Interne Dokumente belegen Amazon Preisabsprachen mit konkurrierenden Händlern

Am 20. April 2026 veröffentlichte der kalifornische Generalstaatsanwalt Rob Bonta ungeschwärzte Beweise für illegale Amazon Preisabsprachen. Diese juristischen Dokumente zeigen präzise, wie der E-Commerce-Konzern seine Lieferanten und konkurrierende Händler dazu drängt, Einzelhandelspreise auf dem gesamten Markt zu erhöhen. Ziel dieser Praxis ist es, die eigenen Gewinnmargen zu sichern, während der Verbraucher die finanzielle Zeche zahlt.

📌 Auf einen Blick

Kalifornien wirft dem Konzern systematische Amazon Preisabsprachen vor, bei denen Lieferanten unter Androhung von Verkaufsstrafen gezwungen werden, Preise bei Konkurrenten wie Walmart und Target zu erhöhen. Eine gerichtliche Anhörung zu einer einstweiligen Verfügung findet am 23. Juli 2026 statt, bevor der Hauptprozess im Januar 2027 beginnt.

Amazon Preisabsprachen: Kalifornien veröffentlicht Beweise
Amazon Preisabsprachen: Kalifornien veröffentlicht Beweise

Die Systematik der Marktkontrolle

Die vom kalifornischen Justizministerium vorgelegten Gerichtsdokumente offenbaren ein klares Vorgehen. Amazon nutzt drei spezifische Methoden, um Preise auf dem Markt zu diktieren und den Wettbewerb auszuschalten.

Erstens brechen Amazon und ein Konkurrent über einen gemeinsamen Lieferanten bewusst die Preisanpassung. Einer der Händler erhöht den Preis oder nimmt das Produkt kurzzeitig aus dem Sortiment, damit der andere nachziehen kann und sich ein höheres Preisniveau etabliert.

Zweitens fordert Amazon Lieferanten direkt auf, Konkurrenten zur Erhöhung ihrer Verkaufspreise zu drängen. Sobald der Konkurrent den Preis anhebt, passt Amazon seinen eigenen Preis nach oben an.

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Drittens zwingen die Amazon Preisabsprachen die Lieferanten dazu, Produkte bei günstigeren Konkurrenten schlichtweg komplett aus dem Sortiment zu entfernen. Der günstige Preis verschwindet somit aus dem Markt, und Amazon kann sein Preisniveau ungestört anheben.

Erpressung der Lieferanten als Geschäftsmodell

Dieses System funktioniert nur aufgrund der erdrückenden Marktmacht des Konzerns. Die Dokumente zeigen, dass Amazon bei mangelnder Kooperation drastische Strafen verhängt. Lieferanten, die niedrigere Preise auf anderen Plattformen zulassen, drohen finanzielle Rückforderungen durch sogenannte Guaranteed Minimum Margin Agreements (GMMs) oder Matching Compensation Programs (MCP).

Wer nicht spurt, fliegt aus dem Sortiment. Amazon droht regelmäßig mit der temporären oder dauerhaften Sperrung von Produkten durch den „CRaP“-Mechanismus (Can’t Realize a Profit). Ebenso nutzt der Konzern den Entzug von Werbeflächen oder den Ausschluss von Verkaufsaktionen wie dem Prime Day als Druckmittel. Viele Lieferanten generieren einen erheblichen Teil ihres Umsatzes über Amazon und können es sich schlicht nicht leisten, den Forderungen zu widersprechen.

Konkrete Fälle: Von Hundeleckerlis bis zu Khakihosen

Die eingereichten Beweise lesen sich wie ein Handbuch für Wettbewerbsverzerrung. Die Amazon Preisabsprachen erstrecken sich über zahlreiche Branchen und Produktkategorien.

    • Bekleidung: Bei Khakihosen der Marke Levi’s, die bei Walmart für 25,47 bis 26,99 US-Dollar angeboten wurden, intervenierte Amazon. Levi’s kontaktierte daraufhin Walmart. Das Ergebnis: Beide Einzelhändler einigten sich auf einen neuen, höheren Preis von 29,99 US-Dollar.
    • Tiernahrung: In einer E-Mail-Kommunikation mit dem Lieferanten GlobalOne wurde ein Plan skizziert, um die Preise für Hunde-Leckerlis der Marke Canine Naturals zu erhöhen. Amazon hob die Preise an und wies den Lieferanten an, den Konkurrenten Chewy zum Nachziehen aufzufordern. Chewy erhöhte die Preise am selben Tag für über zehn Produkte.
    • Möbel: Dem Lieferanten Armen Living drohte Amazon vor dem umsatzstarken Black Friday damit, vier Produkte zu sperren, da Konkurrenten günstiger waren. Armen Living entfernte daraufhin die Produkte bei der Konkurrenz. Anschließend stieg der Preis für einen Barhocker auf Amazon von 156,58 auf 172,97 US-Dollar und für einen Esszimmerstuhl von 103,56 auf 119,99 US-Dollar.
    • Drogerieartikel: Amazon sperrte vorübergehend Augentropfen des Herstellers Allergan, weil Walmart diese für 13,59 US-Dollar anbot. Erst nachdem Walmart den Preis auf 16,99 US-Dollar angehoben hatte, nahm Amazon das Produkt wieder in den Verkauf auf.

Weitere dokumentierte Fälle betreffen den Düngemittelhersteller Agrothrive, der nach Druck von Amazon dafür sorgte, dass Home Depot seine Preise anhob. Der Lieferant Songmic wurde gedrängt, Wayfair von Rabattaktionen für Mülleimer abzubringen. Bei all diesen Vorgängen macht Amazon keinen Hehl aus seinen Absichten. Einem Lieferanten schrieb das Unternehmen wörtlich: „Ich bin sehr entschlossen, Ihnen zu helfen, die Störenfriede auf dem Markt zu jagen“.

Verschleierungstaktiken und rechtliche Grundlage

Die Tragweite der Amazon Preisabsprachen geht laut den kalifornischen Behörden weit über die schriftlichen Beweise hinaus. Interne Schulungsunterlagen von Amazon belegen, dass Mitarbeiter angewiesen werden, sensible Preisdiskussionen nicht per E-Mail zu führen. Verhandlungen über Margen und Preise bei Konkurrenten sollen stattdessen zwingend mündlich am Telefon erfolgen, um keine schriftlichen Beweise zu hinterlassen.

Rechtlich stützt sich die Klage auf den kalifornischen Cartwright Act. Dieses Gesetz verbietet jegliche Vereinbarungen zur Preisfixierung oder Preismanipulation. Die kalifornische Rechtsprechung wertet horizontale und vertikale Preisabsprachen als illegales Verhalten, das auf dem Markt keinen Bestand haben darf.

Das Warten auf den Prozessbeginn

Um den Schaden für die Verbraucher zeitnah zu stoppen, hat Generalstaatsanwalt Bonta im Februar 2026 eine einstweilige Verfügung beantragt. Diese soll Amazon verbieten, weiterhin als Vermittler aufzutreten und Lieferanten zur Preiskontrolle bei Konkurrenten zu zwingen. Zudem fordern die Kläger die Einsetzung eines unabhängigen Kontrolleurs, der die Einhaltung dieser Vorgaben überwacht. Die Anhörung zu dieser einstweiligen Verfügung ist für den 23. Juli 2026 angesetzt. Der eigentliche Gerichtsprozess wird im Januar 2027 beginnen. Bis dahin bleibt abzuwarten, ob die Offenlegung dieser Praktiken den Konzern zu einer Anpassung seiner Geschäftsmodelle zwingt.

Faktenbox

 Amazon Preisabsprachen
KlägerDer Staat Kalifornien, vertreten durch Generalstaatsanwalt Rob Bonta
BeklagterAmazon.com, Inc.
Zentraler VorwurfIllegale Preisabsprachen und Manipulation von Einzelhandelspreisen bei Konkurrenten (Verstoß gegen den Cartwright Act)
Betroffene KonkurrentenWalmart, Target, Chewy, Best Buy, Home Depot, Wayfair u. a.
Datum der Beweisveröffentlichung20. April 2026
Anhörung zur einstweiligen Verfügung23. Juli 2026
Geplanter Prozessbeginn19. Januar 2027