Geschäftsklima für Selbstständige verbessert sich leicht, bleibt aber im negativen Bereich

Die wirtschaftliche Stimmung unter den deutschen Soloselbstständigen und Kleinstunternehmern hat sich im Spätherbst etwas aufgehellt, verharrt jedoch weiterhin auf einem bedenklich niedrigen Niveau. Wie aktuelle Daten zeigen, kämpfen die Betroffenen weiterhin mit hoher Planungsunsicherheit, was sich massiv auf ihre Investitionsbereitschaft für die kommenden Jahre auswirkt.

Geschäftsklima Selbstständige 11/25: Leichte Erholung trotz Tief
Geschäftsklima Selbstständige 11/25: Leichte Erholung trotz Tief

Das Geschäftsklima Selbstständige 11/25 zeigt nach zwei vorangegangenen Rückgängen erstmals wieder eine leichte Gegenbewegung nach oben. Der relevante Indikator, der sogenannte „Jimdo-ifo-Geschäftsklimaindex“, kletterte von einem Tiefstand von -23,7 Punkten im Oktober auf nunmehr -19,8 Punkte. Diese Entwicklung ist zwar statistisch signifikant, darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Grundstimmung im Sektor der Kleinstunternehmen überwiegend pessimistisch bleibt. Die Betroffenen bewerteten im aktuellen Berichtsmonat ihre laufenden Geschäfte weniger negativ als zuvor, und auch der Ausblick in die nahe Zukunft hellte sich merklich auf. Dennoch beschreibt Katrin Demmelhuber, Expertin des ifo Instituts, die Lage treffend als eine „wirtschaftliche Achterbahn“ für die Selbstständigen.

Entwicklung des Index für das Geschäftsklima Selbstständige 11/25

Ein genauerer Blick auf die Datenreihen und die grafische Auswertung des ifo Instituts offenbart die Volatilität, der Soloselbstständige ausgesetzt sind. Betrachtet man den Verlauf seit dem Jahr 2022, so wird deutlich, dass sich der Sektor kaum nachhaltig erholen konnte. Nach den massiven Einbrüchen in den Jahren 2022 und 2023 zeigt auch das Jahr 2025 bisher keinen stabilen Aufwärtstrend.

Geschäftsklima Selbstständige 11/25: Leichte Erholung trotz Tief
Geschäftsklima Selbstständige 11/25: Leichte Erholung trotz Tief

Die blaue Kurve des Geschäftsklimas resultiert aus der Bewertung der aktuellen Lage (rote Linie) und den Geschäftserwartungen (grüne Linie). Während die Beurteilung der aktuellen Lage im November 2025 noch immer im negativen Bereich liegt, ziehen die Erwartungen etwas stärker an. Dieser „Hoffnungsschimmer“ ist charakteristisch für Phasen, in denen Unternehmer davon ausgehen, dass der Boden der Talsohle erreicht sein könnte. Dennoch bleibt der Saldo negativ, was bedeutet, dass die Pessimisten in der Mehrheit bleiben. Das Geschäftsklima Selbstständige 11/25 reflektiert somit eher eine Stabilisierung auf niedrigem Niveau als eine echte Trendwende hin zu neuem Wachstum.

Investitionszurückhaltung als Warnsignal für 2026

Eine der gravierendsten Folgen der anhaltenden Unsicherheit ist das Investitionsverhalten. Fehlende Planungssicherheit ist Gift für langfristige finanzielle Bindungen. Die aktuellen Erhebungen zeigen eine deutliche Diskrepanz zwischen den Kleinstunternehmern und der Gesamtwirtschaft. Während in der breiten Wirtschaft knapp ein Viertel der Unternehmen plant, die Investitionen im Jahr 2026 auszuweiten, sieht die Realität für Soloselbstständige düster aus.

Ein gutes Drittel der Soloselbstständigen und Kleinstunternehmen gibt an, für das Jahr 2026 geringere Investitionen zu planen. Lediglich jeder Sechste beabsichtigt, mehr Geld in die Hand zu nehmen, um das eigene Geschäft zu erweitern oder zu modernisieren. Diese Zahlen sind alarmierend, da Investitionen die Grundlage für zukünftige Wettbewerbsfähigkeit und Innovation bilden. Wenn das Geschäftsklima Selbstständige 11/25 weiterhin von solch einer Zurückhaltung geprägt ist, droht eine schleichende Substanzverzehrung in diesem Sektor. Die Gründe hierfür liegen auf der Hand: Unklare wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen und eine volatile Auftragslage lassen kaum Spielraum für Risikokapital.

Finanzierungsstrukturen und Liquiditätsrisiken

Ein weiterer Aspekt, der eng mit dem Geschäftsklima Selbstständige 11/25 verknüpft ist, betrifft die Art und Weise, wie sich diese Unternehmensgruppe finanziert. Eine gesonderte Befragung des ifo Instituts zu den Finanzierungsquellen förderte riskante Strukturen zutage. Überwältigende 91 Prozent der Soloselbstständigen und Kleinstunternehmen nennen Eigenkapital als eine ihrer Hauptfinanzierungsquellen. Dies zeigt eine hohe Identifikation mit dem eigenen Unternehmen, aber auch eine gefährliche Abhängigkeit von den privaten Reserven des Unternehmers.

Im Vergleich dazu spielen Bankkredite eine untergeordnete Rolle. Sie sind nur für 46 Prozent der Befragten relevant, wobei hier eine deutliche Spreizung zu beobachten ist: Kleinstunternehmen mit einigen Mitarbeitern greifen wesentlich häufiger auf Bankdarlehen zurück als reine Soloselbstständige. Letztere finanzieren sich oft „aus der eigenen Tasche“ oder durch informelle Netzwerke. So geben 15 Prozent an, finanzielle Unterstützung von Familie und Freunden zu erhalten. Leasing und Beteiligungskapital werden von jeweils rund 22 Prozent als Finanzierungsform genutzt.

Die Expertin Katrin Demmelhuber warnt in diesem Zusammenhang vor den Konsequenzen bei wirtschaftlichen Schocks. Durch die starke Abhängigkeit von Eigenmitteln und informellen Finanzierungen fehlt oft der finanzielle Puffer, den institutionelle Kreditlinien bieten könnten. Bei plötzlichen Nachfrageeinbrüchen oder Liquiditätsengpässen könnten Selbstständige daher schneller in existenzbedrohende Schwierigkeiten geraten als kapitalstärkere Kapitalgesellschaften. Das fragile Geschäftsklima Selbstständige 11/25 ist also nicht nur eine Frage der Stimmung, sondern auch eine Frage der finanziellen Resilienz.

Methodische Einordnung des Jimdo-ifo-Geschäftsklimaindex

Um die Tragweite dieser Daten zu verstehen, lohnt ein Blick auf die Methodik. Seit August 2021 berechnet das ifo Institut diesen spezifischen Index für Soloselbstständige und Kleinstunternehmen, definiert als Betriebe mit weniger als neun Mitarbeitern. Der Index bildet, analog zum bekannten ifo Geschäftsklimaindex für die Gesamtwirtschaft, alle Sektoren ab.

Der Schwerpunkt liegt jedoch naturgemäß auf dem Dienstleistungssektor, da hier der Anteil der Soloselbstständigen besonders hoch ist. Diese Fokussierung macht den Index zu einem sehr sensiblen Seismografen für die Binnenkonjunktur und die Konsumlaune, da Dienstleister oft direkter und schneller von Kaufkraftverlusten der Kunden betroffen sind als beispielsweise das verarbeitende Gewerbe mit langen Auftrags Vorlaufzeiten. Die aktuelle Erhebung für das Geschäftsklima Selbstständige 11/25 basiert somit auf einer breiten Datenbasis, die spezifisch die Nöte der kleinsten wirtschaftlichen Einheiten in Deutschland beleuchtet.

Ausblick: Wirtschaftliche Achterbahnfahrt hält an

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die leichte Verbesserung im November zwar ein positives Signal ist, aber noch keine Entwarnung bedeutet. Die Kombination aus Investitionsstau, unsicheren Rahmenbedingungen und einer auf Eigenkapital fokussierten Finanzierungsstruktur macht den Sektor der Selbstständigen anfällig für weitere Krisen. Ob sich die Erwartungskomponente des Index in den kommenden Monaten in realen Umsätzen niederschlägt, bleibt abzuwarten. Solange die politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen unklar bleiben, wird die von Demmelhuber zitierte „Achterbahnfahrt“ wohl auch über das Geschäftsklima Selbstständige 11/25 hinaus andauern. Für eine nachhaltige Stabilisierung bräuchte es mehr als nur einen Monat mit leicht steigenden Indikatorwerten; es bedarf einer strukturellen Verbesserung der Investitionsanreize und der Planungssicherheit.

Faktenbox

Geschäftsklima Selbstständige 11/25

Indexwert November 2025 -19,8 Punkte (Anstieg gegenüber Vormonat)
Indexwert Oktober 2025 -23,7 Punkte
Investitionsplanung 2026 Ca. 33% planen Senkung, nur ca. 16% planen Erhöhung
Dominante Finanzierung 91% nutzen Eigenkapital als Hauptquelle
Nutzung Bankkredite 46% (ungleich verteilt, weniger bei Soloselbstständigen)
Definition Zielgruppe Soloselbstständige und Kleinstunternehmen (< 9 Mitarbeiter)