Produktsicherheit in Onlineshops: Neue Studien zeigen gravierende Schwächen

Immer mehr Konsumgüter werden über Online-Marktplätze gekauft – doch die Produktsicherheit in Onlineshops lässt vielfach zu wünschen übrig. Zwei aktuelle Untersuchungen, darunter der neue Bericht des Transatlantic Consumer Dialogue (TACD) sowie eine Analyse des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), zeigen deutliche Schwächen bei der Kontrolle und Nachverfolgbarkeit von Produkten auf Plattformen wie Amazon, AliExpress, Temu und anderen.

Produktsicherheit in Onlineshops: Neue Studien zeigen gravierende Schwächen
Produktsicherheit in Onlineshops: Neue Studien zeigen gravierende Schwächen

Vielzahl unsicherer Produkte im Umlauf

Der im Mai 2025 veröffentlichte Bericht des TACD dokumentiert gravierende Sicherheitsmängel bei einer Vielzahl von Produkten, die über Onlineshops und Marktplätze verkauft wurden. Besonders betroffen: Elektronik, Kinderspielzeug, Haushaltsgeräte und Kosmetikartikel. Tests von Verbraucherorganisationen aus der EU, dem Vereinigten Königreich und den USA zeigten, dass viele Produkte geltende Sicherheitsanforderungen nicht erfüllen. Häufige Mängel waren fehlerhafte CE-Kennzeichnung, fehlende Sicherheitswarnungen oder gefährliche Inhaltsstoffe.

Ein Beispiel: Bei Untersuchungen von USB-Ladegeräten fielen über 80 Prozent der getesteten Produkte durch, zum Teil wegen akuter Brandgefahr. Auch bei Babyartikeln, wie Tragehilfen oder Spielzeug, wurden wiederholt lebensgefährliche Risiken festgestellt. Trotz Produktentfernungen konnten viele Artikel problemlos erneut eingestellt werden.

Digitale Marktplätze im Visier der Aufsichtsbehörden

Ein zentrales Problem bei der Produktsicherheit in Onlineshops: Die Verantwortung für die Produktsicherheit in Onlineshops ist häufig unklar geregelt. Zwar gelten EU-weit Vorschriften wie die Marktüberwachungsverordnung und das neue Produktsicherheitsrecht (GPSR), doch Online-Marktplätze können sich oft auf Drittanbieter berufen. Der TACD fordert deshalb eine klare Haftung auch für Plattformbetreiber – einschließlich verpflichtender Sicherheitsprüfungen bei der Produktlistung und systematischer Kontrollen bei Drittanbietern.

Die Verbraucherschützer betonen, dass der Sicherheitsstandard bei Online-Einkäufen dem im stationären Handel entsprechen müsse. Die Realität zeigt jedoch, dass Marktplätze oft erst auf Druck von NGOs oder Medien tätig werden.

Umsetzung des Digital Services Act (DSA) bleibt lückenhaft

Auch der vzbv kommt in seiner Untersuchung vom Juni 2025 zu einem kritischen Fazit. Im Rahmen der Überprüfung von zehn großen Plattformen – darunter Temu, Shein, Amazon und Zalando – wurde analysiert, inwiefern die Vorgaben des DSA (Artikel 30 und 31) tatsächlich umgesetzt werden. Zwar sind die Händlerregistrierungen formal aufwendig und erfordern Identitätsnachweise, doch aus Nutzersicht bleiben viele Pflichtangaben unvollständig oder unverständlich.

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So fehlten bei vielen untersuchten Produktseiten nachvollziehbare Angaben zu Händleradressen, verantwortlichen Wirtschaftsakteuren in der EU oder Kontaktdaten. In etlichen Fällen waren Rückverfolgbarkeit und Produktsicherheit für Verbraucher kaum nachvollziehbar, obwohl dies laut DSA eigentlich gewährleistet sein müsste.

Verbraucherschutzorganisationen fordern mehr Transparenz

Die Erkenntnisse beider Berichte zeigen deutlich: Die Produktsicherheit in Onlineshops bleibt eine regulatorische Baustelle. Der vzbv fordert daher Nachschärfungen bei der technischen Ausgestaltung der Marktplätze sowie strengere Verpflichtungen zur Produktkennzeichnung. Auch müssten Behörden besser ausgestattet werden, um Verstöße effektiv verfolgen zu können.

Der TACD geht noch weiter: Er fordert eine engere Kooperation zwischen der EU, den USA und dem Vereinigten Königreich, eine Ausweitung der Marktüberwachung, verbindliche Haftungsregeln für Plattformen und die aktive Einbindung von Verbraucherorganisationen in die Gesetzgebung.

Gesetzgeber gefordert

Mit dem Inkrafttreten des DSA sowie der neuen EU-Produktsicherheitsverordnung sind wichtige Rahmenbedingungen geschaffen worden. Doch die Umsetzung durch die Plattformen hinkt der Gesetzeslage hinterher. Es bleibt abzuwarten, ob nationale Aufsichtsbehörden und europäische Institutionen in Zukunft konsequenter gegen Verstöße vorgehen werden.

Die Produktsicherheit in Onlineshops ist nicht nur eine technische oder rechtliche Frage, sondern betrifft unmittelbar das Vertrauen der Verbraucher. Ohne klare Zuständigkeiten und funktionierende Kontrollmechanismen droht dieses Vertrauen weiter zu erodieren.