Drogerien bereiten Einstieg in den Arzneimittelhandel vor
Die Drogerieketten dm, Rossmann und Lidl wollen in den Versand rezeptfreier Medikamente (Medikamentenversand) einsteigen. dm plant „in den nächsten Wochen“ eine eigene Online-Apotheke zu eröffnen. Über diese soll dm rezeptfreie Arzneimittel aus der Tschechischen Republik versenden. Auch Rossmann arbeitet bereits an einem eigenen Versandgeschäft – voraussichtlich mit einem Logistikzentrum in den Niederlanden – und auch Lidl sondiert nach Branchenkreisen Möglichkeiten für eine Versandapotheke. In allen Fällen ist noch offen, wann genau der Versand starten kann, da noch behördliche Genehmigungen ausstehen; dm rechnet aber damit, dass diese „bald erfolgen“ werden.
Geplante Versandapotheken bei dm, Rossmann und Lidl
Inhaltsverzeichnis
Bei dm ist der Einstieg in den Medikamentenversand offiziell angekündigt: Unternehmenschef Christoph Werner erklärte, man habe im tschechischen Bor (Tschechien) eine eigene Versandapotheke gegründet und plane deren Start „im Kalenderjahr 2025“. Die Apotheke wird ausschließlich apothekenpflichtige, also rezeptfreie (OTC) Medikamente sowie apothekenexklusive Kosmetik führen. Den Behörden zufolge muss in Deutschland weiterhin jede Versandapotheke von approbierten Apothekern geleitet werden. Rossmann soll laut Medienberichten parallel an einem Versand für rezeptfreie Arzneimittel arbeiten – hier ist ein Verteilzentrum in den Niederlanden vorgesehen. Lidl befindet sich eigenen Angaben nach noch in Gesprächen mit möglichen Partnern für einen solchen Dienst.
Strategische Hintergründe
Für dm ist der Vorstoß ein Bestandteil einer breiteren Gesundheitsstrategie. Geschäftsführer Werner betont in einer Mitteilung, das Gesundheitssystem brauche angesichts steigender Kosten einen „fundamentalen Wandel“ hin zu mehr Prävention und Gesundheitsförderung. Parallel dazu hat dm bereits umfangreiche Gesundheitsangebote eingeführt: Seit August 2025 testet das Unternehmen in ausgewählten Filialen neue Services wie Augenscreenings, KI-gestützte Hautanalysen und Blutuntersuchungen. Gleichzeitig investiert dm massiv in seine Filialen: Rund 1 Milliarde Euro wurden bislang für die Modernisierung der Märkte ausgegeben. Damit will dm seine Omnichannel-Strategie stärken und das Vertrauen der Kunden weiter ausbauen.
Mögliche Auswirkungen auf den Apothekenmarkt
Der Markt für rezeptfreie Arzneimittel in Deutschland umfasst rund 12 Milliarden Euro Jahresumsatz. Etwa ein Viertel davon wird bereits heute online über Versandapotheken abgewickelt. Experten rechnen damit, dass dm, Rossmann und Lidl dank ihrer großen Kundenbasis und digitalen Infrastruktur schnell Marktanteile gewinnen könnten: In einer Umfrage sagten etwa zwei Drittel der Befragten, sie könnten sich vorstellen, rezeptfreie Medikamente bei dm oder Rossmann zu kaufen.
Die traditionellen Apotheken sehen die Pläne kritisch. Branchenkenner warnen, dass die Drogerien weitere Kundschaft abwerben und lokal zu finanziellen Schwierigkeiten für Apotheken führen könnten. So gilt dm in der Apothekenszene bereits als „Endgegner“ – unter anderem wegen des hohen Markenvertrauens und der aktiven Kundenbasis, die das Unternehmen mitbringt. Verschreibungspflichtige Arzneimittel bleiben allerdings weiterhin exklusiv den klassischen Apotheken vorbehalten. Insgesamt dürfte der Einstieg der Drogerieketten den Wettbewerb im Medikamentenversand erhöhen und tendenziell zu sinkenden Preisen für rezeptfreie Medikamente führen.
Faktenbox
| Zahlen und Fakten zum Medikamentenversand | |
|---|---|
| Drogerieketten | dm, Rossmann, Lidl |
| Marktvolumen (rezeptfrei) | ca. 14 Milliarden Euro Jahresumsatz |
| Online-Anteil | ≈ 25 % des Umsatzes rezeptfreier Medikamente |
| DM: Versandstart | voraussichtlich Ende 2025 |
| DM: Versandort | Tschechische Republik (Bor) |
| Rossmann: Logistik | Verteilzentrum in den Niederlanden (geplant) |
| Lidl: Status | Gespräche mit Partnern laufen |
| Zulässige Medikamente | Nur rezeptfreie OTC-Produkte; verschreibungspflichtige Mittel bleiben Apotheken vorbehalten |
| Rechtslage | Versand nur über registrierte Apotheken; Apotheker-Leitung zwingend |
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