Online-Lebensmittelhandel: Zwischen Wachstum und Skepsis

Der Online-Lebensmittelhandel in Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren dynamisch entwickelt. Eine aktuelle Studie von KPMG in Kooperation mit dem EHI zeigt, dass digitale Bestellmodelle inzwischen fester Bestandteil des Einkaufsalltags vieler Haushalte sind. Gleichzeitig bestehen Zweifel, insbesondere bei Frische und Zusatzkosten, fort.

Online-Lebensmittelhandel: Zwischen Wachstum und Skepsis
Online-Lebensmittelhandel: Zwischen Wachstum und Skepsis

Neue Routinen prägen den Markt

Die Untersuchung verdeutlicht, dass der digitale Lebensmitteleinkauf längst kein pandemiebedingtes Nischenphänomen mehr ist. Vor allem Mehrpersonenhaushalte greifen regelmäßig auf Lieferdienste zurück. Besonders in städtischen Regionen zeigt sich ein stark ausgeprägtes Nutzungsverhalten. Haushalte mit mehr als zwei Personen zählen zu den intensivsten Anwendern, da größere und vielfältigere Warenkörbe den Komfort digitaler Angebote besonders attraktiv machen.

Online-Lebensmittelhandel: Unterschiede zwischen Generationen und Regionen

Die Ergebnisse des KPMG Consumer Barometers 02/25 legen deutliche Unterschiede nach Alter und Lebensraum offen. Rund 24 Prozent der 18- bis 33-Jährigen kaufen regelmäßig Lebensmittel online, während es bei den 50- bis 65-Jährigen nur 12 Prozent sind. Noch klarer zeigt sich das Stadt-Land-Gefälle: In urbanen Räumen wird der Online-Lebensmittelhandel im Schnitt 3,5-mal häufiger genutzt als auf dem Land.

Ernährungstrends beeinflussen die Nutzung

Besonders auffällig ist die hohe Nutzung durch vegane Konsumenten. Laut Studie greifen 36 Prozent dieser Gruppe häufig bis sehr häufig auf reine Online-Supermärkte zurück, gefolgt von Quick-Commerce-Diensten mit 32 Prozent. Damit zeigt sich, dass Ernährungspräferenzen ein entscheidender Faktor für die Wahl digitaler Einkaufsmodelle sind.

Vorteile und Hürden im digitalen Einkauf

Die Studie nennt deutliche Vorteile des Online-Lebensmittelhandels: Zeitersparnis, Bequemlichkeit und die Entlastung des Alltags. Dennoch bestehen zentrale Hürden. Viele Kunden stören sich daran, Produkte nicht selbst auswählen zu können. Zweifel an der Frische sowie zusätzliche Kosten zählen ebenfalls zu den größten Hemmnissen. Auch die Umweltbelastung durch Lieferungen wird als Hindernis wahrgenommen, liegt jedoch im Ranking der Nachteile erst auf Platz vier.

Perspektiven und Chancen für Handel und Industrie

Nach Angaben von KPMG und EHI nutzt mittlerweile rund jeder Fünfte in Deutschland Online-Lieferdienste für Lebensmittel. Ein Drittel der Befragten plant, künftig häufiger online einzukaufen. Damit eröffnet sich für Händler und Hersteller die Möglichkeit, ihr Angebot noch stärker an den Alltag der Verbraucher anzupassen. Experten betonen, dass drei Faktoren entscheidend sind: Zeitgewinn, garantierte Frische und transparente Kosten.

Anzeige

Ausblick auf die weitere Entwicklung

Der Online-Lebensmittelhandel in Deutschland steht an einem Wendepunkt. Während die Akzeptanz wächst und bestimmte Konsumentengruppen wie junge Erwachsene und Veganer überdurchschnittlich häufig digitale Angebote nutzen, bleiben die Zweifel bestehen. Entscheidend wird sein, wie Handel und Industrie diese Hürden adressieren und gleichzeitig innovative Lösungen für eine nachhaltige und flexible Distribution entwickeln.

Faktenbox

Kernaussagen der Studie
Nutzungsrate 18-33 Jahre24 Prozent kaufen regelmäßig online ein
Nutzungsrate 50-65 JahreNur 12 Prozent nutzen digitale Lieferdienste
Stadt-Land-Gefälle3,5-mal höhere Nutzung in Städten
Vegan lebende Konsumenten36 Prozent nutzen häufig Online-Supermärkte
HauptvorteileZeitersparnis, Bequemlichkeit, Alltagserleichterung
HürdenZweifel an Frische, fehlende Auswahl, Zusatzkosten, Umweltbelastung
ZukunftsperspektiveEin Drittel möchte künftig häufiger online einkaufen