Erkennung von Fakeshops: Neue Umfrage zeigt gefährliche Selbstsicherheit
Eine aktuelle Befragung der Initiative Sicher Handeln (ISH) offenbart erhebliche Wissenslücken bei der Erkennung von Fakeshops. Obwohl die Mehrheit der Verbraucher angibt, betrügerische Online-Shops zu kennen, erkennt nur ein kleiner Teil die entscheidenden Warnsignale. Gleichzeitig nimmt die subjektive Sorge vor Betrug ab – entgegen der wachsenden Professionalisierung krimineller Angebote, die zunehmend auf Künstliche Intelligenz setzen.
Begriff bekannt, Warnsignale kaum präsent
Inhaltsverzeichnis
Laut der Umfrage wissen rund 81 Prozent der Befragten, was Fakeshops sind. Doch die Erkennung von Fakeshops bleibt oberflächlich: Nur ein Viertel der Verbraucher identifiziert alle relevanten Warnsignale. Die meisten achten lediglich auf einzelne Indizien, etwa unvollständige rechtliche Hinweise, ungewöhnlich niedrige Preise oder auffällige Internetadressen. Rund 29 Prozent orientieren sich an Bewertungen oder eingeschränkten Zahlungsmethoden, obwohl gerade begrenzte Bezahloptionen ein eindeutiges Betrugsmerkmal darstellen.
Besorgniserregend ist, dass 14 Prozent gar nicht angeben können, woran Fakeshops zu erkennen sind. Mit Schäden von über 100 Millionen Euro jährlich und mehr als 300.000 Betroffenen allein in Deutschland zeigt sich, dass die Auswirkungen weit über Einzelfälle hinausgehen.
Vertrauen in bekannte Muster – ein wachsendes Risiko
Fast die Hälfte der Befragten prüft Online-Shops eigenen Angaben zufolge gründlich vor dem Kauf. Dennoch verlassen sich viele auf Signale, die Betrüger gezielt manipulieren. Ein Drittel vertraut positiven Bewertungen, 15 Prozent achten verstärkt auf Markenlogos oder Gütesiegel. Solche Elemente lassen sich heute jedoch problemlos fälschen und dienen Tätern als Einstiegspunkt für glaubwürdige Auftritte.
Rabattaktionen, Verknappungen und scheinbar zeitkritische Angebote erhöhen zusätzlich das Risiko unüberlegter Entscheidungen. Eine Untersuchung aus Österreich zeigt, dass an Aktionstagen wie der „Black Week“ jeder vierte Nutzer auf ein betrügerisches Angebot stößt. Die Erkennung von Fakeshops wird in diesen Phasen besonders schwierig, da emotionale Impulse stärker wirken als rationale Prüfmechanismen.
Sinkende Risikowahrnehmung trotz steigender Professionalität
Nur 20 Prozent der Befragten sorgen sich aktuell, selbst Opfer eines Fakeshops zu werden. Im Vorjahr lag dieser Wert noch bei einem Viertel. Diese Entwicklung steht im deutlichen Gegensatz zur zunehmenden Professionalität krimineller Strukturen. Die Täter setzen verstärkt auf KI-generierte Produktbeschreibungen, Bewertungen und Chat-Antworten, die authentischer wirken als viele echte Inhalte. Rund jeder fünfte Verbraucher gibt an, Online-Angeboten seit dem KI-Boom grundsätzlich weniger zu vertrauen – eine Wirkung, die bislang jedoch kaum zu mehr Vorsicht führt.
„Viele kennen den Begriff, aber nicht die Mechanismen dahinter“, betont Harald Schmidt von der Initiative Sicher Handeln. Die wachsende Selbstsicherheit führe dazu, dass elementare Prüfschritte vernachlässigt werden, was wiederum die Erfolgsquote der Betrüger erhöht.
Die Rolle der KI in der Entwicklung neuer Betrugsmuster
Die Erkennung von Fakeshops beeinflusst zunehmend auch der Einsatz Künstlicher Intelligenz. KI ermöglicht es Tätern, Layouts, Inhalte und Support-Kommunikation authentischer und konsistenter erscheinen zu lassen. Darüber hinaus tauchen Fakeshops häufiger nur kurzfristig auf, um rasch große Mengen an Bestellungen zu generieren und anschließend zu verschwinden. Klassische Merkmale wie fehlerhafte Sprache oder unprofessionelles Design verlieren durch automatisierte Tools an Aussagekraft.
Hinzu kommt die größere Reichweite durch gezielte Anzeigen, Social-Media-Kampagnen und algorithmisch optimierte Suchmaschinenstrategien, die betrügerische Shops besser sichtbar machen.
Schutzmaßnahmen: Wissen bleibt entscheidend
Auch wenn Fakeshops immer schwerer zu erkennen sind, bleibt das Nutzerverhalten ein zentraler Schutzfaktor. Die Initiative empfiehlt die SHS-Regel (Stoppen, Hinterfragen, Schützen), um impulsive Entscheidungen zu vermeiden. Außerdem gilt Kauf auf Rechnung weiterhin als sicherste Methode, während Zahlungen per Vorkasse ein erhebliches Risiko darstellen. Der Fakeshop-Finder der Verbraucherzentrale bietet zusätzliche Orientierung, ersetzt jedoch keine eigenständige Prüfung.
Die Erkennung von Fakeshops bleibt somit ein fortlaufendes Thema, das wachsendes Wissen und kritisches Denken erfordert. Angesichts der Professionalisierung krimineller Strukturen ist davon auszugehen, dass Verbraucher künftig noch stärker auf digitale Kompetenz und Medienbewusstsein angewiesen sind.
Faktenbox
| Erkennung von Fakeshops | |
|---|---|
| Bekanntheit des Begriffs | 81 % der Befragten wissen laut eigener Aussage, was Fakeshops sind. |
| Erkennung aller Warnsignale | Nur 23 % identifizieren sämtliche relevanten Hinweise auf Betrug. |
| Jährlicher Schaden | In Deutschland entstehen durch Fakeshops rund 100 Millionen Euro Schaden. |
| Betroffene Personen | Mehr als 300.000 Menschen wurden bereits Opfer betrügerischer Shops. |
| Sorge vor Betrug | Nur 20 % befürchten aktuell, selbst auf einen Fakeshop hereinzufallen. |