KI-Wachstum erfordert zwei Billionen US-Dollar
Der aktuelle „Global Technology Report 2025“ von Bain & Company verdeutlicht das enorme Tempo des weltweiten KI-Wachstums. Um den steigenden Bedarf an Rechenleistung bis 2030 zu decken, sind laut Bain jährlich rund zwei Billionen US-Dollar an zusätzlichen Einnahmen erforderlich. Besonders in den USA wird sich das KI-Wachstum stark auf die Energieinfrastruktur auswirken – rund die Hälfte des prognostizierten globalen Strombedarfs für künstliche Intelligenz entfällt auf den US-Markt.
Zwei Billionen US-Dollar Umsatzpotenzial notwendig
Inhaltsverzeichnis
Das weltweite Wachstum wird laut Bain bis zum Ende des Jahrzehnts zu einem Rechenleistungsbedarf von etwa 200 Gigawatt führen. Selbst bei einer vollständigen Reinvestition aller Einsparungen aus KI-Anwendungen in neue Rechenzentren bliebe eine erhebliche Finanzierungslücke bestehen. Der Grund: Die Nachfrage nach Rechenleistung wächst mehr als doppelt so schnell, wie es das Mooresche Gesetz prognostiziert.
Bain-Partner Dr. Florian Mueller warnt, dass Unternehmen jährlich rund 500 Milliarden US-Dollar investieren müssen, um das erwartete Umsatzpotenzial von zwei Billionen US-Dollar zu realisieren. Nur so könne das KI-Wachstum profitabel gestaltet werden. Doch der Ausbau der Energieversorgung bleibe eine zentrale Herausforderung, da viele Stromnetze seit Jahrzehnten keine nennenswerten Kapazitäten hinzugewonnen haben.
Führende Unternehmen profitieren bereits von KI-Skalierung
Während viele Firmen noch experimentieren, zeigen Marktführer laut Bain, wie sich das Wachstum wirtschaftlich umsetzen lässt. Durch den produktiven Einsatz von künstlicher Intelligenz in zentralen Geschäftsprozessen erzielten sie in den vergangenen zwei Jahren EBITDA-Zuwächse von 10 bis 25 Prozent.
Innovationsführer investieren zunehmend in agentische KI – Systeme, die eigenständig handeln, kommunizieren und Informationen kontextbasiert verarbeiten. In den nächsten drei bis fünf Jahren könnten 5 bis 10 Prozent der weltweiten IT-Budgets in grundlegende KI-Infrastruktur fließen. Insgesamt könnten bis zu 50 Prozent der Technologiebudgets für agentische KI-Agenten verwendet werden, die das künftige KI-Wachstum maßgeblich prägen dürften.
Vier Stufen des technologischen Reifegrads
Bain beschreibt das KI-Wachstum entlang von vier Entwicklungsstufen:
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- LLM-gestützte Informationsagenten,
- Workflow-Automatisierungen für einzelne Tätigkeiten,
- systemübergreifende Workflow-Orchestrierung,
- Mehr-Agenten-Systeme mit kollaborativer Intelligenz.
Derzeit konzentrieren sich Investitionen auf die mittleren Stufen, wodurch führende Unternehmen ihren Vorsprung weiter ausbauen. Die größte Herausforderung liegt laut Bain in der Schaffung sicherer und interoperabler IT-Architekturen, die eine nahtlose Kooperation zwischen Agenten ermöglichen und damit das KI-Wachstum langfristig absichern.
Geopolitische Faktoren beeinflussen das KI-Wachstum
Das KI-Wachstum ist längst nicht mehr nur ein wirtschaftlicher, sondern auch ein geopolitischer Faktor. Zölle, Exportkontrollen und das Streben nach technologischer Souveränität führen zu einer Fragmentierung der globalen Lieferketten. Technologien wie KI gelten inzwischen als strategische Ressourcen.
Die USA und China stehen laut Bain im Zentrum dieser Entwicklung. China ist 2025 für rund 20 Prozent der weltweiten Chipproduktion verantwortlich. Bain-Partner Philipp Sautner betont, dass souveräne KI-Fähigkeiten zunehmend als strategischer Vorteil betrachtet werden – ähnlich militärischer oder wirtschaftlicher Stärke. Eine globale Vereinheitlichung von Standards im KI-Wachstum sei jedoch nicht zu erwarten.
Quantencomputing und Robotik treiben das nächste KI-Wachstum
Neben der künstlichen Intelligenz sieht Bain zwei weitere Schlüsseltrends für das technologische KI-Wachstum der nächsten Jahre: Quantencomputing und humanoide Robotik.
Quantencomputer könnten laut Bain ein Marktpotenzial von bis zu 250 Milliarden US-Dollar erschließen – insbesondere in der Pharmaindustrie, im Finanzwesen und in der Logistik. Der Durchbruch leistungsfähiger Systeme steht allerdings noch aus.
Auch die Robotik gewinnt an Dynamik. Das Interesse an humanoiden Robotern wächst stark, doch die meisten Anwendungen befinden sich noch in frühen Pilotphasen. Der kommerzielle Erfolg hängt laut Bain davon ab, wie schnell Unternehmen den Übergang von Experimenten zu skalierbaren Anwendungen schaffen. Frühstarter könnten entscheidende Vorteile im globalen KI-Wachstum erzielen.
Balance zwischen Chancen und Risiken
Das KI-Wachstum laut Bain Global Technology Report 2025 zeigt, wie eng wirtschaftliche Dynamik, technologische Innovation und geopolitische Interessen miteinander verflochten sind. Unternehmen, die frühzeitig auf skalierbare KI-Architekturen und resiliente Lieferketten setzen, werden langfristig zu den Gewinnern zählen. Der Wettbewerb um Rechenleistung, Kapital und Talente wird sich weiter verschärfen – und das weltweite KI-Wachstum bis 2030 maßgeblich bestimmen.
Faktenbox
| Zentrale Fakten zum KI-Wachstum laut Bain Global Technology Report 2025 | |
|---|---|
| Zusätzliches Umsatzpotenzial bis 2030 | 2 Billionen US-Dollar |
| Prognostizierter globaler KI-Strombedarf | 200 Gigawatt |
| Anteil der USA am KI-Strombedarf | ca. 50 % |
| Jährliche Investitionsausgaben laut Bain | 500 Milliarden US-Dollar |
| EBITDA-Steigerung führender Unternehmen | 10–25 % |
| Marktpotenzial Quantencomputing | bis zu 250 Milliarden US-Dollar |
| Chip-Produktionsanteil Chinas | 20 % |