Amazon baut Europas Logistiknetz mit Robotern und Same-Day-Angeboten aus
Die Amazon Logistik in Europa steht vor einem weitreichenden Umbau. Der Konzern will mehr als zehn Milliarden Euro in neue Logistikzentren, Robotik und schnellere Lieferangebote investieren. Gleichzeitig kündigt Amazon 25.000 zusätzliche Stellen an und stellt eine Milliarde US-Dollar für die berufliche Weiterbildung seiner Mitarbeiter bereit.
📌 Auf einen Blick
Amazon investiert mehr als zehn Milliarden Euro in sein europäisches Logistiknetz und plant 25.000 zusätzliche Arbeitsplätze. Neue Robotersysteme wie Proteus, Vulcan und STARK sollen Abläufe automatisieren. Gleichzeitig werden Same-Day-Lieferungen ausgebaut und eine Milliarde US-Dollar in Weiterbildungsprogramme investiert.
Amazon Logistik in Europa wird stärker automatisiert
Inhaltsverzeichnis
Ein erheblicher Teil der angekündigten Investitionen soll in die Modernisierung und Automatisierung europäischer Versandzentren fließen. Amazon will neue Robotersysteme einsetzen, um Waren schneller durch Lager und Verteilzentren zu bewegen.
Zu den zentralen Systemen gehören Vulcan, STARK und eine weiterentwickelte Version des autonomen Transportroboters Proteus. Die Technik soll vor allem körperlich belastende, repetitive und zeitaufwendige Tätigkeiten übernehmen.
Amazon argumentiert, dass Mitarbeiter dadurch stärker in Bereichen wie Bestandssteuerung, Qualitätskontrolle und Prozesskoordination eingesetzt werden könnten. Gleichzeitig erhöht die Automatisierung jedoch auch den wirtschaftlichen Druck innerhalb der Standorte. Je effizienter Warenbewegungen organisiert werden, desto enger lassen sich Arbeitsabläufe takten.
Die Amazon Logistik in Europa soll damit nicht nur schneller, sondern auch stärker datengetrieben werden. Robotik, künstliche Intelligenz und automatisierte Warenströme werden zunehmend zum Kern des Geschäftsmodells.
Proteus soll künftig auf einfache Texteingaben reagieren
Der autonome Transportroboter Proteus gehört zu den auffälligsten Neuerungen der Ankündigung. Die bisherige Version wurde vor allem in bestimmten Bereichen der Logistikzentren eingesetzt, etwa in der Nähe von Laderampen.
Die nächste Generation soll sich freier innerhalb der Standorte bewegen können. Mitarbeiter sollen Proteus künftig über einfache, textbasierte Anweisungen steuern. Technische Befehle oder Programmierkenntnisse seien dafür nicht erforderlich.
Nach einer Eingabe soll das System selbstständig entscheiden, welche Route genutzt wird, wie dringlich die Aufgabe ist und zu welchem Zeitpunkt der Transport erfolgen soll. Der Roboter wird derzeit in Amazon-Laboren getestet. Der Einsatz in Europa ist für die erste Hälfte des Jahres 2027 vorgesehen.
Welche Standorte zuerst mit der neuen Technik ausgestattet werden, hat Amazon bislang nicht mitgeteilt. Auch Angaben zu den geplanten Stückzahlen fehlen.
STARK und Vulcan sollen Warenbewegungen beschleunigen
Neben Proteus will Amazon die Robotersysteme STARK und Vulcan an weiteren europäischen Standorten einsetzen.
Vulcan ist darauf ausgelegt, Gegenstände mithilfe von Sensoren zu erkennen, zu greifen und zu bewegen. STARK übernimmt dagegen den Transport gefüllter Lagerbehälter. Das System nimmt Behälter von Förderbändern auf und stellt sie auf Transportwagen bereit.
STARK wurde zunächst in Barcelona getestet und soll bis 2027 an insgesamt 15 Standorten in Europa eingesetzt werden. Die Technik soll vor allem Abläufe vereinfachen, bei denen Waren bislang manuell bewegt und sortiert werden mussten.
Die Investitionen zeigen, dass sich die Amazon Logistik in Europa zunehmend von klassischen Lagerprozessen entfernt. Logistikzentren entwickeln sich zu hochautomatisierten Produktionsumgebungen, in denen Menschen, Maschinen und Software eng miteinander verzahnt arbeiten.
25.000 neue Stellen trotz wachsender Robotik
Amazon kündigt an, seine Belegschaft in den europäischen Logistikzentren in den kommenden Jahren um 25.000 Mitarbeiter zu erweitern. Die Aussage wirkt zunächst widersprüchlich: Während mehr Roboter eingesetzt werden, soll gleichzeitig die Zahl der Beschäftigten steigen.
Der Widerspruch lässt sich teilweise durch das wachsende Versandvolumen erklären. Wenn mehr Waren verarbeitet und neue Standorte eröffnet werden, kann der Personalbedarf trotz Automatisierung steigen. Gleichzeitig verändert sich jedoch die Art der Arbeit.
Klassische Tätigkeiten wie das Bewegen von Behältern oder das Transportieren schwerer Waren dürften an Bedeutung verlieren. Technische Überwachung, Wartung, Datenanalyse und Prozesssteuerung werden dagegen wichtiger.
Offen bleibt, in welchen Ländern und Regionen die angekündigten Stellen entstehen sollen. Amazon nennt zudem keinen konkreten Zeitraum, innerhalb dessen die 25.000 Arbeitsplätze aufgebaut werden. Die Zahl liefert daher zunächst eine grobe Größenordnung, aber keinen belastbaren Personalplan.
Weiterbildung wird zum Bestandteil der Automatisierungsstrategie
Parallel zum Ausbau der Robotik will Amazon bis 2030 weltweit eine Milliarde US-Dollar in das Weiterbildungsprogramm Career Choice investieren. Das Programm ist Teil der Initiative Future Ready 2030, für die insgesamt 2,5 Milliarden US-Dollar vorgesehen sind.
Nach Angaben von Amazon haben bereits mehr als 300.000 Mitarbeiter an Career Choice teilgenommen. Die Weiterbildungsangebote konzentrieren sich unter anderem auf Cybersicherheit, Softwareentwicklung, Logistik, erneuerbare Energien und Mechatronik.
Die Investition ist eng mit der zunehmenden Automatisierung verbunden. Wenn Maschinen körperliche und standardisierte Tätigkeiten übernehmen, müssen Mitarbeiter neue Aufgaben übernehmen können.
Entscheidend wird sein, ob die Qualifizierungsprogramme tatsächlich zu besseren beruflichen Perspektiven führen. Weiterbildung darf nicht nur dazu dienen, Beschäftigte an schneller getaktete Prozesse anzupassen. Sie müsste ihnen auch ermöglichen, langfristig höher qualifizierte und besser vergütete Tätigkeiten zu übernehmen.
Same-Day-Lieferungen werden an weiteren Standorten ausgebaut
Neben der Robotik investiert Amazon in schnellere Lieferangebote. Noch im Jahr 2026 sollen sogenannte Sub-Same-Day-Standorte in mehr als 25 europäischen Städten und Regionen betrieben werden. Zu den genannten Standorten gehören Nürnberg und Coventry in Großbritannien.
Bei diesem Modell werden Lagerung, Kommissionierung und Übergabe an den Lieferdienst innerhalb eines Standorts gebündelt. Kunden sollen dadurch noch bis 17 Uhr bestellen und ihre Lieferung bis 22 Uhr desselben Tages erhalten können.
Entsprechende Standorte existieren bereits in Städten wie Berlin, München, London, Madrid und Mailand. Die Waren werden näher an den Kunden gelagert, wodurch Lieferwege verkürzt werden.
Das Modell setzt allerdings eine sehr präzise Vorhersage der regionalen Nachfrage voraus. Werden falsche Produkte am falschen Standort eingelagert, können zusätzliche Transporte erforderlich werden. Der Wunsch nach schnelleren Lieferungen erhöht damit auch die Komplexität der Lagerplanung.
Amazon Now und „Add to Delivery“ kommen nach Europa
Amazon baut außerdem seinen Schnelllieferdienst Amazon Now aus. Das Angebot soll Lebensmittel und Alltagsprodukte innerhalb von höchstens 30 Minuten zustellen.
In ausgewählten Teilen Londons ist Amazon Now bereits verfügbar. Manchester und Birmingham sollen im Laufe des Jahres folgen. Für die kurzen Lieferzeiten nutzt Amazon kleine Logistikstandorte in der Nähe von Wohngebieten und Innenstädten.
Zusätzlich soll die Funktion „Add to Delivery“ in Deutschland, Großbritannien, Spanien, Italien und Frankreich eingeführt werden. Prime-Kunden können damit weitere Artikel zu einer bereits geplanten Lieferung hinzufügen, ohne erneut den vollständigen Bestellprozess zu durchlaufen.
Die Funktion kann zusätzliche Einzelzustellungen vermeiden. Gleichzeitig erleichtert sie spontane Zusatzkäufe unmittelbar vor dem Versand. Für Amazon ist das Angebot daher nicht nur eine logistische Verbesserung, sondern auch ein Instrument zur Steigerung des Bestellwerts.
Amazon Logistik in Europa erhöht den Wettbewerbsdruck
Die angekündigten Investitionen zeigen, dass Geschwindigkeit und Automatisierung für Amazon zentrale Wettbewerbsinstrumente bleiben. Kürzere Lieferzeiten sollen die Kundenbindung erhöhen und die Nutzung des Prime-Angebots attraktiver machen.
Für kleinere und mittelgroße Händler entsteht dadurch zusätzlicher Druck. Nur wenige Unternehmen können regionale Logistikzentren, automatisierte Lagersysteme und eigene Liefernetze finanzieren. Die Lieferstandards eines Konzerns werden dennoch häufig zur Erwartung an den gesamten Onlinehandel.
Amazon gibt an, im Jahr 2025 mehr als 60 Milliarden Euro in Europa investiert zu haben. Der Konzern beschäftigt nach eigenen Angaben 230.000 Mitarbeiter direkt und unterstützt insgesamt mehr als 1,5 Millionen Arbeitsplätze in der Region.
Aus der aktuellen Ankündigung geht allerdings nicht hervor, wie sich die geplanten zehn Milliarden Euro konkret verteilen. Unklar bleibt, welcher Anteil auf Gebäude, Robotik, Software, Personal oder laufende Betriebskosten entfällt.
Die Amazon Logistik in Europa wird schneller, automatisierter und stärker regional organisiert. Ob dadurch langfristig bessere Arbeitsplätze entstehen oder vor allem die Geschwindigkeit und Dichte der Prozesse zunimmt, hängt von der konkreten Umsetzung an den einzelnen Standorten ab.
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