Operation Eastwood gegen NoName: Internationaler Schlag gegen pro-russisches Cybernetzwerk
Mit der Operation Eastwood gegen NoName haben internationale Strafverfolgungsbehörden einen bedeutenden Schlag gegen ein pro-russisches Cybercrime-Netzwerk geführt. Zwischen dem 14. und 17. Juli 2025 koordinierten Europol und Eurojust eine breit angelegte Aktion gegen die Gruppierung NoName057(16), die für zahlreiche DDoS-Angriffe auf ukrainische und westliche Ziele verantwortlich gemacht wird. Dabei wurden Server abgeschaltet, Verdächtige identifiziert und Unterstützer gewarnt.
Zielgerichtete Maßnahmen in zwölf Ländern
Inhaltsverzeichnis
Im Rahmen der Operation Eastwood gegen NoName wurden über 100 Server weltweit vom Netz genommen. Ein großer Teil der zentralen Infrastruktur des Netzwerks konnte deaktiviert werden. In Deutschland wurden sechs internationale Haftbefehle gegen mutmaßliche Täter ausgestellt, darunter zwei Hauptverantwortliche. Insgesamt wurden sieben Haftbefehle erlassen, zwei Festnahmen (in Frankreich und Spanien) durchgeführt, 24 Objekte durchsucht und 13 Personen befragt.
Die Maßnahmen erfolgten in enger Zusammenarbeit mit Behörden aus Tschechien, Frankreich, Finnland, Italien, Litauen, Polen, Spanien, Schweden, der Schweiz, den Niederlanden und den USA. Unterstützung kam zudem aus Belgien, Kanada, Dänemark, Estland, Lettland, Rumänien und der Ukraine.
NoName057(16): Ideologisch motivierte Angriffe mit technischer Breitenwirkung
Das Ziel der Gruppierung NoName057(16) waren ursprünglich ukrainische Institutionen. Im Laufe der Zeit verlagerten sich die Angriffe im Zuge des russischen Angriffskriegs auf Staaten, die die Ukraine politisch und militärisch unterstützen. In Deutschland registrierten Ermittler seit Ende 2023 rund 14 Angriffswellen auf über 250 Institutionen und Unternehmen.
Die Angriffe erfolgten meist in Form von sogenannten Distributed-Denial-of-Service-Attacken (DDoS), bei denen Server und Webseiten mit massenhaften Anfragen überlastet werden. Diese Aktionen wurden in der Regel von russischsprachigen Sympathisanten durchgeführt, die über einfache Tools verfügten und keine besondere IT-Ausbildung benötigten.
Digitale Manipulation und Krypto-Zahlungen
Im Zuge der Operation Eastwood gegen NoName wurden auch die Methoden der Rekrutierung aufgedeckt. Die Gruppierung verbreitete Anleitungen, Updates und Propaganda über Messaging-Apps und russische Foren. Neue Unterstützer wurden über „Gamification“ motiviert – durch Ranglisten, digitale Abzeichen und Anerkennung in der Community.
Zusätzlich erhielten Teilnehmer Kryptowährungszahlungen für ihre Aktivitäten, was eine Mischung aus ideologischer Überzeugung und finanziellen Anreizen erzeugte. Besonders junge Menschen wurden gezielt angesprochen, häufig über Gaming- oder Hacker-Plattformen.
Europol und Eurojust koordinieren komplexe Maßnahmen
Die Operation Eastwood gegen NoName wurde von einem zentralen Koordinationszentrum bei Europol geleitet. Über ein virtuelles Kommandozentrum waren alle beteiligten Länder in Echtzeit miteinander verbunden. Zudem ermöglichte Eurojust die rechtliche Abstimmung und unterstützte bei europäischen Ermittlungsanordnungen und Rechtshilfeersuchen.
Neben den Strafverfolgungsbehörden waren auch technische Partner wie ENISA, ShadowServer und abuse.ch eingebunden. Europol stellte forensische und analytische Expertise sowie Krypto-Tracking zur Verfügung. Auch eine Präventionskampagne zur Abschreckung potenzieller Unterstützer wurde über soziale Medien umgesetzt.
Bedeutung und Ausblick
Die Operation Eastwood gegen NoName gilt als Meilenstein in der Bekämpfung ideologisch motivierter Cyberangriffe. Mit der Deaktivierung der technischen Infrastruktur und der Öffentlichmachung von Haftbefehlen wurde ein starkes Signal gegen staatlich unterstützte Cyberkriminalität gesetzt. Ob die Zerschlagung des Netzwerks langfristig Bestand hat, bleibt abzuwarten. Klar ist jedoch, dass DDoS-Angriffe im geopolitischen Kontext weiterhin ein ernstzunehmendes Risiko darstellen.
Europol kündigte an, die internationale Zusammenarbeit zu intensivieren, um ähnliche Gruppen frühzeitig zu identifizieren und systematisch zu bekämpfen.