Podcast: Anton und Stefan Naderer haben ihr Familienunternehmen zum Amazon-Erfolg geführt

Die Brüder Anton und Stefan Naderer führen das traditionsreiche Familienunternehmen Angerer Freizeitmöbel erfolgreich durch den Prozess der Digitalisierung. In einem aktuellen Fachgespräch mit Jan Bechler erläuterten die Unternehmer, wie die Überführung des Herstellers von Hollywoodschaukeln in die moderne Handelswelt gelang. Dabei stand insbesondere die Frage im Mittelpunkt, wie Angerer Freizeitmöbel die spezifischen Hürden beim Online-Vertrieb von großformatigen Gütern bewältigt und welche strategischen Entscheidungen das Wachstum auf digitalen Marktplätzen sichern.

📌 Auf einen Blick

Das Unternehmen Angerer Freizeitmöbel setzt auf ein Hybrid-Modell aus Vendor- und Seller-Status. Die Bewältigung von Logistik-Herausforderungen bei Sperrgut erfolgt über spezialisierte Speditionslösungen. Der Wandel wurde maßgeblich durch die Insolvenz klassischer Versandhändler und den daraus resultierenden Fokus auf E-Commerce vorangetrieben.

Angerer Freizeitmöbel: Digitale Transformation im Gartenmöbel-Sektor
Angerer Freizeitmöbel: Digitale Transformation im Gartenmöbel-Sektor

Ursprung und Entwicklung der Produktion bei Angerer Freizeitmöbel

Die Unternehmensgeschichte nahm ihren Anfang mit einer privaten Beobachtung während eines Urlaubs, die schließlich zur Produktion der ersten Hollywoodschaukeln führte. Was ursprünglich als kleine Fertigung konzipiert war, wuchs durch gezielte Kontakte auf Fachmessen zügig zu einem volumenstarken B2B-Geschäft heran. Über Jahrzehnte hinweg etablierte sich Angerer Freizeitmöbel als verlässlicher Partner für den stationären Handel und große Versandhäuser. Die Produktion in Deutschland blieb dabei ein zentrales Merkmal, um Qualitätsstandards zu sichern und flexibel auf Marktanforderungen reagieren zu können.

Der erzwungene Einstieg in den digitalen Handel

Ein struktureller Umbruch in der Handelslandschaft markierte einen Wendepunkt für den Betrieb. Die Insolvenz bedeutender Versandhäuser, die bis dahin wesentliche Abnahmemengen von Angerer Freizeitmöbel abgenommen hatten, erforderte ein Umdenken in der Vertriebsstrategie. Der Einstieg in den E-Commerce war somit keine rein optionale Entscheidung, sondern eine notwendige Reaktion auf wegbrechende Absatzkanäle. Die ersten Schritte erfolgten mit einer gewissen Improvisation über Plattformen wie eBay und den Aufbau eines eigenen Onlineshops. Diese Phase lieferte wichtige Erkenntnisse über die Anforderungen des direkten Endkundengeschäfts, die sich fundamental vom klassischen Großhandel unterscheiden.

Logistische Komplexität und spezifische Online-Lösungen

Der Vertrieb von Gartenmöbeln im Internet ist mit besonderen Schwierigkeiten verbunden, da es sich um saisonale und zugleich sperrige Produkte handelt. Für Angerer Freizeitmöbel stellte der Versand der massiven Hollywoodschaukeln eine logistische Hürde dar, da herkömmliche Paketdienste diese Formate nicht verarbeiten können. Die Lösung fand das Unternehmen unter anderem in speziellen Programmen für Speditionswaren auf Marktplätzen. Diese ermöglichen eine transparente Sendungsverfolgung und planbare Lieferzeiten für den Endkunden, was gerade bei hochpreisigen Investitionsgütern für den Gartenbereich ein entscheidendes Kriterium für die Kaufentscheidung darstellt.

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Die Hybrid-Strategie im Amazon-Ökosystem

Ein wesentlicher Teil des heutigen Erfolgs von Angerer Freizeitmöbel basiert auf einer differenzierten Plattform-Strategie. Das Unternehmen nutzt ein Hybrid-Setup, das die Vorteile des Vendor-Programms mit denen des Seller-Modells kombiniert. Während der Vendor-Status für eine hohe Grundsichtbarkeit und Vertrauen sorgt, erlaubt der Seller-Account eine präzisere Steuerung des Sortiments und der Preisgestaltung. Anton und Stefan Naderer betonten im Gespräch, dass diese Zweigleisigkeit notwendig ist, um auf die steigenden Werbekosten und den intensiven Wettbewerb flexibel reagieren zu können. Zusätzlich sichern gezielte Deal-Formate und Angebote die Aufmerksamkeit für das mittlerweile deutlich erweiterte Produktportfolio.

Wettbewerbsbedingungen und internationale Ausrichtung

Der digitale Marktplatz hat sich in den vergangenen Jahren stark gewandelt. Neben der reinen Produktqualität entscheiden zunehmend die Datenhoheit und die Effizienz des Marketings über den Erfolg. Angerer Freizeitmöbel sieht sich hierbei mit der Herausforderung konfrontiert, dass die Internationalisierung bei Sperrgut logistisch anspruchsvoller ist als bei Kleingütern. Hohe Transportkosten im Verhältnis zum Warenwert begrenzen den Aktionsradius im grenzüberschreitenden Handel. Dennoch arbeitet das Unternehmen kontinuierlich daran, seine Prozesse zu optimieren und die Marke auch über die DACH-Region hinaus digital zu festigen, um die Abhängigkeit von einzelnen Märkten zu reduzieren.

Faktenbox

Unternehmensprofil: Angerer Freizeitmöbel
GeschäftsführungAnton Naderer, Stefan Naderer
Hauptsitz & ProduktionDeutschland
KernsortimentHollywoodschaukeln, Auflagen, Sonnenschutz
VertriebsmodellHybrid (Vendor & Seller), Multi-Channel
Logistik-FokusSperrgut-Versand via Spedition

Kapitelmarken

    • (00:03:00) Wie entstand aus einer Urlaubsidee die Produktion von Hollywood-Schaukeln?
    • (00:05:07) Wie wurde aus einer kleinen Produktion durch Messekontakte schnell ein großes B2B-Geschäft?
    • (00:08:09) Wie führte die Insolvenz großer Versandhändler zum Einstieg in den E-Commerce?
    • (00:11:10) Warum sind große, saisonale Produkte eigentlich schwierig für den Onlinehandel?
    • (00:13:32) Wie sahen die ersten improvisierten Schritte im E-Commerce mit eBay und einfachem Shop aus?
    • (00:15:30) Wie entwickelte sich der Einstieg bei Amazon vom Seller-Account zum Vendor-Geschäft?
    • (00:17:49) Warum kann ein Hybrid-Setup aus Vendor und Seller strategische Vorteile bringen?
    • (00:22:01) Wie hat sich der Wettbewerb auf Amazon mit steigenden Werbekosten verändert?
    • (00:27:37) Warum ist Internationalisierung bei großen Produkten logistisch besonders schwierig?