Digitale Barrieren kosten Online-Handel Millionenumsätze

Beim diesjährigen Black Friday zeigt eine aktuelle Umfrage des Unternehmens AccessiWay in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut Civey ein deutliches Problem: Digitale Barrieren behindern fast ein Fünftel der deutschen Online-Käufer. Etwa 20 % der Befragten gaben an, dass sie beim Aktions-Shopping auf Hindernisse stoßen, die eine barrierefreie Nutzung verhindern. Die Folgen reichen von Frustration bis hin zu Kaufabbrüchen – mit spürbaren Auswirkungen auf den Umsatz des Online-Handels.

Digitale Barrieren kosten Online-Handel Millionenumsätze
Digitale Barrieren kosten Online-Handel Millionenumsätze

Unübersichtliche Seiten und Pop-ups als Hauptproblem

Die größten digitalen Barrieren im Online-Shopping entstehen laut der Umfrage durch schwer schließbare Werbefenster und Pop-ups (18 %) sowie unübersichtliche Webseiten-Strukturen (17 %). Zu kleine Schriftgrößen und schwer verständliche Texte wurden jeweils von rund 5 % der Befragten genannt. Diese Ergebnisse verdeutlichen, dass es beim Design von Aktionsseiten nicht nur um Ästhetik geht, sondern um Zugänglichkeit für alle Nutzergruppen.

Wirtschaftliche Risiken durch digitale Barrieren

Was auf den ersten Blick wie ein reines Designproblem wirkt, entwickelt sich zunehmend zu einem wirtschaftlichen Risiko. Rund 20 % der befragten Konsumenten gaben an, Einkäufe am Black Friday abgebrochen zu haben, weil Webseiten oder Apps für sie nicht zugänglich waren. Diese digitalen Barrieren führen damit direkt zu Umsatzverlusten.
„Wer an Barrierefreiheit spart, verschenkt nicht nur potenzielle Kunden, sondern auch bares Geld“, erklärt Jan Stedul, Managing Director Germany bei AccessiWay. Barrierefreiheit werde heute nicht mehr als Zusatz verstanden, sondern als Grundlage funktionaler und wirtschaftlicher Qualität.

Jüngere Nutzergruppen besonders betroffen

Besonders auffällig ist, dass die digitalen Barrieren nicht nur ältere Menschen betreffen, sondern auch die jüngere, technikaffine Zielgruppe. Bei den 18- bis 29-Jährigen nannten 31 % Werbefenster und Pop-ups als größtes Hindernis, bei den 30- bis 39-Jährigen sogar 33 %.
Auch die unübersichtliche Seitenstruktur bereitet vielen Schwierigkeiten: 23 % der 18- bis 29-Jährigen und 35 % der 30- bis 39-Jährigen gaben an, sich beim Aktions-Shopping regelmäßig zu verirren. Damit wird deutlich, dass digitale Barrieren kein Randphänomen sind, sondern ein strukturelles Problem des E-Commerce.

Barrierefreiheit als gesetzliche Pflicht und Business-Chance

Seit Juni 2025 gilt in Deutschland das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG), das auf dem European Accessibility Act (EAA) basiert. Es verpflichtet Unternehmen, ihre digitalen Angebote barrierefrei zu gestalten. Verstöße können Bußgelder und Reputationsschäden nach sich ziehen.
Gleichzeitig eröffnet die Beseitigung von digitalen Barrieren neue wirtschaftliche Chancen: Wer Webseiten und Apps zugänglich macht, erweitert seine Zielgruppen, stärkt das Vertrauen der Kunden und reduziert Absprungraten. In Frankreich und Österreich laufen bereits erste Verfahren gegen Unternehmen, die den gesetzlichen Anforderungen nicht nachkommen – Deutschland dürfte bald folgen.

Accessibility als Wettbewerbsfaktor

Die aktuellen Zahlen zeigen, dass digitale Barrieren längst ein zentrales Thema für den gesamten Online-Handel geworden sind. Mit der zunehmenden Bedeutung von Aktions- und Rabattkampagnen wie dem Black Friday oder Cyber Monday steigt der Druck auf Händler, ihren Webauftritt technisch und strukturell zu optimieren.

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Wer frühzeitig auf barrierefreies Design setzt, sichert sich nicht nur rechtlich ab, sondern verbessert auch die Conversion Rates und Kundenzufriedenheit. Barrierefreiheit wird damit zum echten Wettbewerbsfaktor – und zur Voraussetzung, um die digitale Teilhabe für alle zu gewährleisten.

Digitale Barrieren sind längst kein Randthema mehr. Sie beeinflussen Nutzererfahrung, Umsatz und rechtliche Compliance gleichermaßen. Unternehmen, die ihre Online-Angebote barrierefrei gestalten, schaffen nicht nur einen faireren Zugang, sondern sichern sich langfristig auch wirtschaftliche Vorteile.

Faktenbox

Zentrale Fakten zu digitalen Barrieren im Online-Handel
20 %der deutschen Konsumenten stoßen beim Online-Shopping auf digitale Barrieren.
18 %sehen schwer schließbare Pop-ups und Werbefenster als Hauptproblem.
17 %nennen unübersichtliche Webseiten-Strukturen als Barriere beim Shopping.
31 % / 33 %der 18- bis 39-Jährigen sind besonders häufig von Pop-ups betroffen.
Seit Juni 2025gilt das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) für digitale Angebote.