Autonomer Lieferdienst von Rewe und Loxo: Pilotprojekt startet in Bochum
Rewe testet erstmals in Deutschland einen Lieferdienst mit hochautomatisiertem Fahrzeug. Gemeinsam mit dem Technologieunternehmen Loxo setzt der Händler in Bochum ein autonom fahrendes Lieferfahrzeug ein, das Bestellungen im täglichen Betrieb transportiert. Der autonome Lieferdienst von Rewe und Loxo soll über mehrere Monate technische, organisatorische und wirtschaftliche Erkenntnisse für den künftigen Einsatz automatisierter Zustellsysteme liefern.
Einordnung des Pilotprojekts
Inhaltsverzeichnis
Der autonome Lieferdienst von Rewe und Loxo basiert auf einem modifizierten VW ID. Buzz, der im Level-4-Modus des autonomen Fahrens betrieben wird. Damit kann das Fahrzeug bestimmte Strecken weitgehend selbstständig absolvieren, während eine Sicherheitsperson im Cockpit nur im Bedarfsfall eingreift. Der Testlauf gilt als erster praktischer Einsatz eines hochautomatisierten Fahrzeugs im deutschen Lebensmitteleinzelhandel und soll zeigen, wie sich autonome Systeme in bestehende Lieferketten integrieren lassen.
Rewe bindet das Fahrzeug vollständig in seine E-Commerce- und Tourenplanungsprozesse ein. Für Kunden bleibt der Ablauf unverändert; Bestellung und Lieferung erfolgen wie gewohnt, die Auslieferung übernimmt jedoch ein autonomes Fahrzeug. Die Sicherheitsperson begleitet jeden Einsatz, um gesetzliche Vorgaben einzuhalten und die Überwachung der Fahrfunktionen sicherzustellen.
Technische Grundlagen
Loxo stellt das Software- und Betriebssystem für den autonomen Lieferdienst von Rewe und Loxo. Die „Digital Driver Software“ kombiniert KI-Strukturen mit Sensorik für Echtzeitumgebungserfassung und Entscheidungslogik. Sie verarbeitet große Datenmengen, um Verkehrs- und Umgebungssituationen auf öffentlichen Straßen auszuwerten. Das System ist so ausgelegt, dass es prinzipiell ohne Begleitperson auskommen könnte, was allerdings im deutschen Rechtsrahmen derzeit nicht gestattet ist.
Ziel des Projekts ist es, realitätsnahe Erfahrungen im urbanen Umfeld zu sammeln. Die Bochumer Teststrecken liegen im Umfeld des Rewe Fulfillment Centers im Westen der Stadt und verbinden das Logistikzentrum mit umliegenden Wohngebieten. Diese Nähe erlaubt eine präzise Analyse der Fahrzeugleistung in kurzen, klar definierten Einsatzzyklen.
Erkenntnisse und KPIs im Fokus
Im Mittelpunkt des Projekts stehen technische und wirtschaftliche Leistungsindikatoren. Der autonome Lieferdienst von Rewe und Loxo soll zeigen, welche Autonomiegrade im realen Straßenverkehr stabil erreichbar sind und wie sich automatisiertes Fahren auf Kapazität, Effizienz und Durchlaufzeiten auswirkt. Weitere relevante Größen sind Energieverbrauch, Systemzuverlässigkeit, Fehlerreaktionen und potenzielle Skalierbarkeit.
Rewe und Loxo wollen ebenso untersuchen, ob sich die Technologie in bestehende Prozesse integrieren lässt, ohne die Lieferqualität zu beeinträchtigen. Dazu gehört insbesondere, wie sich die autonome Zustellung im eng getakteten urbanen Lieferverkehr behauptet und wie das System auf variable Rahmenbedingungen wie Verkehrsdichte, Wetter oder Hindernisse reagiert.
Bochum als Standort für Mobilitätstests
Der Standort Bochum bietet aus Sicht der Partner ein geeignetes Umfeld für den autonomen Lieferdienst von Rewe und Loxo. Die Stadt entwickelt sich seit Jahren zu einem Forschungs- und Entwicklungsstandort für Mobilität. Die Bochum Wirtschaftsentwicklung unterstützt das Projekt und sieht es als Baustein für eine langfristige Ausrichtung auf intelligente und nachhaltige Verkehrskonzepte.
Durch die räumliche Nähe von Logistikzentrum und Zielgebieten entsteht ein Testfeld, das stabile, nachvollziehbare Ergebnisse ermöglicht. Gleichzeitig bietet der urbane Raum ausreichend komplexe Verkehrssituationen, um das System umfangreich zu prüfen.
Ausblick und Bedeutung für den Markt
Sollte der autonome Lieferdienst von Rewe und Loxo erfolgreich verlaufen, könnte das Modell in weiteren Städten getestet oder für größere Touren konzipiert werden. Autonome Zustellfahrzeuge gelten im Handel als ein potenzieller Baustein, um Lieferkosten zu senken, Kapazitäten zu erweitern und Personalengpässe abzufedern. Die Ergebnisse aus Bochum könnten direkte Auswirkungen auf zukünftige regulatorische Diskussionen zum automatisierten Fahren im urbanen Raum haben.
Das Projekt dient außerdem als Grundlage, um die wirtschaftliche Tragfähigkeit autonomer Lieferprozesse zu bewerten. Faktoren wie Wartungsbedarf, Systemstabilität, operative Kosten und potenzielle Skaleneffekte spielen eine Rolle, wenn Händler und Technologieanbieter über großflächige Implementierungen entscheiden.
Faktenbox
| Der autonome Lieferdienst von Rewe und Loxo | |
|---|---|
| Testdauer | Rund sechs Monate im täglichen Lieferbetrieb in Bochum |
| Fahrzeugtyp | Hochautomatisierter VW ID. Buzz, Level-4-Modus |
| Software | „Digital Driver Software“ von Loxo |
| Einsatzgebiet | Routen zwischen Rewe Fulfillment Center und Wohngebieten im Westen Bochums |
| Zielsetzung | Analyse technischer und wirtschaftlicher KPIs autonomer Zustellung |