Hatespeech: Neue Zahlen zeigen 2025 einen deutlichen Anstieg der Hassrede im Netz

Im 1. Quartal 2025 hat rund ein Drittel der Internetnutzenden in Deutschland Hatespeech im Netz wahrgenommen. Das geht aus neuen Zahlen des Statistischen Bundesamts hervor. Die Daten zeigen, dass Hassbotschaften im Vergleich zu 2023 spürbar häufiger registriert werden – insbesondere bei jüngeren Nutzenden und in Verbindung mit politischen oder gesellschaftlichen Themen.

Hatespeech: Neue Zahlen zeigen 2025 einen deutlichen Anstieg der Hassrede im Netz
Hatespeech: Neue Zahlen zeigen 2025 einen deutlichen Anstieg der Hassrede im Netz

Wahrnehmung steigt seit 2023 spürbar an

Im Zeitraum von Januar bis März 2025 sahen nach eigener Einschätzung 34 Prozent der Internetnutzenden Inhalte, die sie als Hassrede einordneten. Das entspricht rund 19,6 Millionen Personen im Alter von 16 bis 74 Jahren. Unter Hatespeech werden Informationen oder Kommentare verstanden, die feindselig oder erniedrigend gegenüber Personen oder Gruppen formuliert sind – unabhängig davon, ob sich diese Angriffe gegen die Betroffenen selbst oder gegen Dritte richten.

Der Vergleich mit dem Jahr 2023 zeigt eine deutliche Zunahme: Damals gaben 28 Prozent der Internetnutzenden an, mit Hasspostings konfrontiert gewesen zu sein. Die Daten belegen somit, dass die Wahrnehmung von Hassrede innerhalb von nur zwei Jahren um sechs Prozentpunkte gestiegen ist. Dieser Trend unterstreicht die zunehmende gesellschaftliche Bedeutung des Themas und zeigt, dass digitale Kommunikationsräume weiterhin stark polarisiert sind.

Jüngere Internetnutzende berichten besonders häufig von Hatespeech

Die Häufigkeit der Begegnungen mit Hatespeech unterscheidet sich deutlich zwischen den Altersgruppen. Besonders auffällig: Jüngere sehen Hatespeech wesentlich häufiger als ältere Nutzerinnen und Nutzer. Knapp die Hälfte der 16- bis 44-Jährigen (43 Prozent) nahm entsprechende Beiträge wahr. 2023 lag dieser Wert noch bei 36 Prozent.

In der Altersgruppe zwischen 45 und 64 Jahren fiel der Anteil mit 27 Prozent deutlich geringer aus. Auch die 65- bis 74-Jährigen begegneten seltener Hetze im Netz: Nur 20 Prozent registrierten feindselige Inhalte. Allerdings zeigt auch hier der Vergleich mit 2023, dass die Wahrnehmung ansteigt: Damals lag der Wert bei nur 14 Prozent.

Damit zeigt sich, dass Hatespeech vor allem für jüngere Internetnutzende zum Alltag gehört. Eine mögliche Erklärung liegt im stärkeren Engagement dieser Gruppe in sozialen Netzwerken, die besonders anfällig für polarisierende Inhalte und aggressive Kommunikationsformen sind.

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Politische und gesellschaftliche Ansichten häufigster Angriffspunkt bei Hatespeech

Hatespeech kann sich auf vielfältige Eigenschaften oder Überzeugungen von Personen beziehen. Die Erhebung zeigt klar: Politische und gesellschaftliche Ansichten sind weiterhin der häufigste Anlass für feindselige Kommentare. 85 Prozent der Befragten, die Hatespeech wahrgenommen haben, gaben diesen Bereich als Angriffspunkt an. Gegenüber 2023 (79 Prozent) ist das ein deutlicher Anstieg um sechs Prozentpunkte.

Auch rassistische oder ethnisch motivierte Angriffe sind weit verbreitet. 62 Prozent registrierten solche Inhalte – ebenfalls ein Plus gegenüber 2023. Angriffe aufgrund sexueller Orientierung wurden von 53 Prozent wahrgenommen, während 52 Prozent Hassrede in Zusammenhang mit Religion oder Weltanschauung beobachteten. In beiden Bereichen sind die Zahlen seit 2023 ebenfalls gestiegen.

Weniger häufig wurde Hatespeech aufgrund des Geschlechts (39 Prozent) oder einer Behinderung (25 Prozent) wahrgenommen. Die Werte liegen damit nahezu auf dem Niveau der Vorjahreserhebung.

Desinformation bleibt eng mit Hatespeech verknüpft

Neben Hatespeech wird auch Desinformation zunehmend als problematisch wahrgenommen. 54 Prozent der Internetnutzenden stießen im 1. Quartal 2025 auf Inhalte, die sie als Fake News einordneten – ein Anstieg um sechs Prozentpunkte im Vergleich zu 2023. Die parallele Entwicklung deutet darauf hin, dass Hatespeech und irreführende Informationen häufig in denselben Kommunikationsräumen auftreten und sich gegenseitig verstärken können.

Gerade in politischen Debatten, bei gesellschaftlichen Konflikten oder in Krisenzeiten sind Fehlinformationen und aggressiver Sprachgebrauch eng miteinander verknüpft. Die steigende Wahrnehmung dieser Probleme wirft Fragen nach digitalen Schutzmechanismen, Plattformverantwortung und der Rolle staatlicher Aufklärung auf.

Methodischer Hintergrund und Bedeutung für die öffentliche Debatte

Die Daten stammen aus der EU-weit harmonisierten Erhebung zur Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) in privaten Haushalten. Befragt werden Personen im Alter von 16 bis 74 Jahren. Rund 95 Prozent dieser Altersgruppe nutzen das Internet – 2025 entsprach das 58,1 Millionen Personen. Damit bieten die Ergebnisse einen breiten Einblick in die digitale Alltagserfahrung der Bevölkerung.

Die zunehmende Wahrnehmung von Hassbotschaften deutet auf verschärfte Konflikte im digitalen Raum hin. Während Hatespeech seit Jahren ein Thema gesellschaftlicher und politischer Diskussionen ist, zeigen die neuen Zahlen, dass das Problem weiterhin an Bedeutung gewinnt. Die digitale Öffentlichkeit bleibt geprägt von Debatten über Meinungsfreiheit, Moderationspraktiken und mögliche gesetzliche Regulierungen. Für Plattformbetreiber, Politik und Gesellschaft stellt sich die Frage, wie ein Gleichgewicht zwischen freier Meinungsäußerung und dem Schutz vor feindseliger Kommunikation erreicht werden kann.

Wie geht die Entwicklung?

Ob die Wahrnehmung von Hassrede in den kommenden Jahren weiter steigt, hängt von mehreren Faktoren ab: der Dynamik politischer Debatten, der Umsetzung neuer Regulierungen und den Maßnahmen der Plattformbetreiber zur Eindämmung toxischer Inhalte. Klar ist jedoch schon heute: Hatespeech bleibt ein zentrales Thema der digitalen Gesellschaft, das sowohl technische als auch gesellschaftliche Lösungen erfordert.

Faktenbox

Hatespeech
Internetnutzende, die Hatespeech wahrnahmen34 % (19,6 Mio. Personen)
Steigerung gegenüber 2023+6 Prozentpunkte
Häufigste AngriffspunktePolitische und gesellschaftliche Ansichten (85 %)
Hatespeech bei 16- bis 44-Jährigen43 %
Beobachtete Fake News 202554 % der Internetnutzenden