KEP-Markt 2026: Mehr Pakete, höhere Kosten, weniger Dynamik

Der KEP-Markt 2026 bleibt in Deutschland auf Wachstumskurs, aber der Schwung lässt nach. Die neue KEP-Studie 2026 [PDF] des Bundesverbandes Paket- und Expresslogistik zeigt für 2025 steigende Sendungsmengen und Umsätze. Gleichzeitig bremsen Konsumzurückhaltung, schwache Geschäftskunden-Nachfrage und hohe Kosten die Dynamik. Wachstum gibt es also weiterhin – nur nicht mehr zum Nulltarif.

📌 Auf einen Blick

Der KEP-Markt 2026 weist für 2025 ein Sendungsvolumen von 4,37 Mrd. aus, ein Plus von 1,8 %. Der Umsatz steigt auf 28,4 Mrd. Euro, während B2B leicht sinkt, B2C kaum wächst und C2C deutlich zulegt.

KEP-Markt 2026: Mehr Pakete, höhere Kosten, weniger Dynamik
KEP-Markt 2026: Mehr Pakete, höhere Kosten, weniger Dynamik

KEP-Markt 2026 zeigt nur noch moderates Wachstum

Der KEP-Markt 2026 steht für eine Branche, die weiter wächst, aber stärker als zuvor gegen ihr Umfeld arbeiten muss. Im Jahr 2025 wurden in Deutschland insgesamt 4,37 Mrd. Kurier-, Express- und Paketsendungen transportiert. Das entspricht einem Plus von 1,8 % oder rund 80 Mio. zusätzlichen Sendungen gegenüber dem Vorjahr.

Damit fällt das Wachstum geringer aus als 2024. Damals hatte der Markt noch um 115 Mio. Sendungen zugelegt. Die Entwicklung zeigt: Die Paketbranche bleibt relevant, aber sie ist kein Selbstläufer. Wer nur auf steigende Online-Bestellungen und immer neue Paketmengen setzt, übersieht die wirtschaftliche Realität dahinter.

Auch der Gesamtumsatz entwickelte sich positiv. Er stieg 2025 um 2,6 % auf rund 28,4 Mrd. Euro. Dieser Zuwachs klingt solide, sagt aber nur begrenzt etwas über die wirtschaftliche Lage der Unternehmen aus. Denn höhere Umsätze bedeuten in einem kostenintensiven Markt nicht automatisch höhere Erträge.

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Konsumflaute bremst das B2C-Geschäft

Auffällig ist die unterschiedliche Entwicklung der Marktsegmente. Das Geschäft mit Unternehmenskunden geriet 2025 unter Druck. Das B2B-Sendungsvolumen sank um 0,3 %. Das passt zur schwachen Binnenkonjunktur und zur verhaltenen außenwirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland.

Auch das B2C-Geschäft, lange ein verlässlicher Wachstumstreiber des Paketmarktes, verlor an Dynamik. Die Sendungen an private Endkunden legten nur noch um 0,6 % zu. Die Konsumzurückhaltung der privaten Haushalte macht sich damit auch auf der letzten Meile bemerkbar. Wenn weniger bestellt wird, hilft auch die beste Logistikoptimierung nur begrenzt.

Deutlich anders sieht es bei C2C-Sendungen aus. Sendungen zwischen Privatpersonen verzeichneten laut Studie ein zweistelliges Plus. Das deutet auf eine Verschiebung im Markt hin: Plattformen für gebrauchte Waren, private Weiterverkäufe und Second-Hand-Handel gewinnen an Gewicht. Für die KEP-Unternehmen kann das zusätzliche Mengen bringen, aber auch kleinteiligere Strukturen, mehr Zustellkomplexität und höhere Anforderungen an flexible Prozesse.

Kostenindex macht die Belastung sichtbar

Ein neuer Bestandteil der KEP-Studie 2026 ist der KEP-Kostenindex. Er zeigt, dass die nominalen Umsatzsteigerungen der vergangenen Jahre nicht mit den Kostensteigerungen Schritt gehalten haben. Besonders Energie, Kraftstoff, Maut und Personal belasten die Unternehmen.

Das ist ein zentraler Punkt, weil die Branche in der öffentlichen Diskussion oft nur über Paketmengen wahrgenommen wird. Mehr Sendungen wirken nach Wachstum, können aber betriebswirtschaftlich weniger attraktiv sein, wenn Zustellung, Fuhrpark, Personal und Regulierung schneller teurer werden als die Erlöse steigen. Die KEP-Branche transportiert mehr, verdient daran aber nicht automatisch mehr. Das ist die unbequeme Fußnote unter vielen Wachstumszahlen.

Nach Einschätzung des BPEX können die Unternehmen diese Belastungen nur teilweise weitergeben oder kompensieren. Damit rückt die Frage nach Produktivität stärker in den Mittelpunkt. Digitalisierung, Automatisierung und effizientere Zustellnetze sind keine Kür mehr, sondern betriebliche Notwendigkeit.

BPEX fordert weniger Regulierung und mehr Planungssicherheit

BPEX-Vorsitzender Marten Bosselmann ordnet die Lage entsprechend kritisch ein. Die weltwirtschaftliche Situation beeinflusse die KEP-Branche unmittelbar, während Unternehmen zugleich steigende Kosten und eine Vielzahl regulatorischer Anforderungen schultern müssten. Seine Forderung an die Politik: sinkende Kosten, weniger Bürokratie, mehr Planungssicherheit und bessere Bedingungen für Investitionen.

Diese Position ist erwartbar, aber nicht belanglos. Der KEP-Markt 2026 zeigt, dass sich wirtschaftliche Schwäche, regulatorische Anforderungen und Kostendruck direkt auf eine Branche auswirken, die für Handel, Industrie und Verbraucher zur Basisinfrastruktur geworden ist. Wer Paketlogistik als selbstverständlich betrachtet, blendet aus, dass diese Infrastruktur unter wirtschaftlichem Druck steht.

Beschäftigung wächst trotz schwieriger Rahmenbedingungen

Trotz der angespannten Lage bleibt die Branche ein bedeutender Arbeitgeber. 2025 kamen rund 3.700 neue Jobs hinzu. Insgesamt beschäftigte der KEP-Markt rund 270.000 Menschen, ein Plus von 1,4 % gegenüber dem Vorjahr.

Die Studie betont zudem die Rolle der Branche als Integrator. Paketdienste bieten Menschen mit unterschiedlichen Qualifikationen und Herkunft berufliche Perspektiven. Diese arbeitsmarktpolitische Bedeutung wird häufig unterschätzt, weil die Debatte über Paketlogistik meist bei Zustellqualität, Liefergeschwindigkeit oder Retouren hängen bleibt.

Auch für die öffentlichen Finanzen spielt die Branche eine Rolle. Der durch die KEP-Branche ausgelöste Steuereinnahmeeffekt lag 2025 bei 4,2 Mrd. Euro. Damit geht es nicht nur um Pakete vor Haustüren, sondern auch um Beschäftigung, Wertschöpfung und fiskalische Effekte.

Bis 2030 bleibt die Prognose positiv, aber nicht sorgenfrei

Mittelfristig bleibt die Prognose für den KEP-Markt 2026 positiv. Bis 2030 erwartet die Studie ein durchschnittliches jährliches Wachstum des Sendungsvolumens von 3,1 %. Damit könnte der Markt auf bis zu 5,08 Mrd. Sendungen zulegen.

Diese Projektion zeigt Potenzial, aber auch Abhängigkeiten. Entscheidend wird sein, ob sich Konsum und Konjunktur stabilisieren, ob die Kostenbelastung beherrschbar bleibt und ob Investitionen in Automatisierung, Digitalisierung und nachhaltige Infrastruktur tatsächlich umgesetzt werden können. Der KEP-Markt wächst weiter – aber der Abstand zwischen Mengenwachstum und wirtschaftlicher Belastbarkeit wird zur entscheidenden Frage.

Faktenbox

KEP-Markt 2026: Zentrale Kennzahlen und Einordnung
StudieKEP-Studie 2026 des Bundesverbandes Paket- und Expresslogistik
BezugsjahrMarktdaten für das Jahr 2025
Sendungsvolumen4,37 Mrd. Kurier-, Express- und Paketsendungen
Wachstum SendungenPlus 1,8 % bzw. rund 80 Mio. zusätzliche Sendungen
Vergleich zu 2024Das Wachstum fiel schwächer aus als im Vorjahr mit plus 115 Mio. Sendungen
GesamtumsatzRund 28,4 Mrd. Euro, ein Plus von 2,6 %
B2B-SendungenRückgang um 0,3 %
B2C-SendungenNur noch leichtes Wachstum von 0,6 %
C2C-SendungenZweistelliges Plus bei Sendungen zwischen Privatpersonen
BeschäftigungRund 270.000 Beschäftigte, etwa 3.700 mehr als im Vorjahr
Steuereinnahmeeffekt4,2 Mrd. Euro im Jahr 2025
KostenfaktorenEnergie, Kraftstoff, Maut, Personal und regulatorische Anforderungen
Prognose bis 2030Bis zu 5,08 Mrd. Sendungen bei durchschnittlich 3,1 % Wachstum pro Jahr