Nachhaltigkeit bei Delivery Hero: E-Flotten wachsen langsamer als geplant
Die Nachhaltigkeit bei Delivery Hero soll vor allem durch emissionsfreie Fahrzeuge auf der letzten Meile verbessert werden. Bis 2032 will der Lieferkonzern 65 Prozent seiner Bestellungen ohne direkte Fahrzeugemissionen ausliefern. Lokale Projekte mit Elektrofahrzeugen, Batteriewechselstationen und Lieferrobotern zeigen Fortschritte. Gleichzeitig verlief der Ausbau 2025 langsamer als geplant.
📌 Auf einen Blick
Die Nachhaltigkeit bei Delivery Hero hängt wesentlich von der Umstellung der Lieferfahrzeuge ab. Bis 2032 sollen 65 Prozent der Lieferungen emissionsfrei erfolgen. In den Vereinigten Arabischen Emiraten umfasst die elektrische Talabat-Flotte rund 700 Fahrzeuge, während Foodora in Schweden bereits 30 Prozent der Lieferungen fossilfrei abwickelt.
Nachhaltigkeit bei Delivery Hero beginnt auf der letzten Meile
Inhaltsverzeichnis
Delivery Hero betreibt über verschiedene Marken Lieferplattformen auf vier Kontinenten. Die letzte Strecke zwischen Restaurant, Geschäft oder Lager und dem Kunden verursacht nach Angaben des Unternehmens einen erheblichen Teil der direkt beeinflussbaren Lieferemissionen.
Gerade dieser Abschnitt ist jedoch schwer zentral zu steuern. In vielen Märkten besitzen oder leasen die Fahrer ihre Fahrzeuge selbst. Delivery Hero kann daher nicht einfach sämtliche Verbrenner aus einer eigenen Konzernflotte austauschen. Der Umstieg hängt davon ab, ob elektrische Mopeds, Motorräder, Fahrräder oder Autos für die Fahrer verfügbar und wirtschaftlich nutzbar sind.
Der Konzern setzt deshalb auf Zuschüsse, vergünstigte Finanzierungen, flexible Leasingangebote und Batteriewechselsysteme. Die Nachhaltigkeit bei Delivery Hero wird damit nicht allein durch technische Innovationen bestimmt. Entscheidend ist vielmehr, wer die Kosten trägt und ob die Infrastruktur im jeweiligen Markt mit dem Ausbau der elektrischen Flotten Schritt hält.
Der Ausbau verlief 2025 langsamer als geplant
Delivery Hero räumt ein, dass die Umstellung auf elektrische Fahrzeuge im Jahr 2025 langsamer vorankam als vorgesehen. Als Gründe nennt das Unternehmen veränderte staatliche Förderprogramme, Lieferkettenprobleme, fehlende Infrastruktur und wirtschaftlichen Druck auf die Fahrer.
Diese Hindernisse machen deutlich, dass ambitionierte Klimaziele allein keine emissionsfreien Lieferungen schaffen. Ein Elektrofahrzeug muss für den täglichen Einsatz bezahlbar sein, ausreichend Reichweite bieten und schnell geladen oder mit einer neuen Batterie ausgestattet werden können.
Insbesondere bei Fahrern, die ihr Fahrzeug selbst finanzieren, kann der Wechsel ein wirtschaftliches Risiko darstellen. Niedrigere Energiekosten reichen nicht zwangsläufig aus, um hohe Kaufpreise, Leasingraten oder mögliche Ausfallzeiten auszugleichen.
Glovo fördert elektrische Zweiräder
Die Delivery-Hero-Marke Glovo verfolgt je nach Markt unterschiedliche Ansätze. In Spanien unterstützt das Unternehmen Zuschüsse für elektrische Zweiräder. In Kenia und Uganda arbeitet Glovo mit Anbietern wie Zoomo und Zembo zusammen.
Die Kooperationen ermöglichen flexible Mietmodelle für elektrische Motorräder sowie den Austausch leerer Batterien. Nach Angaben von Delivery Hero wechselten mehr als 52 Prozent der teilnehmenden Fahrer in Uganda auf Elektrofahrzeuge.
Die Kennzahl zeigt, dass finanzielle Anreize und eine geeignete Infrastruktur den Wechsel beschleunigen können. Sie beschreibt allerdings nur die Teilnehmer des Programms und erlaubt keine Aussage darüber, wie hoch der Anteil elektrischer Fahrzeuge an sämtlichen Glovo-Lieferungen in Uganda ist.
Talabat setzt auf Batteriewechsel statt Ladepause
In den Vereinigten Arabischen Emiraten investiert Talabat in Stationen zum Austausch von Fahrzeugbatterien. Fahrer können leere Batterien gegen geladene Einheiten tauschen, anstatt ihr Fahrzeug während langer Ladezeiten abzustellen.
Nach Unternehmensangaben ist die elektrische Flotte von Talabat inzwischen auf rund 700 Fahrzeuge angewachsen. Das Batteriewechselmodell soll insbesondere im zeitkritischen Liefergeschäft Vorteile bieten, da längere Pausen die Zahl möglicher Aufträge reduzieren würden.
Talabat beteiligt sich außerdem an der Initiative Road 2.0 der UAE Alliance for Climate Action. Dabei sollen Fahrzeughersteller, Unternehmen, Behörden und Organisationen gemeinsam den Einsatz kommerzieller Elektrofahrzeuge und die notwendige Infrastruktur vorantreiben.
Der Ansatz bleibt jedoch von kompatiblen Batteriesystemen und ausreichend vielen Wechselstationen abhängig. Ohne gemeinsame technische Standards könnten verschiedene, untereinander nicht nutzbare Systeme entstehen.
Foodora testet neue Fahrzeugtypen und Lieferroboter
In Schweden werden nach Angaben des Konzerns inzwischen 30 Prozent aller Foodora-Lieferungen fossilfrei durchgeführt. Foodora nutzt dort rund 500 elektrische Mopeds, Autos und Fahrräder.
Zusätzlich testet das Unternehmen dreirädrige Elektrofahrzeuge des Herstellers Clean Motion. Die Fahrzeuge sollen mehr Ladekapazität als Fahrräder bieten und gleichzeitig flexibler als klassische Lieferwagen in engen Städten eingesetzt werden können.
In Schweden, Norwegen und Tschechien erprobt Foodora außerdem autonome, elektrisch betriebene Lieferroboter. Mit den Tests sollen Daten darüber gesammelt werden, unter welchen Bedingungen die Fahrzeuge im regulären Lieferbetrieb eingesetzt werden können.
Lieferroboter lösen jedoch nicht automatisch sämtliche Probleme der letzten Meile. Enge Gehwege, Treppen, Witterung, Verkehrsregeln und Konflikte mit Fußgängern können ihren Einsatz einschränken. Viele Projekte befinden sich daher weiterhin in einer Testphase.
Lokale Programme statt einheitlicher Konzernlösung
Auch Foodpanda und PedidosYa versuchen, elektrische Fahrzeuge durch regionale Partnerschaften attraktiver zu machen. In Bangladesch erhalten Fahrer Zugang zu Finanzierungsangeboten von Drittanbietern. In Pakistan führte eine Kooperation mit E-Swap laut Delivery Hero dazu, dass mehr als 300 Fahrer auf Fahrzeuge mit geringeren Emissionen wechselten.
In Malaysia beteiligt sich Foodpanda an einem geförderten Zuschussprogramm. Fahrer in Hongkong können Ratenzahlungsangebote und Batteriewechseldienste nutzen. PedidosYa unterstützt Fahrer in Bolivien beim Wechsel auf elektrische Fahrzeuge und hat ähnliche Programme in Uruguay getestet.
Die verschiedenen Maßnahmen zeigen, dass die Nachhaltigkeit bei Delivery Hero nicht über ein einziges weltweit einsetzbares Modell verbessert werden kann. Einkommen, Stromversorgung, Fahrzeugangebot, Förderprogramme und Infrastruktur unterscheiden sich zwischen den Märkten erheblich.
Emissionsfreie Lieferung ist nicht gleich klimaneutral
Delivery Hero verwendet für sein Ziel den Begriff emissionsfreie Lieferungen. Gemeint sind vor allem Fahrzeuge, die während der Fahrt keine direkten Abgase ausstoßen. Die Produktion der Fahrzeuge und Batterien sowie die Erzeugung des benötigten Stroms können weiterhin Emissionen verursachen.
Für eine umfassende Bewertung der Nachhaltigkeit bei Delivery Hero wären deshalb zusätzliche Angaben zum jeweiligen Strommix, zur Nutzungsdauer der Fahrzeuge und zum Umgang mit ausgedienten Batterien erforderlich. Die veröffentlichten Projektzahlen konzentrieren sich bislang vor allem auf Fahrzeugbestände, Programmteilnehmer und den Anteil fossilfreier Lieferungen.
Der Konzern verweist außerdem auf eine Bewertung von A- im Klimaranking von CDP. Diese Einstufung bewertet unter anderem die Transparenz und Steuerung klimabezogener Risiken. Sie bedeutet jedoch nicht, dass Delivery Hero seine langfristigen Ziele bereits erreicht hat.
Das 65-Prozent-Ziel entscheidet sich bei der Skalierung
Delivery Hero ist Gründungsmitglied der im Oktober 2025 gestarteten Deliver-E Coalition. Die Brancheninitiative unter dem Dach des Umweltprogramms der Vereinten Nationen soll gemeinsame Hindernisse bei der Einführung elektrischer Lieferfahrzeuge abbauen.
Die bislang vorgestellten Projekte liefern Hinweise darauf, welche Modelle funktionieren können. Batteriewechselstationen reduzieren Ladepausen, Finanzierungsprogramme erleichtern den Fahrzeugkauf und kleinere Elektrofahrzeuge können klassische Lieferwagen in Städten teilweise ersetzen.
Ob Delivery Hero den angestrebten Anteil von 65 Prozent emissionsfreien Lieferungen bis 2032 erreicht, hängt jedoch von der breiten Umsetzung ab. Einzelne Pilotprojekte und regionale Programme reichen dafür nicht aus. Entscheidend wird sein, ob elektrische Fahrzeuge auch ohne dauerhaft hohe Zuschüsse wirtschaftlich betrieben werden können und die benötigte Infrastruktur schnell genug wächst.
Faktenbox
| Nachhaltigkeit bei Delivery Hero | |
|---|---|
| Konzernziel | 65 Prozent emissionsfreie Lieferungen bis 2032 |
| Schwerpunkt | Reduzierung direkter Emissionen auf der letzten Meile |
| Zentrale Herausforderung | Viele Fahrer besitzen oder leasen ihre Lieferfahrzeuge selbst |
| Glovo in Uganda | Mehr als 52 Prozent der teilnehmenden Fahrer wechselten auf Elektrofahrzeuge |
| Talabat in den VAE | Elektrische Flotte mit rund 700 Fahrzeugen |
| Foodora in Schweden | 30 Prozent der Lieferungen erfolgen fossilfrei |
| Foodora-Fahrzeuge | Rund 500 elektrische Mopeds, Autos und Fahrräder in Schweden |
| Weitere Tests | Dreirädrige Elektrofahrzeuge, Batteriewechselstationen und autonome Lieferroboter |
| Hindernisse | Kosten, Förderprogramme, Infrastruktur, Lieferketten und wirtschaftlicher Druck auf Fahrer |
| CDP-Bewertung | A- im Bereich Klimawandel |
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