumbrücke. Das Projekt zeigt, wie urbane Logistik auf dem Wasser funktionieren kann – und wo Anspruch, Genehmigungsrealität und Wirtschaftlichkeit noch auseinanderliegen.

📌 Auf einen Blick

Das neue DHL Solarschiff fährt auf einer zweiten Berliner Route von Köpenick bis zum Osthafen. Das Schiff ist 19,50 Meter lang, kann bis zu 1.500 Pakete transportieren und wird elektrisch mit Solarenergie betrieben. Kritisch bleibt, ob die Zahl der Haltepunkte schnell genug wächst, damit der Transportweg wirtschaftlich tragfähig wird.

DHL Solarschiff startet zweite Route auf der Spree
DHL Solarschiff startet zweite Route auf der Spree

DHL Solarschiff erweitert Paketlogistik auf der Spree

Mit dem zweiten DHL Solarschiff baut DHL den Pakettransport auf Berliner Wasserstraßen aus. Die neue Route beginnt im Bezirk Treptow-Köpenick. Dort werden Paketwagen von einer DHL-Zustellbasis per Lkw zum Platz am Kaisersteg gebracht, auf das Schiff verladen und anschließend entlang der Spree weitertransportiert. Zielpunkte sind unter anderem solarbetriebene DHL Packstationen, etwa in der Rummelsburger Bucht, sowie der Osthafen nahe der Oberbaumbrücke.

Das Konzept ist einfach, aber nicht trivial: Pakete werden nicht direkt bis zur Haustür gebracht, sondern zu Packstationen an Wasser-Haltepunkten. Damit wird ein Teil des innerstädtischen Transportwegs von der Straße auf die Spree verlagert. Für eine Stadt mit regelmäßig dichtem Verkehr klingt das plausibel. Die entscheidende Frage lautet jedoch, wie viele Sendungen tatsächlich dauerhaft auf diese Weise gebündelt werden können.

Das erste DHL Solarschiff ist seit 2022 zwischen Südhafen Spandau und Westhafen unterwegs. Laut DHL wurden darüber bereits mehr als 300.000 Pakete transportiert. Im Verhältnis zum gesamten Paketvolumen in Berlin bleibt das ein begrenzter Anteil. Als Testfeld für urbane Logistik ist das Projekt dennoch relevant, weil es zeigt, dass Wasserwege nicht nur touristische Kulisse sind, sondern auch als Verkehrsraum für Lieferketten genutzt werden können.

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Größeres Schiff mit Platz für bis zu 1.500 Pakete

Das neue DHL Solarschiff ist 19,50 Meter lang und 5,10 Meter breit. Es kann nach Unternehmensangaben bis zu 1.500 Pakete aufnehmen. Der elektrische Antrieb leistet 2 x 35 Kilowatt und ermöglicht eine Geschwindigkeit von bis zu zwölf Kilometern pro Stunde. Über Photovoltaik auf dem Schiffsdach wird Strom für Antrieb und Bordenergie erzeugt. Für Zeiten ohne direkte Sonneneinstrahlung wird Energie in Batterien gespeichert.

DHL gibt an, dass das Schiff bei Sonne ohne zeitliche Begrenzung fahren kann. Ohne Sonne soll die Batterieladung für zwölf bis 15 Stunden reichen. Das klingt technisch belastbar, ersetzt aber keine nüchterne Betrachtung der operativen Grenzen. Ein Solarschiff ist nicht automatisch effizienter, nur weil es emissionsarm fährt. Entscheidend sind Auslastung, Umlaufzeiten, Ladeprozesse, Standorte der Packstationen und die Frage, wie gut das System in bestehende Zustellnetze eingebunden wird.

Wasserwege entlasten Straßen nur bei ausreichender Infrastruktur

Der Berliner Senat unterstützt das Projekt. Gemeinsam mit der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt sowie den Bezirken Treptow-Köpenick, Lichtenberg und Friedrichshain-Kreuzberg sollen weitere Haltepunkte mit solarbetriebenen Packstationen entstehen. Genehmigungsprozesse für zusätzliche Standorte laufen bereits.

Genau hier liegt der kritische Punkt: Ein einzelnes DHL Solarschiff kann Straßenverkehr nur dann spürbar entlasten, wenn es ausreichend Haltepunkte gibt und diese regelmäßig genutzt werden. Laut ergänzenden Medienberichten sind auf der neuen Route bislang nur wenige Stationen verfügbar, während für eine wirtschaftliche Nutzung deutlich mehr Haltepunkte nötig wären. Das Projekt bewegt sich damit zwischen sichtbarem Nachhaltigkeitssignal und administrativer Realität. Die Idee ist vorhanden, die Skalierung hängt aber an Flächen, Genehmigungen und Akzeptanz.

Für DHL ist das Thema Teil der eigenen Klimastrategie. Der Konzern will logistikbezogene Emissionen bis 2050 auf netto null senken. In Berlin verweist DHL auf rund 1.000 E-Fahrzeuge sowie mehr als 1.700 elektrische Lastenräder, vor allem E-Trikes und E-Bikes. Nach Unternehmensangaben werden Brief- und Paketsendungen bereits in der Hälfte des Berliner Stadtgebiets CO2-neutral zugestellt.

Solarschiff als Baustein, nicht als Allheilmittel

Das zweite DHL Solarschiff ist auch Teil des Forschungsprojekts A-Swarm II, bei dem unter anderem die Technische Universität Berlin zur autonomen elektrischen Schifffahrt in Metropolregionen forscht. Unterstützt wird das Projekt mit Fördermitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. Damit geht es nicht nur um aktuelle Pakete auf der Spree, sondern auch um die Frage, wie automatisierte, elektrische Transporte in Städten künftig organisiert werden könnten.

Trotzdem bleibt die Einordnung wichtig: Solarschiffe werden den Lieferverkehr in Berlin nicht allein lösen. Sie können aber dort sinnvoll sein, wo Wasserwege, Umschlagpunkte und Paketströme zusammenpassen. Der eigentliche Test beginnt daher nicht mit der Einweihung der Route, sondern im Regelbetrieb. Erst dann zeigt sich, ob das DHL Solarschiff mehr ist als ein gut sichtbares Symbol für grünere Logistik.

Faktenbox

DHL Solarschiff auf der Spree
Neue RouteVon Köpenick über mehrere Haltepunkte bis zum Osthafen nahe der Oberbaumbrücke
ProjektpartnerDHL Paket und Solarwaterworld AG
TransportkapazitätBis zu 1.500 Pakete
Schiffsgröße19,50 Meter lang und 5,10 Meter breit
AntriebElektrisch, mit Photovoltaik auf dem Schiffsdach und Batteriespeicher
Leistung2 x 35 Kilowatt
GeschwindigkeitBis zu zwölf Kilometer pro Stunde
Batterielaufzeit ohne SonneZwölf bis 15 Stunden
Bestehende RouteSeit 2022 zwischen Südhafen Spandau und Westhafen
Bisherige Paketmenge auf erster RouteMehr als 300.000 Pakete
EinordnungRelevanter Test für urbane Logistik, aber abhängig von zusätzlichen Haltepunkten und wirtschaftlicher Auslastung