Dark Patterns in Online-Games: Wie Design-Tricks Nutzer manipulieren
Online-Spiele sind längst mehr als ein Freizeitvergnügen – sie sind ein lukratives Geschäftsfeld, das zunehmend auf psychologisch geschickte Design-Strategien setzt. Eine aktuelle Untersuchung des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) zeigt: In allen fünf geprüften Online-Games und -Plattformen kommen sogenannte Dark Patterns zum Einsatz – also manipulative Gestaltungselemente, die Nutzer zu bestimmten Handlungen verleiten sollen, häufig ohne dass sie sich darüber bewusst sind.
Was sind Dark Patterns?
Inhaltsverzeichnis
Dark Patterns sind Interface-Designs, die gezielt psychologische Effekte nutzen, um Nutzer zu Entscheidungen zu drängen, die sie so möglicherweise nicht getroffen hätten. Dazu zählen beispielsweise:
- Kaufaufforderungen in Form von Pop-ups, die mitten im Spiel erscheinen
- Virtuelle Währungen, die reale Geldwerte verschleiern
- Countdowns, die künstlichen Zeitdruck erzeugen
- Tägliche Belohnungen, um dauerhaftes Engagement zu fördern
- Rabatt-Angebote, die eine Dringlichkeit suggerieren, obwohl es sich um Standardpreise handelt
Diese Elemente sind nicht nur intransparent – sie erhöhen auch das Risiko, dass Nutzer mehr Geld ausgeben oder deutlich mehr Zeit im Spiel verbringen, als ursprünglich geplant.
Untersuchung deckt weit verbreitete Praktiken auf
Der vzbv hat im Rahmen der EU-weiten Initiative „Game Over“ gemeinsam mit dem Europäischen Verbraucherverband BEUC fünf beliebte Anbieter untersucht:
- Epic Games (Fortnite, Epic Games Store)
- Roblox Corporation (Adopt me!, Roblox)
- Supercell (Clash of Clans)
- Scopely (Monopoly Go)
- Sybo ApS (Subway Surfers)
Alle fünf Anbieter zeigten auffällige Dark Patterns in ihren Spielen – insbesondere in Hinblick auf Kinder und Jugendliche, die besonders anfällig für diese Mechanismen sind.
Versteckte Kosten durch virtuelle Währungen
Ein zentrales Problem: Viele Spiele arbeiten mit In-Game-Währungen, deren Umrechnung in echte Geldbeträge bewusst unklar bleibt. So wird verschleiert, wie viel tatsächlich ausgegeben wird. Auch Paketpreise, bei denen virtuelle Güter gebündelt verkauft werden, erschweren die Transparenz. Oft ist für Verbraucher nicht erkennbar, ob ein Kauf tatsächlich ein gutes Angebot darstellt oder nur als solches inszeniert wird.
EU soll handeln: Forderung nach Digital Fairness Act
Der vzbv fordert die Europäische Kommission auf, das Verbraucherrecht umfassend an die digitale Realität anzupassen. Manipulative Design-Tricks sollen explizit verboten und klare Regeln für „Fairness by Design“ geschaffen werden. Im Rahmen der Konsultation zum Digital Fairness Act wird der vzbv in Kürze ein Positionspapier vorlegen.
Erste rechtliche Schritte eingeleitet
Vier der fünf Anbieter haben bereits Unterlassungserklärungen abgegeben. Gegen Roblox wurde Klage eingereicht. Die Beschwerden basieren auf einem detaillierten Prüfleitfaden und wurden auf einem Samsung Galaxy S23 mit Android 14 durchgeführt.
Mehr Transparenz und Schutz erforderlich
Dark Patterns in Online-Games sind kein Einzelfall – sie sind systematisch eingebaut, um das Verhalten der Nutzer zu beeinflussen. Besonders problematisch ist dies bei jungen Zielgruppen, die die Tricks schwer durchschauen können. Klare gesetzliche Vorgaben und eine europaweite Regulierung sind nötig, um Verbraucher vor solchen manipulativen Mechanismen zu schützen.
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