Europäische Payment-Allianz: Wero, Vipps und Bizum starten gemeinsame Offensive
In einem großen Schritt zur Stärkung der finanziellen Unabhängigkeit Europas haben fünf der führenden Zahlungsdienstleister des Kontinents eine Absichtserklärung (Memorandum of Understanding) unterzeichnet. Die Kooperation zwischen Bancomat, Bizum, EPI (European Payments Initiative), SIBS-MB WAY und Vipps MobilePay zielt darauf ab, die Europäische Payment-Allianz auf ein neues Level zu heben. Ziel der Vereinbarung vom 2. Februar 2026 ist die Schaffung einer einheitlichen, souveränen Lösung für grenzüberschreitende Zahlungen, die bis zum Jahr 2027 vollständig implementiert sein soll. Durch die Vernetzung bestehender nationaler Systeme soll eine echte Alternative zu außereuropäischen Anbietern entstehen, die sowohl Händlern als auch Verbrauchern zugutekommt.
Stärkung der Souveränität durch die Europäische Payment-Allianz
Inhaltsverzeichnis
Die Unterzeichnung des MoU markiert einen Wendepunkt in der Strategie für den europäischen Zahlungsverkehr. In einer Zeit, in der der europäische Markt stark von internationalen Kartensystemen und Tech-Giganten aus den USA abhängig ist, formiert sich mit dieser erweiterten Kooperation ein wirkungsvolles Gegengewicht. Die Initiative wird nicht als theoretisches Konstrukt neu aufgebaut, sondern vernetzt bereits erfolgreiche nationale Lösungen. Bancomat (Italien), Bizum (Spanien), SIBS-MB WAY (Portugal) und Vipps MobilePay (Skandinavien), die bereits Mitglieder der sogenannten EuroPA Alliance sind, bündeln ihre Kräfte nun offiziell mit der EPI Company.
Diese strategische Zusammenführung unter dem Dach der Europäische Payment-Allianz demonstriert, dass europäische Banken und Zahlungsdienstleister über die notwendige Infrastruktur und Skalierbarkeit verfügen, um eine schnelle und konkrete Alternative bereitzustellen. Der Fokus liegt dabei auf der strategischen Autonomie. Durch den Aufbau eines zentralen Hubs sollen die fragmentierten Märkte Europas überwunden werden, ohne dass Nutzer ihre gewohnten Anwendungen wechseln müssen. Dies stellt sicher, dass Daten und Wertschöpfung innerhalb des europäischen Rechtsraums verbleiben.
Reichweite und Nutzerbasis der Initiative
Die Dimension des Vorhabens wird durch die aktuellen Nutzerzahlen der beteiligten Partner deutlich. Die Kooperation vereint Lösungen, die bereits heute von rund 130 Millionen Nutzern aktiv verwendet werden. Zum Startzeitpunkt wird die Initiative 13 europäische Länder umfassen. Dazu gehören Andorra, Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Italien, Luxemburg, die Niederlande, Norwegen, Portugal, Schweden und Spanien. Damit deckt die Europäische Payment-Allianz bereits etwa 72 Prozent der Bevölkerung der Europäischen Union und Norwegens ab.
Ein wesentlicher Aspekt der Vereinbarung ist die Offenheit des Systems. Die Koalition ist so konzipiert, dass weitere europäische Länder jederzeit beitreten können. Dies gilt auch für Nicht-Euro-Märkte wie die Schweiz. Länder, die bereits über eine etablierte nationale Lösung verfügen, können diese direkt an den zentralen Hub anbinden. Märkte ohne eigene nationale Lösung erhalten die Möglichkeit, eine der bereits im Rahmen der Initiative verfügbaren Technologien zu implementieren. Diese Flexibilität soll das Wachstum der Allianz beschleunigen und die Marktdurchdringung in den kommenden Jahren weiter erhöhen.
Technisches Modell der interoperablen Plattform
Das Kernstück der Kooperation bildet ein zentraler Interoperabilitäts-Hub. Dieser wird von einer zukünftigen, gemeinsam von den Partnern gegründeten Einheit betrieben. Der Hub fungiert als technische Schicht, die Transaktionen nahtlos zwischen den bestehenden paneuropäischen und nationalen Lösungen leitet. Die technische Basis bilden dabei europäische Standards und Infrastrukturen, insbesondere im Bereich der Echtzeitüberweisungen (Instant Payments).
Für den Endanwender ändert sich in der Handhabung wenig, was als entscheidender Erfolgsfaktor gewertet wird. Europäische Verbraucher nutzen weiterhin ihre bevorzugte lokale App, profitieren jedoch von einer deutlich erweiterten Reichweite. Ein Nutzer aus Deutschland kann beispielsweise mit seiner gewohnten App in einem Geschäft in Portugal bezahlen oder Geld an einen Freund in Norwegen senden. Um die Akzeptanzstellen im Ausland erkennbar zu machen, werden die Lösungen ein neues gemeinsames Markenzeichen (Badge) neben ihren bestehenden Logos einführen. Dies signalisiert dem Verbraucher auf einen Blick, wo seine heimische Lösung über die Europäische Payment-Allianz akzeptiert wird.
Zeitplan für die vollständige Integration
Mit der Unterzeichnung des MoU wurde der Abschluss der Machbarkeitsphase offiziell bestätigt. Das Projekt wechselt nun in die Implementierungsphase. Der Zeitplan ist ambitioniert, aber klar strukturiert. Im ersten Halbjahr 2026 werden die Partner die zentrale Interoperabilitäts-Einheit gründen und die technische Umsetzung der Zielstruktur vorbereiten. Parallel dazu werden Proof-of-Concepts (PoCs) durchgeführt, um die Stabilität und Sicherheit des Systems zu gewährleisten.
Die Einführung der Funktionen erfolgt schrittweise. Noch im Jahr 2reise 2026 ist der Rollout von grenzüberschreitenden Peer-to-Peer-Zahlungen (P2P) geplant. Dies ermöglicht es Privatpersonen, Geld über Ländergrenzen hinweg in Echtzeit zu versenden. Im Jahr 2027 folgt dann der zweite große Schritt: die Einführung von Zahlungen im E-Commerce und am Point-of-Sale (POS). Damit wird die volle Funktionalität für den Einzelhandel und den Online-Handel erreicht. Händler profitieren dabei von der Möglichkeit, Zahlungen von europäischen Verbrauchern über eine europäische Lösung zu akzeptieren, was die Abhängigkeit von internationalen Zahlungsabwicklern reduziert.
Stimmen der Partner zur Kooperation
Die Führungskräfte der beteiligten Unternehmen betonen die Bedeutung dieses Schrittes für den Binnenmarkt. Fabrizio Burlando von Bancomat sieht in dem MoU einen entscheidenden Schritt hin zu einem echten paneuropäischen Zahlungsnetzwerk. Die Richtung sei vorgegeben und die Dynamik real. Ángel Nigorra von Bizum hebt hervor, dass Europa nun die Vision und die Skalierbarkeit besitze, um eine robuste Alternative anzubieten. Die bisherigen Erfolge der EuroPA Alliance, die bereits Spanien, Italien und Portugal verbindet, hätten gezeigt, dass die Systeme effizient arbeiten.
Martina Weimert, CEO von EPI, unterstreicht, dass Lösungen wie Wero bereits in mehreren Ländern aktiv sind und durch die Vernetzung nun das Fundament für ein echtes Ökosystem gelegt wird. Auch Teresa Mesquita von SIBS und Rune Garborg von Vipps MobilePay betonen den Nutzen für den Alltag der Menschen. Wenn Zahlungen wirklich einfach sein sollen, müsse das Senden von Geld über Grenzen hinweg genauso unkompliziert sein wie eine Inlandszahlung. Die Europäische Payment-Allianz bringe genau diese Erfahrung in die Apps, denen die Nutzer bereits vertrauen.
Zukunftsaussichten für den Zahlungsverkehr
Die Initiative stellt eine Zäsur im europäischen Zahlungsmarkt dar. Durch die Bündelung der Kräfte von etablierten nationalen Champions und der paneuropäischen EPI entsteht ein Netzwerk, das in Bezug auf Nutzerzahl und Akzeptanzstellen aus dem Stand heraus wettbewerbsfähig ist. Der Fokus auf Instant Payments als technologische Basis garantiert zudem eine hohe Geschwindigkeit und Effizienz der Transaktionen.
Für Händler und Dienstleister eröffnet sich die Perspektive, Transaktionskosten zu optimieren und gleichzeitig Kunden aus ganz Europa mit deren gewohnten Zahlungsmitteln bedienen zu können. Die schrittweise Einführung bis 2027 gibt allen Marktteilnehmern ausreichend Zeit, sich auf die neuen Standards einzustellen. Sollte der Zeitplan eingehalten werden, könnte Europa bis Ende des Jahrzehnts über eine Zahlungsverkehrsinfrastruktur verfügen, die in Bezug auf Souveränität und Leistungsfähigkeit weltweit Standards setzt.
Faktenbox
| Faktenbox: Europäische Zahlungsinitiative 2026 | |
|---|---|
| Beteiligte Partner | Bancomat, Bizum, EPI, SIBS-MB WAY, Vipps MobilePay |
| Datum der Unterzeichnung | 2. Februar 2026 |
| Nutzerbasis | Ca. 130 Millionen Nutzer |
| Geografische Abdeckung | 13 Länder (u.a. DE, FR, IT, ES, PT, NO, SE, DK, FI) |
| Zeitplan Rollout | 2026: P2P-Zahlungen 2027: E-Commerce und POS-Zahlungen |
| Technologie | Zentraler Interoperabilitäts-Hub, Instant Payments |
| Zielsetzung | Schaffung einer souveränen, paneuropäischen Zahlungslösung |
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