Kurswechsel in Berlin: Delivery Hero prüft Verkäufe und neue Strukturen
Der Berliner Essenslieferdienst Delivery Hero steht vor einer entscheidenden Zäsur. In einem gestern veröffentlichten Brief an die Aktionäre kündigte das Management Schritte an, die faktisch einen tiefgreifenden Delivery Hero Umbau einleiten. Trotz operativer Gewinne verharrt der Aktienkurs auf einem Niveau, das Vorstand und Aufsichtsrat als enttäuschend bewerten. Die Konsequenz ist eine Abkehr vom Status quo hin zu einer aktiven Umgestaltung des Portfolios, um die Diskrepanz zwischen der operativen Leistung und der Marktbewertung aufzulösen.
Der Konzern reagiert damit auf den anhaltenden Druck des Kapitalmarktes. Während das operative Geschäft mittlerweile profitabel läuft, wird der innere Wert des Unternehmens an der Börse nicht adäquat abgebildet. Um diese Lücke zu schließen, sollen externe Berater nun Szenarien prüfen, die den geplanten Delivery Hero Umbau konkretisieren und über reine Sparmaßnahmen hinausgehen.
Hintergründe für den Delivery Hero Umbau
Inhaltsverzeichnis
Der Kern der neuen Marschroute ist die Erkenntnis, dass operative Exzellenz allein derzeit nicht ausreicht, um den Aktienkurs zu beflügeln. Das Management hat daher Finanz- und Rechtsberater mandatiert, um das weltweite Portfolio auf den Prüfstand zu stellen. Ein zentrales Instrument für den Delivery Hero Umbau ist die sogenannte „Best-Owner“-Analyse. Hierbei wird für jeden Markt und jedes Asset geprüft, ob der Konzern tatsächlich der beste Eigentümer ist, oder ob das Geschäft unter anderer Führung – etwa durch einen Verkauf – werthaltiger wäre.
Diese strategische Prüfung signalisiert dem Markt, dass es keine Tabus mehr gibt. Für ausgewählte Ländergesellschaften oder Geschäftsbereiche werden Szenarien durchgespielt, die von strategischen Partnerschaften bis hin zu vollständigen Desinvestitionen reichen. Ziel ist es, durch den Delivery Hero Umbau Kapital freizusetzen und die Komplexität der Holding-Struktur zu reduzieren, was von Investoren in der Vergangenheit oft gefordert wurde.
Verkäufe und Partnerschaften als Kern der Neuausrichtung
Die Evaluierung umfasst konkret drei Stoßrichtungen: strategische Partnerschaften, Kapitalmarkttransaktionen und direkte Verkäufe. Insbesondere die Erwägung von „Kapitalmarkttransaktionen für ausgewählte Assets“ deutet darauf hin, dass der Delivery Hero Umbau auch weitere Börsengänge von Tochtergesellschaften oder Abspaltungen (Spin-offs) beinhalten könnte. Das Vorbild hierfür ist der kürzlich erfolgte Börsengang der Tochter Talabat, der eine Bewertung von 10 Milliarden US-Dollar erzielte und zeigte, wie lokale Assets erfolgreich monetarisiert werden können.
In Märkten, in denen der Wettbewerb besonders intensiv ist und hohe Investitionen erfordert, könnten Partnerschaften mit lokalen Playern oder Finanzinvestoren eine Lösung sein. Die Unternehmensführung betont, dass jeder Schritt im Delivery Hero Umbau darauf abzielt, das Unternehmen stärker zu machen. Dies impliziert die Bereitschaft, sich von Teilen des Konzerns zu trennen, wenn dies dem Gesamtwert der Aktie dient.
Diskrepanz zwischen operativer Stärke und Bewertung
Der drastische Schritt hin zu strukturellen Maßnahmen erklärt sich aus der Diskrepanz zwischen den Geschäftszahlen und der Börsenbewertung. Delivery Hero hat operativ geliefert: Ein Turnaround von rund 2 Milliarden Euro beim bereinigten EBITDA innerhalb von vier Jahren und ein profitables Wachstum auf 50 Milliarden Euro Bruttowarenvolumen (GMV). Doch diese Erfolgsgeschichte kommt bei den Aktionären nicht in Form von Kursgewinnen an, weshalb nun der Delivery Hero Umbau als strategischer Hebel angesetzt wird.
Das Management sieht sich gezwungen, über das operative Tagesgeschäft hinauszudenken. Es geht nicht mehr nur darum, Pizzen und Lebensmittel effizienter auszuliefern, sondern darum, die Konzernstruktur so anzupassen, dass der Markt den Wert der Einzelteile erkennt. Die bisherigen Maßnahmen zur Kostenreduzierung und die Bereinigung des Portfolios um unrentable Märkte wie Thailand oder Ghana waren nur der Anfang für den nun folgenden, umfassenderen Delivery Hero Umbau.
Kapitalstruktur im Fokus der Transformation
Ein weiterer Aspekt der strategischen Prüfung betrifft die Kapitalstruktur. Delivery Hero evaluiert Maßnahmen zur Kapitalallokation, die wertsteigernd wirken sollen. Dies könnte Aktienrückkäufe, Sonderdividenden aus Verkaufserlösen oder eine weitere Entschuldung umfassen. Die solide Bilanz mit einer Barreserve von rund 2,2 Milliarden Euro gibt dem Konzern den nötigen Spielraum, um den Delivery Hero Umbau nicht aus einer Position der Schwäche, sondern aus einer Position der finanziellen Stabilität heraus zu gestalten.
Die Finanzierung wurde bereits im Vorfeld optimiert, indem Laufzeiten verlängert und Schulden reduziert wurden. Dies verschafft dem Management die nötige Zeit, um die richtigen strategischen Partner oder Käufer zu finden, ohne unter Zeitdruck Vermögenswerte unter Wert verkaufen zu müssen.
Radikaler Kurswechsel voraus
Der Brief an die Aktionäre lässt wenig Zweifel daran, dass das Jahr 2026 im Zeichen von Transaktionen stehen könnte. Die explizite Nennung von Beratern und die detaillierte Auflistung der Prüfoptionen zeigen, dass der Prozess bereits weit fortgeschritten ist. Für die Aktionäre bedeutet der angekündigte Delivery Hero Umbau eine Phase der Unsicherheit, aber auch der Chance auf eine Neubewertung ihrer Anteile. Der Vorstand und der Aufsichtsrat haben ihr Schicksal nun eng an den Erfolg dieser strategischen Neuausrichtung geknüpft.
Faktenbox
| Eckdaten zum Delivery Hero Umbau | |
|---|---|
| Auslöser | Diskrepanz zwischen operativer Profitabilität und niedrigem Aktienkurs |
| Geplante Maßnahmen | Prüfung von Verkäufen, strategischen Partnerschaften und Spin-offs |
| Analysemethode | „Best-Owner“-Evaluierung für Ländergesellschaften und Assets |
| Externe Beratung | Mandatierung von Finanz- und Rechtsberatern für die Umstrukturierung |
| Vorbild | Erfolgreicher Talabat-IPO (Bewertung 10 Mrd. $) |
| Finanzielle Basis | 2,2 Mrd. € Cash-Reserve für Handlungsspielraum |
| Zielsetzung | Hebung von Shareholder Value und Auflösung des Bewertungsabschlags |
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