Übernahme von BFS durch walter services: BAUR-Gruppe verkauft Customer Service-Sparte
Die BAUR-Gruppe trennt sich von ihrer Tochtergesellschaft BFS Baur Fulfillment Solutions GmbH. Neuer Eigentümer wird der erfahrene Kundenservice-Dienstleister walter services GmbH. Mit der Unterzeichnung des Kaufvertrags Anfang Dezember 2025 wurde die Übernahme von BFS durch walter services besiegelt, die den Erhalt der Arbeitsplätze und Standorte in Oberfranken sichern soll.
Die BAUR-Gruppe hat eine weitreichende strategische Entscheidung für die Zukunft ihres Tochterunternehmens BFS Baur Fulfillment Solutions getroffen. Wie der Konzern bekanntgab, wird der Geschäftsbetrieb des Customer Service-Dienstleisters vollständig an die walter services GmbH veräußert. Dieser Schritt folgt auf eine Phase wirtschaftlicher Herausforderungen für die BFS, die nach dem Verlust ihres Logistikgeschäfts eine Neuausrichtung benötigte. Die Übernahme von BFS durch walter services tritt offiziell zum 1. März 2026 in Kraft. Bis dahin verbleibt das Unternehmen noch unter dem Dach der BAUR-Gruppe, bevor es rechtlich und organisatorisch in die Strukturen des neuen Gesellschafters aus Königswinter übergeht.
Hintergründe der Trennung: Logistik-Aus und Marktdruck
Inhaltsverzeichnis
Die Entscheidung zum Verkauf der BFS Baur Fulfillment Solutions ist die Konsequenz einer längeren wirtschaftlichen Entwicklung. Ursprünglich war das 2004 gegründete Unternehmen sowohl im Bereich Customer Service als auch in der Logistik tätig. Nachdem jedoch ein wesentlicher Auftraggeber im Logistiksegment weggefallen war, sah sich das Unternehmen gezwungen, seine Logistikstandorte zu schließen. Bemühungen, in der angespannten Wirtschaftslage adäquates Neugeschäft für die Logistiksparte zu akquirieren, blieben erfolglos.
Zurück blieb das reine Customer Service-Geschäft. Achim Güllmann, CFO der BAUR-Gruppe, erläuterte die Problematik dieser Konstellation. Nach dem Wegfall der Logistik sei es zunehmend schwergefallen, einen wirtschaftlich sinnvollen Betrieb der verbliebenen Sparte zu gewährleisten. Der Markt für Kundenservice-Dienstleistungen in Deutschland gilt als extrem kompetitiv. Er ist geprägt von hohem Kostendruck und Margenschwäche, was insbesondere für kleinere, eigenständige Anbieter wie die BFS eine dauerhafte Herausforderung darstellt. Die notwendigen Kostenstrukturen, um im Wettbewerb zu bestehen, waren für die BFS als isolierte Einheit kaum noch darstellbar.
Vor diesem Hintergrund erschien die Übernahme von BFS durch walter services als logische Konsequenz. Als Teil einer größeren, spezialisierten Unternehmensgruppe kann die BFS von Skaleneffekten profitieren, die ihr als kleines Tochterunternehmen eines Handelskonzerns verwehrt geblieben wären. Die Einbindung in einen großen Verbund soll die Wettbewerbsfähigkeit der Einheit langfristig sichern.
Details zur Übernahme von BFS durch walter services
Der formale Startschuss für die Transaktion fiel am 3. Dezember 2025 mit der Unterzeichnung des Kaufvertrags. Vorausgegangen war ein einstimmiger Beschluss der Gesellschafter der BAUR-Gruppe. Sowohl die Friedrich-Baur-Stiftung als auch die Otto Group stimmten dem Verkauf zu, was die strategische Bedeutung dieses Schritts für den Gesamtkonzern unterstreicht.
Der Vollzug des Eigentümerwechsels, das sogenannte Closing, ist für den 1. März 2026 terminiert. Ab diesem Stichtag wird die BFS Baur Fulfillment Solutions GmbH nicht mehr Teil der BAUR-Gruppe sein. Die walter services GmbH tritt als neue Gesellschafterin ein und übernimmt sämtliche Rechte und Pflichten. Dies beinhaltet die Übernahme aller bestehenden Verträge mit Auftraggebern. Für die Kunden der BFS soll der Übergang laut den Verantwortlichen nahtlos erfolgen, da die operative Exzellenz und die eingespielten Teams erhalten bleiben.
Ein zentraler Aspekt der Verhandlungen war die Zukunft der Belegschaft. Die BAUR-Gruppe legte nach eigenen Angaben großen Wert darauf, eine Lösung zu finden, die nicht nur betriebswirtschaftlich tragfähig ist, sondern auch die Arbeitsplätze sichert. Die Übernahme von BFS durch walter services beinhaltet daher die Weiterbeschäftigung aller zum Übernahmezeitpunkt bei BFS angestellten Mitarbeiter.
Standortgarantie für Oberfranken
Neben der Beschäftigungssicherung umfasst der Kaufvertrag auch klare Regelungen zu den Immobilien. Die walter services GmbH tritt in die bestehenden Mietverträge der Centerstandorte ein. Dies betrifft die Niederlassungen in Burgkunstadt, Bayreuth sowie Neustadt bei Coburg. Damit bekennt sich der neue Eigentümer klar zum Standort Oberfranken.
Für die Region ist dies eine positive Nachricht, da Befürchtungen im Raum standen, dass eine Konsolidierung mit Standortschließungen einhergehen könnte. Durch die Integration in die walter services Gruppe bleibt die regionale Struktur jedoch erhalten. Meinolf Brauer, Inhaber von walter services, betonte die Bedeutung des Faktors Mensch im „People Business“ Customer Service. Die Integration von mehreren Hundert neuen Kollegen wird als Bereicherung für die eigene Unternehmensgruppe gesehen.
Das Profil des neuen Eigentümers walter services
Mit der walter services GmbH übernimmt ein Urgestein der deutschen Call-Center-Branche das Ruder. Das Unternehmen mit Sitz in Königswinter (Nordrhein-Westfalen) ist bereits seit 1956 am Markt tätig und verfügt über eine jahrzehntelange Erfahrung im Kundenservice. Vor der Übernahme von BFS durch walter services beschäftigte der Dienstleister rund 2.300 Mitarbeiter.
Die Arbeitsweise von walter services zeichnet sich durch Flexibilität aus, mit einer Mischung aus Home-Office-Lösungen und Präsenzarbeit an bisher 14 Standorten in Deutschland. Durch den Zukauf der BFS erweitert das Unternehmen sein Netzwerk nun signifikant um die Standorte in Oberfranken. Für walter services bedeutet die Akquisition nicht nur einen Zuwachs an Personal und Standorten, sondern auch eine Sicherung von zusätzlichem Auftragsvolumen durch die übernommenen Bestandsverträge der BFS.
Strategischer Ausblick und Marktkonsolidierung
Die Transaktion ordnet sich in einen breiteren Trend der Konsolidierung im Markt für Business Process Outsourcing (BPO) ein. Mittelgroße Einheiten schließen sich zunehmend größeren Playern an, um Synergien in der IT-Infrastruktur, im Management und in der Verwaltung zu heben. Für die BAUR-Gruppe bedeutet der Verkauf den Abschluss einer Umstrukturierung, bei der man sich von Geschäftsfeldern trennt, die nicht mehr zum Kerngeschäft zählen oder isoliert nicht profitabel zu betreiben sind.
Für die Mitarbeiter der BFS bietet die Übernahme von BFS durch walter services eine Perspektive, die unter der bisherigen Eignerstruktur zunehmend unsicher geworden wäre. Achim Güllmann zeigte sich erfreut darüber, dass das Ziel der betriebswirtschaftlichen Stabilisierung bei gleichzeitigem Erhalt der Arbeitsplätze erreicht wurde. Ab März 2026 wird sich zeigen, wie schnell die Integration der neuen Standorte in die Prozesse von walter services gelingt und wie sich die Synergien im operativen Tagesgeschäft niederschlagen.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass der Verkauf für alle Beteiligten eine Problemlösung darstellt: Die BAUR-Gruppe bereinigt ihr Portfolio, die BFS erhält durch den Anschluss an einen spezialisierten großen Partner eine Überlebenschance im harten Wettbewerb, und walter services baut seine Marktposition in Deutschland weiter aus.
Faktenbox
| Eckdaten zur Transaktion | |
|---|---|
| Thema | Übernahme von BFS durch walter services |
| Verkäufer | BAUR-Gruppe (Gesellschafter: Friedrich-Baur-Stiftung, Otto Group) |
| Käufer | walter services GmbH, Königswinter |
| Vertragsunterzeichnung | 3. Dezember 2025 |
| Vollzug (Closing) | 1. März 2026 |
| Betroffene Standorte | Burgkunstadt, Bayreuth, Neustadt bei Coburg |
| Mitarbeiter | Vollständige Übernahme der Belegschaft |
| Hintergrund | Wegfall des Logistikgeschäfts bei BFS; Notwendigkeit größerer Strukturen im Customer Service |