Die Zukunft im Consumer Tech Markt: KI, Standards und neue Konsumentenerwartungen

Die Zukunft im Consumer Tech Markt wird durch Künstliche Intelligenz, neue Interoperabilitätsstandards und veränderte Erwartungen der Verbraucher geprägt. Ein aktuelles Interview mit Tech-Experte Sascha Pallenberg zeigt, wie stark sich Geräteentwicklung, Kaufkriterien und Datenschutzfragen wandeln – und welche Faktoren künftig entscheidend sein werden.

Die Zukunft im Consumer Tech Markt: KI, Standards und neue Konsumentenerwartungen
Die Zukunft im Consumer Tech Markt: KI, Standards und neue Konsumentenerwartungen

KI als Standardfunktion: Wie sich Erwartungen verschieben

Ein zentrales Ergebnis: KI hat längst den Status eines selbstverständlichen Ausstattungsmerkmals erreicht. Pallenberg beschreibt, dass Endkunden nicht mehr überrascht seien, wenn Geräte „smart“ wirken – sie erwarten es. Statt einzelner Highlights zählt die Fähigkeit eines Geräts, alltägliche Aufgaben autonom, effizient und zuverlässig zu übernehmen.

Besonders deutlich wird das am Beispiel der Staubsaugerroboter. Obwohl sie seit vielen Jahren auf dem Markt sind, hat sich ihre Leistungsfähigkeit durch KI deutlich verbessert. Verbraucher verbinden KI vor allem mit praktischen Ergebnissen: bessere Navigation, weniger Reinigungsfehler und automatisierte Abläufe. Damit wird die Technologie zu einem messbaren Kaufargument, wenn konkrete Vorteile sichtbar sind. Wo dieser Nutzen fehlt, bleibt KI eher ein Zusatz, der in der Vermarktung erwähnt wird, aber keine zentrale Entscheidung auslöst.

Interoperabilität durch Matter: Fortschritt mit Kommunikationslücke

Ein weiterer Schwerpunkt der Zukunft im Consumer Tech Markt liegt im Bereich der Interoperabilität. Der offene Standard „Matter“ soll Geräte verschiedener Hersteller nahtlos miteinander verbinden. Laut Pallenberg hat sich hier technisch enorm viel verbessert – doch das Wissen darüber bleibt gering. Konsumenten erkennen die Bedeutung des Standards oft nicht, obwohl er ein entscheidendes Kaufkriterium darstellt.

Die großen Plattformanbieter wie Apple, Amazon und Google setzen zwar Matter in ihren Geräten ein, kommunizieren aber kaum darüber. Das führt dazu, dass viele Käufer weiterhin auf bekannte Logos statt auf technische Grundlagen achten. Für den Markt bedeutet dies: Während Interoperabilität technisch gesichert ist, fehlt es an Transparenz und Verständlichkeit. Die Zukunft im Consumer Tech Markt hängt daher auch von besserer Aufklärung ab.

Datenschutz im Wandel: Sensibilität steigt, Wissen fehlt

Mit jedem vernetzten Gerät wachsen die Datenmengen, die im Hintergrund verarbeitet werden. Pallenberg betont, dass Nutzer häufig persönliche Informationen weitergeben, ohne sich der Konsequenzen bewusst zu sein. Lange Nutzungsbedingungen werden übersprungen, Standortfreigaben selbstverständlich erteilt – und KI-gestützte Systeme werden im Alltag wie vertraute Gesprächspartner behandelt.

Pallenberg fordert klarere, sichtbare Hinweise zum Umgang mit Daten – vergleichbar mit Warnhinweisen auf Zigarettenpackungen. Ein Beispiel wäre ein deutlicher Hinweis, wenn Geräte Nutzerdaten in unsicheren Clouds speichern. Solche Maßnahmen könnten Vertrauen fördern und Transparenz schaffen, zwei Elemente, die für die Zukunft im Consumer Tech Markt zentral werden.

Trend „KI-Washing“: Wenn Funktionen mehr versprechen als sie leisten

Ein weiteres Thema ist das sogenannte „KI-Washing“. Hersteller integrieren den Begriff KI zunehmend in Produktbeschreibungen, ohne belastbar zu machen, worin der reale Mehrwert besteht. Für Kunden wird es dadurch immer schwieriger zu bewerten, ob eine Funktion tatsächlich intelligent ist oder nur so bezeichnet wird.

Pallenberg fordert daher klare Angaben: Welche Modelle werden eingesetzt? Welche Fähigkeiten werden konkret verbessert? Transparente Kommunikation könne helfen, überzogene Versprechen zu vermeiden und Orientierung zu schaffen.

Kaufverhalten der nächsten fünf Jahre: worauf Endkunden achten werden

Für die kommenden Jahre identifiziert Pallenberg drei zentrale Kriterien, die den Markt prägen werden:

    1. Preis-Leistung bleibt der wichtigste Faktor. Konsumenten vergleichen stärker und erwarten sichtbare Mehrwerte.
    2. Nachhaltigkeit und Upgradefähigkeit gewinnen an Bedeutung. Die Frage, wie lange ein Smart Device nutzbar ist und wie lange es Updates erhält, wird immer häufiger gestellt.
    3. Design und Verarbeitungsqualität behalten ihre starke Stellung, da sie unmittelbare Qualitätsmerkmale sind.

Weitere Aspekte wie Datensicherheit oder transparente Lieferketten spielen zwar eine Rolle, benötigen jedoch laut Pallenberg intensivere Aufklärung und öffentliche Diskussionen, um sich durchzusetzen.

Was die Branche erwartet

Die Zukunft im Consumer Tech Markt wird von einem Zusammenspiel aus technologischer Weiterentwicklung, regulatorischem Druck und veränderten Konsumentenerwartungen geprägt. KI wird funktionaler und weniger als Marketingbegriff genutzt werden müssen. Standards wie Matter könnten den Markt vereinheitlichen, sofern Hersteller stärker auf Transparenz setzen. Datenschutz wird durch politische Vorgaben und Verbrauchersensibilisierung weiter in den Fokus rücken.

Der Markt steht damit vor einer Phase, in der Funktionalität, Sicherheit und Nachhaltigkeit gleichrangig erwartet werden – und in der Hersteller stärker gefordert sind, diese Elemente verständlich zu kommunizieren.

Faktenbox

Zukunft im Consumer Tech Markt
Rolle von KI KI wird zum Standardmerkmal und beeinflusst Kaufentscheidungen nur bei erkennbarem Nutzen.
Interoperabilität Matter erleichtert die Kompatibilität, wird jedoch kaum verständlich kommuniziert.
Datenschutz Verbraucher geben viele Daten preis, sind sich aber der Risiken selten bewusst.
Kaufkriterien Preis-Leistung, Nachhaltigkeit sowie Design bestimmen die Marktentwicklung.

Das Interview mit Sascha Pallenberg führte Marie-Charlotte von Heyking von der GFU Consumer & Home Electronics GmbH.